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Darum sind die Folk-Songs von Phoebe Bridgers Seelenpflaster | BR24

© Ilya S. Savenok / picture alliance newscom Audio: BR

"Sehnlichst erwartet! Unglaublich gut" – Phoebe Bridgers zweites Album "Punisher" wird als Songwriting-Meisterwerk gefeiert

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Darum sind die Folk-Songs von Phoebe Bridgers Seelenpflaster

Eigene Erlebnisse auf wenige Zeilen reduzieren – so schreibt die 25-jährige Phoebe Bridgers aus Kalifornien ihre Songs. Über ihr neues Album "Punisher", melancholische Balladen und urbaner Folk, jubeln Fans und Kritiker zu Recht.

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Sag noch einer, es gäbe keine tolle Musik! Punisher, das zweite Album der Songschreiberin Phoebe Bridgers dauert zwar nicht lange, aber die nicht mal 40 Minuten haben es in sich. Die Kalifornierin aus L.A. arbeitet mit wohlig-vertrauten Klangfarben von Akustikgitarren, Streichquartett und Banjo, aber auch mit subtilen Verfremdungseffekten wie rückwärts laufenden Tonspuren: Ein weicher Soundteppich in mitternächtlichem Moll also, der auf verschrobene Weise an Geister wie Leonard Cohen, Bon Iver und Radiohead erinnert. Nicht die schlechtesten Autoren melancholischer Balladen, in denen man sich immerzu verlieren will.

With A Little Help Of Her Friends...

Große Teile des LP-Zweitlings hat Bridgers mit ihrer Tourband eingespielt, aber auch den einen oder anderen Gast ins Studio geholt. Unter anderem wirkt Conor Oberst mit, begnadeter Musikus der Indie-Rockband Bright Eyes, der Miss Bridgers des öfteren bereits unterstützt hat, sowie – ältere Rockfans dürften staunen – der legendäre Rock-Schlagzeuger Jim Keltner: Keiner kommt mehr auf den Punkt wie dieser Altmeister höchst ökonomischen Trommelns. Zudem mit dabei: der junge Songschmied-Kollege Blake Mills, auch auf Bob Dylans soeben erschienenem Geniestreich "Rough And Rowdy Ways" zu hören.

Bridgers hat sich genügend Zeit gelassen und starke Textideen gesammelt. Das instrumentale Intro des Punisher-Albums heißt "DVD Menue", ein schwurbelndes Rauschen, das auf die folgenden Songs und Balladen einstimmt. Man merkt schon: Miss Bridgers mag das filmische Erzählen – Cinematic Music, wie sich derartiges in Angloamerika nennt.

Die Songs tragen vielleicht auch deshalb sprechende oder zumindest szenische Titel wie "Halloween", "Savior Complex" und "Graceland Too" – alles Anspieltipps übrigens.

Neben Sehnsucht und Sinnsuche, Einsamkeit und Erinnerungen geht es auf diesem stimmungsvollen Album um merkwürdige Widerfahrnisse in diesen Liedern, die alle individuell instrumentiert und wunderschön arrangiert sind: grandiose (Urban-)Folk-Balladen, Westcoastfolk der neueren Art also – Seelenpflaster deluxe!

"Punisher" von Phoebe Bridgers ist bei Dead Oceans erschienen.

© Dead Oceans / Cargo

Platten-Cover von "Punisher"

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