BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Snøhetta Arctic Nordic Alpine - Dialoge mit der Landschaft | BR24

© Audio: BR / Bild: Snøhetta and Plompmozes

Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit: Das Architekturbüro Snøhetta ist "Architekt des Jahres 2020".

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Snøhetta Arctic Nordic Alpine - Dialoge mit der Landschaft

Das Architekturbüro Snøhetta versteht sich als Kollektiv. Von Anfang an fühlte man sich der sozialen Nachhaltigkeit verpflichtet, auch dem Schutz der Natur. Jetzt wurde Snøhetta mit dem renommierten Preis "Architekt des Jahres 2020" ausgezeichnet.

Per Mail sharen

Das Entscheidende an der Architektur von Snøhetta ist die Zugänglichkeit. Man entwirft Bauten ohne soziale Grenzen, man möchte niemanden ausschließen. Das zieht sich als Thema durch eine Videoinstallation, die im hinteren Galerieraum von Aedes läuft: Da ist die einem treibenden Eisberg nachempfundene Norwegische Oper in Oslo zu sehen, deren 20.000 Quadratmeter Dachfläche von jedermann und –frau vollständig betretbar sind, als eine gewaltige Bühne zur Feier der Bürger und ihrer Stadt. Derselbe Geist prägt den Entwurf des neuen Opernhauses von Shanghai – und auch das geplante Museumsquartier auf dem Bozener Hausberg Virgl in Südtirol ist mit frei zugänglichen Rampen, Gärten und Veranstaltungsflächen eine Art moderne alpine Akropolis, die zwischen Architektur, Gesellschaft und Natur vermittelt. Den spektakulären sozialen Auftritt der Snøhetta-Bauten kann man als ultrademokratisch bezeichnen – den Architektinnen und Architekten des Büros mit rund 250 Mitarbeitern weltweit geht es um die Erweiterung der Definition von Baukunst, erklärt Direktorin Jette Hopp: "Auch, dass wir Architektur als Kulturentwicklung verstehen. Also – weg von der Bauindustrie. Und damit muss man auch für ganz andere soziale Zusammenhänge Verantwortung übernehmen. Ich würde das nicht politisieren, aber das ist sehr angetrieben von diesem nordischen Kulturverständnis, auch was Landschaft angeht."

"Spektakel bieten die Berge genug"

In Norwegen gilt das Jedermannsrecht, das allen Menschen die grundlegende Nutzung der Natur und auch von privatem Landeigentum zugesteht. Das geht weit über das Betretungsrecht hinaus, wie es in Deutschland existiert.

Die Ausstellung in Berlin konzentriert sich vor allem auf die von Snøhetta in nordischen, arktischen und alpinen Bereichen geplanten Projekte. Es sind Orte der Natur, die unter hohem touristischen Druck stehen und deren weitere Zerstörung verhindert werden soll. So entwickelte man auf den Hängen der Innsbrucker Nordkette den 2017 eröffneten Perspektivenweg. Der Auftraggeber, die Nordkettenbahnen, wünschte sich etwas Spektakuläres, um noch mehr Besucher anzulocken, aber die Architekten intervenierten, wie Peter Zöch vom Innsbrucker Snøhetta-Büro erklärt: "Das ist ein gewisses Dilemma, aber hier wollten wir versuchen, das ein bisschen aufzulösen. Bei der Fragestellung, die wir mit dem Auftraggeber diskutiert haben, wurde von uns dann festgestellt: Spektakel bieten die Berge genug. Natürlich sind die Menschen da oben, die Frage ist, ob man die ein bisschen für diese alpine Landschaft sensibilisieren kann."

© Snøhetta and Plompmozes

Hotel Svart

© Snøhetta and Plompmozes

Hotel Svart

© Ketil Jacobsen

Tverrfjellhytta - Norwegian Wild Reindeer Centre Pavilion

© Ketil Jacobsen

Tverrfjellhytta - Norwegian Wild Reindeer Centre Pavilion

© Snøhetta and Plomp

Arctic World Visitor Center

© Snøhetta and Plomp

Innenansicht des Arctic World Visitor Center

© Jan M. Lillebø

New Tungestølen Tourist Cabin

© Christian Flatscher

Path of Perspectives, Seegrube

© Christian Flatscher

Path of Perspectives, Seegrube

© Ivar Kvaal

Under (Underwater Restaurant)

Das geschieht durch die gezielte Wegeführung, die den Besuchern unterschiedliche und neue Perspektiven auf die alpine Region bietet. Gebaute Elemente aus Cortenstahl und Lärchenholz entwickeln sich aus der Landschaft heraus und verschmelzen mit ihr. Ziel ist eine empfindsamere Natur-Wahrnehmung: Die Stelle etwa, an der der Wald in eine Bergkiefernlandschaft übergeht, wird durch eine treppenförmige Struktur charakterisiert. Dazu hat man an jedem Ruheplatz Zitate des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein angebracht - etwa: "Sehe ich wirklich jedes Mal etwas Anderes, oder deute ich nur, was ich sehe, auf verschiedene Weise?"

Gebäude, die die Energien für Transport und Bau zurückgewinnen

Zugänglichkeit, Gleichheit und Transparenz sind wesentliche Maxime für Snøhetta. Man forscht ganzheitlich zu Antriebskräften für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Innovation, erprobt andere Formen des Dialogs und hat sich selbst verpflichtet, innerhalb der nächsten 20 Jahre Gebäude zu entwickeln, die nicht nur energieneutral sind, sondern auch diejenigen grauen Energien zurückgewinnen, die für Entwurf, Transport und Bau verbraucht wurden.

Es gebe eigentlich mehr einen Referenzrahmen statt einer Ideologie, erklärt Direktorin Jette Hopp. Und es gebe ein sehr klares Verständnis von Designmethodik - auch, wie man Auftraggeber mit involviert. "Co-Creation" sei ihr ganz wichtig, dass man zusammen mit den Auftraggebern etwas entwickele und nicht für sie. "Der Architekt im Vakuum ist für uns uninteressant. Und spiegelt auch nicht die Komplexität einer Aufgabe wieder."

Snøhetta Arctic Nordic Alpine - In Dialogue With Landscape.

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!