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Das Filmfestival Türkei Deutschland sucht das Miteinander | BR24

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Eine gute Woche lang werden aktuelle türkische Filme gezeigt, aber nicht nur. Auch einige deutsche Produktionen sind dabei. Die Macherinnen wollen den Austausch zwischen türkischer und deutscher Kultur fördern.

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Das Filmfestival Türkei Deutschland sucht das Miteinander

In Nürnberg hat das Filmfestival Türkei Deutschland begonnen. Eine gute Woche lang werden aktuelle türkische Filme gezeigt, aber nicht nur. Im Fokus stehen der Austausch zwischen türkischer und deutscher Kultur - um Politik geht es nur am Rande.

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Berufe, für die es eine Haltung braucht, haben es schwer in Erdogans Türkei – zumindest wenn der eigene Standpunkt nicht der der Regierung ist. So geht es Richtern und Journalisten … und sicher doch auch Filmemachern, oder? Nicht unbedingt, meint der türkische Schauspielstar Ediz Hun: "Sie sind noch freier, glaube ich. Es gibt Zensur, aber noch nicht so viele Probleme. Die Probleme haben Journalisten, natürlich. Aber in der Filmindustrie gibt’s bisher nicht so viele Probleme."

Hun ist Ehrengast auf dem Filmfestival Türkei Deutschland. Seit den 1960ern hat er in über 100 Filmen gespielt, seit den 80ern kann man von einem filmischen Ruhestand sprechen. Aktuell forscht und lehrt der 78-Jährige Ökologie an der Uni.

© Filmfestival Türkei-Deutschland

Der türkische Schauspieler Ediz Hun

Zurückhaltung bei politischen Äußerungen

Hun, Margarethe von Trotta und die Schauspielerin Filiz Akın erhalten dieses Jahr den Ehrenpreis des Festivals. Zwei Grandes Dames und ein Grand Seigneur des Kinos. Letzterer übt sich in freundlicher Zurückhaltung, wenn man ihn auf die Regierung seines Landes anspricht: "Ich möchte politisch nicht sprechen. Ich bin ein Künstler, ich bin ein Filmschauspieler - und auch ein Wissenschaftler."

Wen wundert es – angesichts der Drohung des türkischen Innenministers, Menschen, die sich im Ausland kritisch über die türkische Regierung äußern, bei der Einreise sofort festzunehmen – wen wundert es da, wenn türkische Gäste in Nürnberg und Deutsch-Türken vorsichtig sind bei dem, was sie sagen. Wobei das jetzt drastischer klingt, als es in Wirklichkeit ist: Denn ja, es gibt Fälle, in denen die staatliche Förderung in der Türkei den Kopf schüttelt, wenn sich ein Regisseur unliebsam engagiert. Und es wird zunehmend komplizierter, Sex und Drogenkonsum zu zeigen. Aber es könnte alles noch viel schlimmer sein. Der filmische Output des Landes ist nach wie vor beeindruckend, findet Festivalleiterin Ayten Akyıldız: "Wenn ich in der Türkei bin, merke ich gar nicht so, dass es Schwierigkeiten gibt. Ich gehe normal ins Kino, ich schaue die Filme von Nuri Bilge Ceylan, seine Arbeiten werden öfters in Cannes gezeigt. Viele türkische Filme laufen auch in Venedig, auf der Berlinale und so."

© dpa/picture-alliance

Schriftsteller und Regisseur Zülfü Livaneli

Ausgestreckte Hand statt erhobener Zeigefinger

Ceylans "Der wilde Birnbaum", der 2018 in Cannes zu sehen war, ist im Festivalprogramm – die Geschichte eines Schriftstellers am Anfang seiner Karriere. Außerdem "Flucht" von Onur Saylak über einen Teenager, der als Schlepper arbeiten muss. Aktuelle Themen, Glaubensthemen, unterhaltsame Geschichten. Das Festival will kein erhobener Zeigefinger sein, sondern eine ausgestreckte Hand. Ein Kennenlernen von Deutschen und Türken, ein Debattieren. Dafür kommt auch der Schriftsteller und Regisseur Zülfü Livaneli zum wiederholten Mal nach Nürnberg. Er sagt:

"Der Dialog ist für jede Gesellschaft, für jede Religion, für jede Gruppe wichtig, aber den muss man mit den Menschen führen, die am offensten denken - und das geht am besten über Kultur und Kunst, denn die machen die Herzen der Menschen weicher. Sie sind wie Öl im Getriebe, damit alles besser läuft, besser ineinander gehen kann. Deswegen sind wir hier. Hier bei einem Filmfestival, suchen nach Lösungen für die Probleme der Welt."

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