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Vom Goggo bis zum Waigel-Füller: Das gibt's im neuen Museum | BR24

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Ein Goggomobil steht im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

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Vom Goggo bis zum Waigel-Füller: Das gibt's im neuen Museum

In Regensburg eröffnet das Museum der Bayerischen Geschichte. Die Besucher können darin eine Zeitreise durch 200 Jahre Bayern unternehmen. Industrialisierung, Theater, Landwirtschaft, Handel, Verkehr - die Ausstellung deckt ein breites Spektrum ab.

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Langsam und gemächlich bringt eine Rolltreppe die Besucher in das Obergeschoss des Museums. Aus Lautsprechern neben dem Handlauf sind Kampf-Geräusche zu hören. Schwerter klirren. Hier - schon auf der Rolltreppenfahrt - beginnt die Dauerausstellung, sagt Gründungsdirektor und Museumsleiter Richard Loibl.

Die Napoleonischen Kriege haben Bayern zum Königreich gemacht, sagt Loibl. Aus dieser Zeit stammt auch die Beschreibung Bayerns als "irdisches Paradies". Ein Vergleich der gerade in der Politik oft verwendet wird, aber nur selten komplett zitiert wird, sagt Loibl.

"'Bayern ist ein irdisches Paradies' ist eine Paradeaussage der Bayerischen Ministerpräsidenten. Ursprünglich stammt er aus einem Brief eines napoleonischen Gesandten an Napolen. Der hat überprüfen lassen mit wem er sich hat verbünden können in Süddeutschland. Und dann ist der Brief zurückgekommen 'Bayern ist ein irdisches Paradies - aber regiert von Idioten'." Richard Loibl, Museumsleiter

Franz Josef Strauß und WAA-Gegner stehen sich gegenüber

Die Dauerausstellung umfasst die letzten zwei Jahrhunderte der Bayerischen Geschichte. Die Jahrzehnte und Jahrtausende davor werden im Erdgeschoss in einer aufwändig gestalteten 360-Grad-Videoproduktion in wenigen Minuten am Beispiel Regensburg abgehandelt. Die Kabarettisten Christoph Süß und Christian Springer schlüpfen dafür in verschiedene Rollen.

In der Dauerausstellung erzählen die Macher die Geschichte des Freistaats als eine Geschichte voller Gegensätze. So wurde zum Beispiel der pompös-kitschige Märchenschlitten von Ludwig dem Zweiten bereits mit Glühbirnen beleuchtet. Und das noch bevor Thomas Edison sein Glühbirnenpatent erhielt. Franz Josef Strauß' Reden haben die Ausstellungsmacher den Transparenten der Gegner der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf gegenübergestellt. Und Bierwerbeschilder mit Naturidylle und Alpenpanorama werden von der ersten Kältemaschine der Firma Linde flankiert. Ein technisches Monstrum, das den weltweiten Siegeszug des Bayerischen Bieres erst möglich machte.

Auf ähnliche Weise werden den Besuchern auch die Schattenseiten der Landesgeschichte näher gebracht. So liegt nur wenige Meter neben dem Anzug eines französischen KZ-Insassen ein sorgfältig gestaltetes Album - angelegt von einer Münchnerin, die den Aufstieg Hitlers minutiös dokumentiert hatte.

© Haus der Bayerischen Geschichte

Der Blick auf die Inszenierung zur NS-Diktatur zeigt unter anderem einen Globus aus Hitlers Arbeitszimmer im Münchner "Führerbau".

Weltkriegsjahre und Wirtschaftswunder

Nach den bedrückenden und sehr zurückhaltend gestalteten Ausstellungsbereichen über die Weltkriegsjahre wird die Ausstellung dann schnell wieder bunter. Wer sich in ein Goggomobil aus Dingolfing zwängt, wird auf eine typische Nachkriegs-Urlaubsreise mitgenommen. Auch interaktive Elemente fehlen nicht: In den alten Original-Landtagssitzen können die Besucher bei historischen Debatten selbst mitabstimmen.

© Haus der Bayerischen Geschichte

In der interaktiven Landtagsinszenierung des neuen Museums können die Besucher selbst bei drei verschiedenen Landtagsdebatten abstimmen.

Neben Politik, Kultur und Religion spielen auch Bayerns Sportstars eine Rolle. In einem Film erzählen beispielsweise Philipp Lahm und Sepp Maier die Geschichte des FC Bayern.

Immer wieder wird in der Ausstellung auch mit den Bayern-Klischees gespielt. Dirndl, Rautenmuster und Volkstanz seien nicht gottgegeben, lernt der Besucher. Sie hätten sich im Bayern-Bild aber festgesetzt. Vor allem, weil sich mit der blau-weißen Bayern-Idylle vieles gut verkaufen hat lassen. Das Bayerische Bier etwa, die Urlaubsorte und sogar die CSU vermarktet sich schon seit Jahrzehnten mit Bayerischem Löwe und Raute - eine Idee, die ursprünglich von einer Werbeagentur stammt, sagt Richard Loibl. Bleiben vom Bayern-Bild am Ende nur diese Klischees übrig, werden die Besucher am Ausgang der Ausstellung gefragt? Ist Bayern nicht mehr als Lederhose, Neuschwanstein und Oktoberfest? Richard Loibl will sich da nicht festlegen.

Nach dem Festakt heute, öffnet das Museum der Bayerischen Geschichte ab morgen auch für Besucher. Bis Ende Juni ist der Eintritt frei. Danach kostet ein Besuch pro Person fünf Euro.

© BR

Maximilian Maier hat die Entstehung des Museums von Anfang an miterlebt.

💡 Der Bayerische Rundfunk als Kulturpartner

Seit Juli 2017 sind der Bayerische Rundfunk und das Haus der Bayerischen Geschichte Kulturpartner. Im Rahmen dieser Partnerschaft hat der BR knapp 140 Multimedia-Ausstellungsstücke aus seinen Archiven zur Verfügung gestellt. Die Original-Töne und Filmausschnitte des BR dienen als Quellen zu vielen historischen Ereignissen. Der BR unterstützt damit Medienstationen in der Dauerausstellung sowie den Aufbau der Bavariathek, in der bayerische Geschichte multimedial und innovativ erzählt wird. Die historischen Bestände werden digital in einem Medienarchiv gespeichert und über ein eigenes Online-Portal für Recherche und Dokumentation öffentlich zugänglich gemacht. BR24, die digitale Informationsmarke des BR, steuert etwa die #BR24Zeitreise bei – Schätze aus den Fernseharchiven des BR, digitalisiert und den jungen Sehgewohnheiten als Web-Videos angepasst.

Die Bavariathek gibt es aber nicht nur virtuell, sondern auch ganz konkret vor Ort in Regensburg: Neben dem Museum entstehen am Donaumarkt Medienräume mit moderner technischer Ausstattung, die als Schulungszentrum dienen. Dort können Schulklassen ihr Wissen in Geschichte vertiefen und zugleich ihre Medienkompetenz ausbauen – ein Feld, auf das der BR großen Wert legt.

Sendung

Regionalnachrichten aus der Oberpfalz

Autor
  • Andreas Wenleder
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