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Darum werden uns Influencer auch ins nächste Jahrzehnt begleiten | BR24

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Der nächste Urlaub, die schönsten Cafes, die besten Beauty-Produkte: Influencer haben das alles für uns schon ausgecheckt. Influencer sein, ist inzwischen ein richtiger Beruf und ihr Einfluss beschränkt sich lange nicht mehr nur auf unseren Konsum.

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Darum werden uns Influencer auch ins nächste Jahrzehnt begleiten

Der nächste Urlaub, die schönsten Cafes, die besten Beauty-Produkte: Influencer haben alles schon für ihre Follower ausgecheckt. Influencer ist inzwischen ein richtiger Beruf und ihr Einfluss beschränkt sich lange nicht mehr nur auf unseren Konsum.

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Das Foto einer Frau in einem silbernen, bodenlangen Abendkleid mitten auf der Straße. Ihre Schultern sind frei, ihre Beine blitzen durch den hohen Schlitz. Sie sticht raus zwischen all den Menschen in Alltagskleidung. Anderes Foto: da steht ein Mann in einem luxuriösen Badezimmer, in sein verträumtes Gesicht fallen seine welligen Haare. In seiner Hand, gut sichtbar, ein edler Rasierer. Die beiden sind das lebendig gewordene Klischee eines Influencers. Das Leben, das sie führen, ein Traum in Hochglanzoptik.

Schon lange nutzen Konzerne den Vertrauensfaktor bekannter Menschen, wie Schauspieler*innen oder Musiker*innen. Schon Hildegard Knef warb für Seife, Marilyn Monroe für Cola, Gary Cooper und Clark Gable für Zigaretten. Was die tragen, was die tun – das will Mensch von Welt doch auch. Influencer sind quasi der "American Dream": Vom Tellerwäscher zum Socialmedia-Star. Wie unter Freunden empfehlen sie mir, was ich kaufen und was ich machen soll.

Der klassische Influencer bringt einem schöne Dinge ins Leben. Ein schöner Mensch, der mit anderen Menschen schöne Dinge tut. Sie haben es schon auch manchmal hart die Influencer, aber das Schwere bleibt schön beschränkt. Influencer sind Mensch gewordene Hochglanz-Lifestylemagazine, bei denen dir dein Lieblingsautor am Ende sogar zurückschreibt.

Sie geben Tipps zu den besten Autos, Vibratoren, Restaurants und Diäten. Manche von ihnen wissen vor uns allen, wo man am schönsten Urlaub machen kann und wie man am besten auf Plastik verzichtet. Aber sie erzählen eben auch von ihrem Leben, das besonders aufregend ist. Wir können mit ihnen wachsen: Von der jungen Fashionbloggerin, zur jungen Mama, die Kind und Karriere unter einen Hut bringen muss. Vom Fitnessblogger, der jetzt sein eigenes Unternehmen gründet und was ganz gesundes zu essen an den Mann bringt. Sie sind Freunde in der Hosentasche.

Der Like ist die Währung

Ein vermeintlich kostenloser Service, den man mit einem Like bezahlt, auf youtube oder auf Instagram. Denn erst mit der richtigen Reichweite, also genügend Likes und Followern, verdienen die Influencer Geld. Ihre Währung können wir alle sein. Influencer verkaufen eben lange nicht mehr nur Seife, Zigaretten oder Softdrinks. Wenn sie wollen, können sie uns alles verkaufen. Auch ihre Meinung. Wer hätte vor zehn Jahren noch gedacht, dass sich die Volkspartei CDU einmal wegen eines 27-jährigen, blauhaarigen Youtubers in die Hose machen würde… Über 16 Millionen Aufrufe hat die Generalabrechnung von Rezo inzwischen.

Und wir? Sind wir die Opfer ihrer Einflussnahme? Hilflos und bereitwillig? Also Smartphone raus und schwelgen: in Jet-Set-Life, am Strand, Frühstück mit der Superfoodbowl, wow, Shopping-Trip in New York.

Nein. Denn auch sie brauchen uns: Dich, mich. Influencer sind ohne uns nichts. Wir haben eigentlich die Macht über sie. Mit unserem Like stimmen wir über ihr Kommen und Gehen ab. Sie müssen uns, die Community, täglich pflegen, unterhalten, lieben. Eine völlig symbiotische Co-Abhängigkeit. Wenn wir sie nicht bewundern, verdienen sie nichts.

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