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Das antike Paestum rüstet sich für die Zukunft | BR24

© Audio: BR/ Bild: picture-alliance / akg-images / Erich Lessing

Taucher beim Sprung: Paestum in Kampanien

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Das antike Paestum rüstet sich für die Zukunft

Workshops, Yoga und Social Media im antiken Tempelbezirk? Gabriel Zuchtriegel, Leiter von Paestum und einer weiteren Ausgrabungsstätte in Süditalien. will weg vom Präsentieren von Prunkstücken. Er will die wiedereröffnete Tempel-Anlage beleben.

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Während der wochenlangen Schließung aufgrund der Corona-Pandemie hat man in der historischen Ruinenstätte Paestum in Italien Kontakt mit den Besuchern gehalten: Immer wieder meldete sich der Direktor Gabriel Zuchtriegel über Videobotschaften zu Wort – ob nun aus dem Neptun-Tempel, dem Amphitheater oder aus dem Museum. Über YouTube, Facebook oder Twitter: "Wir hatten wirklich Tausende von Visualisierungen und auch sehr viel Feedback. Also Leute, die uns dann geschrieben haben und gesagt haben, das war interessant, da möchten wir gerne noch mehr wissen."

Das sei immens wichtig gewesen – so der Direktor. Seit 2015 leitet Gabriel Zuchtriegel die Ausgrabungsstätten von Paestum und Velia und das dazugehörige Museum im süditalienischen Kampanien. Ausgebildet an den Universitäten von Berlin und Bonn zählt der 38-jährige Archäologe zum Kreis der zwanzig Direktoren, die für die großen staatlichen Museen in Italien verantwortlich sind.

© picture alliance / Design Pics

Antiker Tempel in Paestum in Kampanien

Yoga, Musik oder Workshops im Areal

Viele Ausstellungen und Museen werben mit Schätzen. Die Schätze der Etrusker, die Schätze der Griechen. Das sei genau das, wo sie weg möchten, sagt Zuchtriegel. "Es kann wichtig sein als Slogan. Aber auch eine kleine Keramikscherbe oder Pollenanalysen, aus antiken Brunnen oder Knochenfunde – all das trägt dazu bei, dass wir die Lebenswelt rekonstruieren können. In dieser Lebenswelt können wir verstehen, wie große Werke wie hier das Grab des Tauchers oder die Tempel von Paestum entstanden sind."

Das Areal mit den weltberühmten Tempeln aus dem sechsten und fünften Jahrhundert vor Christus soll belebt werden. Beispielsweise mit Yoga. Oder mit Künstlern, die sich von der Keramik inspirieren lassen. Oder mit Familien, die das Leben in der Antike kennenlernen. Die Hälfte der Besucher sind Kinder. "Wir machen zum Beispiel viel mit Musik, antiker Musik und Workshops, wo wir im Ticket eingeschlossen für Familien diese Aktivitäten anbieten. Einfach um die Kinder, auch die ganz Kleinen, an diese Themen ranzuführen", sagt Zuchtriegel.

© picture alliance / Pacific Press

Gabriel Zuchtriegel

Als die historischen Stätten am 18. Mai wiedereröffnet wurden, kamen als Erste autistische Jugendliche mit ihren Familien, so Zuchtriegel: "Wir starten wieder von unserer sozialen Mission her und nicht direkt vom Ökonomischen oder Besucherzahlen."

Erheblich mehr Besucher in den vergangenen Jahren

Dabei haben gerade die Besucher in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, auf rund 420.000 im Jahr 2018 – fast die Hälfte mehr als drei Jahre zuvor. Die Eintrittskarten können auch als Abonnement erworben werden, ein Jahr lang, inclusive der Events. So könnten die Menschen aus der Region oft kommen, gerade auch für sie soll dieses Unesco-Weltkulturerbe, diese weltweit so bedeutende Stätte da sein. Bis zur Pandemie hätten sie täglich die Leute auch in die Museumsdepots gebracht und ihnen gezeigt, was da passiert – Restauratoren bei der Arbeit. Bei ihren Ausgrabungen, könne man täglich Führungen mitmachen betont Zuchtriegel.

Auch wenn diese momentan wegen Corona nicht stattfinden können, so haben doch die Ausgrabungen generell einen frischen Wind nach Paestum gebracht. Die Überreste dieser antiken Stadt – zunächst griechisch, dann römisch werden bewahrt und gleichzeitig weiter erforscht. Zuchtriegel will möglichst viele daran teilhaben lassen: "Wir möchten auch dadurch dazu beitragen, wenn Bauarbeiten im Stadtzentrum oder die neue Zug- oder Bahn- oder Autostrecke eben verzögert werden wegen archäologischer Funde, dass es nicht nur als Lästige – jetzt sind da wieder diese Archäologen, die müssen da wieder ewig lang graben und studieren – sondern dass es als Bereicherung empfunden werden kann. Aber dazu müssen wir eben erklären, was der Sinn von dem Ganzen ist."

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