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Das kann der Sigismund dafür: Barock-Duell in Bayreuth | BR24

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Komponist Leonardo Vinci, nicht zu verwechseln mit dem Maler, lässt eine "vernünftige" und eine jähzornige Führungskraft aufeinander prallen, damit wollte er Monarchen Moral beibringen. Das wurde zu einem Hör-Abenteuer in prächtiger Kulisse.

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Das kann der Sigismund dafür: Barock-Duell in Bayreuth

Komponist Leonardo Vinci, nicht zu verwechseln mit dem Maler, lässt eine "vernünftige" und eine jähzornige Führungskraft aufeinander prallen, damit wollte er Monarchen Moral beibringen. Das wurde zu einem Hör-Abenteuer in prächtiger Kulisse.

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Ja, wenn alle Politiker gescheit und vernünftig wären, dann wäre die Welt vielleicht etwas langweiliger, aber garantiert friedlicher. Leider gibt es ja immer wieder Führungskräfte, die sich von ihren Leidenschaften hinreißen lassen und dann auch meist schmählich enden - im Theater fast immer, im Alltag gelegentlich. Das war natürlich auch vor 300 Jahren in der Barock-Zeit nicht anders, aber im Unterschied zu heute verzweifelten die Künstler damals noch nicht an der Politik, sondern versuchten sie tatsächlich ernsthaft zu bessern - mit anderen Worten: Sie predigten noch Moral, ob sie selbst dran glaubten, sei dahingestellt.

Ärger mit unvernünftigen Verwandten

Und so trafen gestern Abend im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth zwei sehr unterschiedliche Landesherren aufeinander: Sigismund II. August (1520 - 1572) der reale, weise, abgeklärte und ausgesprochen vernünftige König von Polen und Primislao, der fiktive, rachsüchtige, impulsive, wankelmütige Herzog von Litauen. Wer von beiden am Ende gewinnt, ist ja klar. Der venezianische Textdichter Francesco Briani ließ sich dieses lehrreiche Duell über Regierungskunst einfallen, nicht von ungefähr, denn 1709 schaute der dänische König Friedrich IV. in der Lagunenstadt vorbei, und der sollte auf der Opernbühne einen angemessenen Stoff geboten bekommen. Ob er selbst vernünftig war, ist nicht zweifelsfrei überliefert, jedenfalls hatte er jede Menge Ärger mit unvernünftigen Verwandten.

© Jungblut/BR

Zuschauer im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth

Barock-Oper war trotz der strengen Zensur also durchaus tagesaktuell, voller Anspielungen, hat viele Bedeutungs-Ebenen, die im Programmbuch von "Bayreuth Baroque" auch alle aufgeführt sind, wenn auch bedauerlicherweise in winziger Schriftgröße (ein Fall für die Gleitsichtbrille!).

Der Komponist von "Sigismund, König von Polen", italienisch "Gismondo, Re di Polonia", heißt zufällig fast genauso wie der berühmte Maler der "Mona Lisa", Leonardo Vinci (1690 - 1730). Ein Mann, der sein italienisches Stammpublikum gern an exotische Orte führte, mal nach Norwegen, mal nach Persien und in diesem Fall eben nach Polen. Heute ist Vinci, seinerzeit ein gefragter Lehrmeister und wagemutiger Musik-Erneuerer, weitgehend vergessen, und daher stellte sich die Frage: Machte die konzertante Aufführung auf sein Werk neugierig? Das durften bereits die Wiener überprüfen, als die Produktion, ebenfalls konzertant und in ähnlicher Besetzung, im September 2018 im Theater an der Wien herauskam.

Wie eine Einladung ins Kaffeehaus

Nun, mit der Farbenpracht und der Dramatik eines Händel lässt er sich nicht vergleichen, aber er liebte Kontraste, mischte gern widerstreitende Gefühle, zum Beispiel Hass und Mitgefühl ineinander, und das macht seine Arien zweifellos interessant. Auch die Instrumentierung war in Bayreuth abwechslungsreich: Die polnische Dirigentin Martyna Pastuszka leitete das Orkiestra Historyczna (abgekürzt übrigens {oh!}) mit der Geige in der Hand geradezu tänzerisch leicht, als ob sie zur Kaffeehaus-Musik einladen wollte. Das machte beste Laune, selbst über die gut drei Stunden hinweg, zumal im barocken Markgräflichen Opernhaus historische Kulissen aufgehängt waren, die einen prächtigen Saal zeigten, wie er der spendablen Markgräfin Wilhelmine sicher behagt hätte.

© Bayreuth Baroque

Aleksandra Kubas-Kruk (links) und Sophie Junker

Dass vom Komponisten auch die eine oder andere "Koffer-Arie" in die Partitur reingeschmuggelt wurde, also völlig beliebige Gesangseinlagen, die überall und nirgends hinpassen und in der Barock-Zeit den Kastraten zur akrobatischen Selbstdarstellung dienten, war nicht weiter misslich.

Vielleicht wurde ja jemand geläutert

Unter den Solisten fielen besonders der Ukrainer Yuriy Mynenko auf, sowie die polnische Sopranistin Aleksandra Kubas-Kruk, die den bösen Primislao singen durfte und dafür stets die passende, herrschsüchtige Mimik und die forsche Stimme hatte. Festival-Chef Max Emanuel Cenčić stand in der Titelrolle als kluger, allzeit milder und vergebungsbereiter Sigismund auf der Bühne - leider kein besonders prickelnder Part, die makellos Guten sind im Theater ja selten mitreißend. Insgesamt ein lohnendes Hör-Abenteuer in der Bayreuther Welterbe-Szenerie. Vielleicht ging der eine oder andere Zuschauer ja doch etwas geläutert nach Hause - Leonardo Vinci zuliebe.

Wieder am 13. September im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth

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