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Das Beste an "Berlin, I love you" ist Hannelore Elsner | BR24

© Martin Kunz BILY Media

Keira Knightley in "Berlin, I love you"

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Das Beste an "Berlin, I love you" ist Hannelore Elsner

Gute Güte, was für ein Staraufgebot: Keira Knightley, Helen Mirren, Mickey Rourke, Veronica Ferres, Max Raabe, Luke Wilson... sie und noch viel mehr spielen mit im Episodenfilm "Berlin, I love you". Ein Gütesiegel ist das aber noch lange nicht.

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Eine schöne Idee, die Cities of Love-Filme des französischen Produzenten Emmanuel Benbihy, pro geliebter Stadt viele Kurzfilme namhafter Regisseure und Regisseurinnen zu einem langen Film zu versammeln. Paris, New York, Rio und tatsächlich auch Malmö wurden schon so gefeatured. Aber ausgerechnet die Folge "Berlin I love you" stößt offenbar nicht auf Gegenliebe, stattdessen hat sie vorab schon einiges an Häme kassiert, ein Beitrag sollte von Ai Wei Wei stammen, wurde auch gedreht, fehlt nun aber. Selbstzensur sagen die einen, aus Angst, Unterstützer für die nächsten Filme zu verlieren. Die Berlinale wollte den Berlin-Film lieber nicht dabeihaben, "grottenschlecht" lautete das Urteil des Festivalchefs, um sich zu verteidigen, als der absurde Verdacht aufkam, die Entscheidung gegen den Streifen habe mit dem China-Bezug zu tun.

Vielleicht war ja genau das der Plan des Filmverleihs: Für Spekulationen sorgen, indem die filmische Liebeserklärung an Berlin eher geheim gehalten, versteckt wird – vor der Presse zum Beispiel. Gleichzeitig mit Schlagzeilen über mutmaßliche Selbstzensur von Fragen der ästhetischen Qualität ablenken. Damit am Ende die Befürchtungen des Zuschauers so groß sind, dass er nun fast schon erleichtert aus dem Kino gehen und ausrufen kann: "Ach, so schlimm war es doch gar nicht." Und das war es ja auch nicht.

Nicht schlimm, aber verzichtbar

Verzichtbar aber schon. Verzichtbar und vor allem: bemüht zeitgemäß – sogar in den stärkeren Episoden. Wenn zum Beispiel Keira Knightley einen Jungen aus der Flüchtlingsunterkunft mit nach Hause nimmt, für eine Nacht nur. Und muss sich doch ihrer Mutter erklären, die zuvor das fehlende Olivenöl für das größte Problem im Leben der erwachsenen Tochter gehalten hat.

Das Thema, das Grau in Grau der Umsetzung – all das überrascht nicht. Aber Helen Mirren und Keira Knightley geben einem das Gefühl, es ginge um etwas, das auch uns etwas angeht, uns vielleicht sogar berühren könnte. Dieses Gefühl beschleicht einen nicht allzu oft.

© Roman Benbihy BILY Media

Veronica Ferres in der Episode "Me Three"

Gar nicht einstellen will es sich, als Veronica Ferres eine ruppige Waschsalon-Besitzerin gibt und damit einen Beitrag zur #metoo-Debatte leisten soll. Die rotzige Fürsorglichkeit für die verlorenen jungen Frauen, die an diesem Abend alle in Ferres Salon stranden, nimmt man der Schauspielerin sogar ab. Aber wenn die versammelte Frauenriege dann einem Mann seine Grenzen aufzeigt, wirkt die Episode doch nur wie der verspätet ausgestrahlte Schnellschuss, konzipiert in den ersten aufgeregten Minuten der Debatte.

Dafür kann man im ersten Moment auch die Episode halten, die Til Schweiger als Regisseur verantwortet. Darsteller: Mickey Rourke und Toni Garrn. Aber um eine Bewegung, um Feminismus und Emanzipation, geht es hier nur am Rande. Stattdessen steht das große Gefühl im Zentrum – zwischen Tochter und Vater. Das überzeugt zwar nicht, immerhin ermöglicht es die Suche nach der Vaterliebe aber, kurz im Späti vorbeizuschauen und sich damit das wohl stärkste Berlin-Gefühl in den Episoden-Einkaufskorb zu werfen.

1, 2, 3... Berliner Allerlei

So kommt einem der Umgang mit der Stadt überhaupt vor. Einer muss sich um die Historie kümmern, um Mauerpark und Stolpersteine, der nächste eine Runde um die Goldelse drehen, das Brandenburger Tor passieren, wieder ein anderer lässt seine Figur auf die Frage, ob dieses oder jenes nun typisch Berlin sei, antworten, nichts sei typisch Berlin. Und dann schaut man noch einer glücklichen Puppenspielerin über die Schulter, die wohl auch nur insofern typisch Berlin ist, als dass nichts typisch Berlin ist.

Über Berlin erzählt einem dieser Film also nicht viel, und das wäre auch nicht weiter schlimm. Die vorherigen Liebeserklärungen, an New York und Paris zum Beispiel, waren auch eher assoziativer Projektionsraum für urbane Liebesgeschichten als Stadtporträt. Aber zum intimen, romantischen, kraftvollen Projektionsraum schwingt sich dieser Film auch nur selten auf. Trost bietet da immerhin eines: Noch einmal Hannelore Elsner zu begegnen und ihr bei der Klage über das Leben zuzuhören.

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