Buchcover des Comics "Persepolis" von Marjana Satrapi. Der Verlag "Edition Moderne" - ein Pionier der Independent-Comic-Szene - hat die aus Frankreich stammende Graphic Novel im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht.
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Einer der wichtigen Tite aus der "Edition Moderne": "Persepolis" von Marjane Satrapi

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Crowdfunding als Ausweg? Kleine Verlage suchen Unterstützung

Die "Edition Moderne" gehört zu den wichtigsten Comic-Verlagen im deutschsprachigen Raum und will mit einer Crowdfunding-Kampagne die Zukunft sichern. Auch der "&Töchter"-Verlag aus München hofft angesichts hoher Produktionskosten auf private Hilfe.

Über dieses Thema berichtet: Die Kultur am .

"Too big to fail" – zu groß, um zu scheitern – heißt die Aktion, die die Edition Moderne in dieser Woche gestartet hat. Der unabhängige Comic-Verlag, 1981 in Zürich gegründet, bittet Leserinnen und Leser um Hilfe. Dieser Schritt hängt mit den Folgen der Corona-Pandemie zusammen, ebenso mit den enorm gestiegenen Herstellungskosten für Bücher.

Nicht nur ein marktwirtschaftliches Kalkül

Dazu kommt eine programmatische Neuausrichtung, so Claudio Barandun, der die Edition Moderne seit 2019 mit seinen Kolleginnen Marie-France Lombardo und Julia Marti leitet. Der Verlag widmet sich mehr und mehr den Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler. Und wolle dabei, der Tradition verpflichtet, nicht nur streng marktwirtschaftlich kalkulieren, sondern die Möglichkeiten des Comics erkunden.

"Was ist das Spannendste?", fragt Barandun im BR-Interview. "Was kann der Comic, dieses Medium eigentlich? Es ist uns wichtig, immer diese Grenzen auszuloten. Das ist auch wichtig für das Genre, für das Vorankommen des Genres. Und so positionieren wir uns und sehen eigentlich auch unsere Rolle – und auch die Rechtfertigung für diesen Verlag."

Pionier der Independent-Comic-Szene

Mit der "Edition Moderne" wendet sich ein Pionier der Independent-Comic-Szene an Leserinnen und Leser. Der Verlag hat das Werk bedeutender Autorinnen und Autoren im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht, darunter Marjane Satrapi aus Frankreich - mit "Persepolis" - oder Comic-Reporter Joe Sacco aus den USA. Für sein Buch "Wir gehören dem Land" wurde er als erster Comic-Künstler überhaupt mit dem Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Ebenso werden Bücher von deutschen Künstlern wie dem Münchner Zeichner Frank Schmolke verlegt.

Die Hilfsaktion soll die Zukunft des Verlages dauerhaft sichern, so Claudio Barandun. Es gehe vor allem um die Vermittlungsarbeit, um Lesungen, Presse-Arbeit, das Lizenzgeschäft: "Eigentlich nicht um die Buchproduktion, nicht das Back Office, das Daily Business. Sondern damit wir genug Zeit und Ressourcen haben, mit den Büchern zu arbeiten, unsere Autoren und Autorinnen zu vermitteln und diese Bücher zu platzieren. Nur weil das Buch in der Welt ist, heißt das nicht, dass jemand davon erfährt. Diese Arbeit könnten wir nicht machen."

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Auch "&Töchter" aus München sucht nach Unterstützung

Angesichts der Energie-, Herstellungs- und Papierpreise stehen gerade kleine unabhängige Verlage vor großen finanziellen Herausforderungen. Hinzu kommt die Tatsache, dass es in Deutschland bislang keine wirklich strukturelle Förderung für die Independent-Unternehmen gibt. Zu den jungen bayerischen Verlagen gehört "&Töchter" aus München, 2019 von fünf Buchenthusiastinnen gegründet. Für zwei geplante Titel suchen die Verlegerinnen ebenfalls Unterstützung mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne. Laura Nerbel verweist auf die Produktionskosten.

"Nun sind wir an dem Punkt angekommen, an dem wir sagen, unsere Vertriebskosten und die Kosten des Verlages können wir nicht mehr decken, wenn wir nicht auf finanzielle Ressourcen von außen zurückgreifen können", so Nerbel.

Wichtige gesellschaftliche Themen wie Gleichberechtigung

Die Bücher, um die es dem "&Töchter"-Team mit Blick auf eine Förderung von außen – eben durch Leserinnen und Leser – geht, beschäftigen sich zum einen mit Gleichberechtigung in der Erziehung, zum anderen mit dem Thema Gewalt gegen Frauen. Zum inhaltlichen Schwerpunkt des Verlages – Sachbücher zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen wie Gleichberechtigung und Feminismus – kommt laut Nerbel der Wunsch, die Bücher so nachhaltig wie möglich zu produzieren.

"Wir haben uns eine – ich möchte nicht sagen Nische, weil wir das nicht als Trendthema sehen – aber doch ein sehr zugespitztes Programm geschaffen. Das sind Themen, die sind uns wichtig. Die müssen gesehen werden. Wir glauben nicht, dass das morgen vorbei ist. Sondern dass das der Weg ist, eine Veränderung herbeizuführen", betont sie. Auch in der Branche, nicht nur sonst.

Kleine Verlage ermöglichen kulturelle Vielfalt

"&Töchter“ aus München und die "Edition Moderne" aus Zürich sind nicht die ersten unabhängigen Verlage im deutschsprachigen Raum, die mit einer Crowdfunding-Idee um Unterstützung bitten. Angesichts der momentanen wirtschaftlichen Lage werden vermutlich weitere kleine Häuser diesem Beispiel folgen. Auf der anderen Seite können Leserinnen und Leser mit einer individuellen Spende kulturelle Vielfalt im Buchmarkt ermöglichen. Gerade die Independent-Verlage tragen ganz wesentlich zu dieser Vielfalt bei.

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