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Darum lässt uns Kevin Spacey an seinem 60. nachdenklich zurück | BR24

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Heute wird der Star, Jubilar und Angeklagter: Kevin Spacey wird heute 60

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Darum lässt uns Kevin Spacey an seinem 60. nachdenklich zurück

Noch vor wenigen Jahren zählte er zu den ganz Großen: Kevin Spacey, Oscar-Gewinner und einstiger Star der Serie "House of Cards". Dann häuften sich die Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Bewiesen ist noch nichts. Doch die Ratlosigkeit hält an.

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Wie Kevin Spacey heute seinen 60. Geburtstag feiert, wissen wir nicht. Auch nicht wo – ob in New York oder in Los Angeles. An beiden Orten besitzt er eine Immobilie. Was wir allerdings wissen: Spacey hat zugenommen, seine Wangen sind voller geworden. Zuletzt hat er sich öffentlich zum Prozess in Nantucket an der US-Ostküste gezeigt. Das war vor einem halben Jahr. Doch dieser Prozess ist seit gut einer Woche Geschichte, das Verfahren wurde eingestellt. 30 weitere Vorwürfe der sexuellen Belästigung lasten aber nach wie vor auf ihm.

Und Spacey? Gibt sich selbstbewusst. Zumindest in diesem Video, das er zum Jahreswechsel auf YouTube veröffentlicht hat.

Der Schauspieler gibt sich darin als Frank Underwood aus – jenen fiktiven US-Präsidenten, den Spacey in dem Netflix-Serienthriller “House of Cards” über fünf Staffeln lang verkörpert hat.

"Natürlich gab es einige, die alles geglaubt haben und jetzt den Atem anhalten, weil sie hören wollen, wie ich alles zugebe", sagt Spacey in die Kamera. "Sie möchten, dass alles wahr ist und ich das bekomme, was ich verdient habe." Was er mit der Veröffentlichung des Videos damals bezweckt hat, ist unklar. Vielleicht wollte er damit von den Belästigungsvorwürfen ablenken.

Die steile Karriere

Die Karriere von Kevin Spacey Fowler beginnt in den 80er-Jahren am Broadway. 1986 schafft er den Durchbruch: Neben Jack Lemmon, Peter Gallagher und Bethel Leslie spielt er den Jamie in "Eines langen Tages Reise in die Nacht". Dann kommen die Filmangebote: "Die Jury", "Seven" oder "L.A. Confidential". Gute zehn Jahre später, 1996 erhält er seinen ersten Oscar – für die Nebenrolle in Bryan Singers "Die üblichen Verdächtigen". Und wieder drei Jahre später ist er ganz oben: Er bekommt den Oscar als Bester Hauptdarsteller für seine Rolle des desillusionierten Familienvaters Lester Burnham im Film "American Beauty".

Trotz vieler Filme, in denen er in den vergangenen 20 Jahren mitgespielt hat, bleibt er dem Theater treu. Von 2003 bis 2015 ist er am Old Vic Theater in London künstlerischer Leiter. Er führt in vielen Stücken Regie.

Der Absturz im Zuge der #MeToo-Debatte

Als sich im Zuge der Weinstein-Affäre im Herbst 2017 immer mehr Betroffene an die Öffentlichkeit trauen, werden auch Vorwürfe gegen Spacey laut. So soll er 1986 den damals 14 Jahre alten Schauspieler Anthony Rapp auf einer Party alkoholisiert und sexuell belästigt haben. Spacey antwortet, er könne sich nicht mehr erinnern. Stattdessen nutzte er die Gelegenheit sich als schwul zu outen – ein bizarres Timing, weil er zuvor jahrelang geschwiegen hatte,

Auch am Londoner Theater Old Vic soll es zu Übergriffen gekommen sein. Insgesamt wird er von mehr als 30 Männern beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Ridley Scott schneidet ihn im Herbst 2017 aus seinem Film "Alles Geld der Welt" heraus, Netflix kündigt die Zusammenarbeit für "House of Cards" auf.

"Wir beide haben alles miteinander geteilt. Ich hab Dir meine dunkelsten Geheimnisse anvertraut. Ich hab Dir ganz genau gezeigt, wozu Menschen fähig sind. Ich habe Dich mit meiner Ehrlichkeit geschockt. Am meisten jedoch habe ich Dich herausgefordert und Dich zum Nachdenken gebracht", heißt es in Spaceys "Let Me Be Frank"-Video.

Kevin Spacey lässt uns heute, an seinem 60. Geburtstag, nachdenklich zurück.

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  • Marcus Schuler
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