BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Philip Isenhof
Bildrechte: Philip Isenhof

Lukas Maier, Komponist und Student der Musikhochschule München, arrangiert Songs aus Pop, Punk und Klassik für ein Blechbläser-Quartett.

Per Mail sharen

    #CrossoverCorona: Münchner Bläser starten Social Media-Format

    Keine Konzerte, kein Geld: In der Krise müssen sich MusikerInnen auf ihre wichtigste Fähigkeit besinnen – ihre Kreativität. Das Münchner Blechblasquartett "Munich Tetra Brass" covert Songs bayerischer Künstler in Videos auf Instagram und Facebook.

    Per Mail sharen
    Von
    • Agnes Popp

    Was machen fünf Studenten der Münchner Musikhochschule, wenn sie wegen Corona nicht mehr gemeinsam spielen und keine Konzerte mehr geben dürfen? Sie lassen sich etwas einfallen, um trotzdem zusammen musizieren zu können und ihre Musik mit Publikum zu teilen. So das Münchner Blechblas-Quartett Munich Tetra Brass und Komponist Lukas Maier, die die Social-Media-Aktion "Crossover Corona" gestartet haben: Jeden Sonntag spielt das Kammermusikensemble einen Cover-Song einer regionalen Band oder eines Singer Songwriter ein. Es entstehen kurze, bunte Clips mit Stücken von bayerischen Künstlern wie Fiva, Claudia Koreck bis hin zu Newcomern wie Some Sprouts und Roy Bianco & die Abrunzzati Boys – oder auch mal einer Berliner Band wie Großstadtgeflüster. Die Arrangements stammen allesamt aus der Feder von Lukas Maier. Agnes Popp hat mit ihm gesprochen.

    Agnes Popp: Was ist Ziel eures neuen Webvideo-Formats auf Social Media?

    Lukas Maier: Das ist eher der Versuch einer Social-Media-Kampagne und deswegen findet es ausschließlich auf Instagram und Facebook statt. Versuch deswegen, weil wir es davor noch nie gemacht haben und Corona uns dazu gebracht hat, uns mal daran zu versuchen. Wir haben die sozialen Medien immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt, aber eben in der Corona-Zeit festgestellt, dass das jetzt das Medium ist, wo gerade unsere Generation wirklich viel Zeit verbringt und sich Information und auch Unterhaltung holt. Und deswegen haben wir uns gedacht, es wäre doch jetzt, wo wir sowieso Zeit haben, weil niemand von uns auftreten kann, eine schöne Möglichkeit, damit mal zu spielen und haben überlegt, wie wir für unsere Zwecke das nutzen können.

    Welche Künstler sind bei den Covers für euch interessant?

    Wir covern jetzt nicht große Stars und Künstler wie Coldplay oder Elton John oder wie sie alle heißen. Wir schauen eigentlich in unserer unmittelbaren Umgebung in München und vor allem auch, was da in der Subkultur los ist. Im März und April war es so, dass wir ja an unsere Wohnungen gefesselt waren und irgendwie war die Vorstellung: Alle anderen Musiker sitzen ja gerade auch zu Hause. Es wäre doch schön, mal zu gucken, ob trotz der Distanz was Gemeinsames entstehen kann. Es gibt hier extrem viele verschiedene interessante Bands und Künstlerinnen und Künstler, mit denen wir dann Kontakt aufgenommen haben. Ab und zu schleichen sich auch Künstler jenseits des Weißwurst-Äquators ein, wie zum Beispiel Großstadtgeflüster, das ist aber eher die Ausnahme. Für uns war auch wichtig, dass wir die Band auch irgendwie sympathisch finden. Wir wollten uns ja auch nicht auf irgendwelche Genres begrenzen, sondern auch möglich gucken, dass alles dabei ist - von Punk über Hip-Hop bis Italo-Schlager und Indie-Musik.

    Keiner verdient Geld bei dieser Kampagne - weder die Künstler, die ihr covert, noch die Musiker von Munich Tetra Brass.

    Der Gedanke dahinter war auch: Okay, was könnte man machen als Musiker, dass man jetzt in dieser Krisenzeit nicht ganz von der Bildschirmfläche verschwindet? Also jenseits vom gestreamten Wohnzimmerkonzert oder all das, was man jetzt schon hundert Mal gesehen hat, sondern um für uns selbst ein neues Format entwickeln, wo wir vor allem Spaß dran haben. Wir profitieren aber trotzdem davon: Die Leute werden auf uns aufmerksam, wir haben schon einige Konzert-Anfragen bekommen, Anfragen für Arrangements, und mit manchen Künstlern ergibt sich auch eine neue Zusammenarbeit.

    © Rodriguo Stix Luna
    Bildrechte: Rodriguo Stix Luna

    Die Münchner Band "Munich Tetra Brass".

    Welche Technik nutzt du, um aus den vier Stimmen ein Video zu produzieren?

    Es sind ja immer vier einzelne Videos. Es funktioniert so, dass ein Klick Track produziert wird, also ein Art Metronom, dass sie sich dann auf die Kopfhörer legen. Dann spielt der erste auf dieses Tempo ein. Das Audio wird weitergeschickt, der nächste spielt dann seine Stimme dazu, und so geht es bis zum Schluss. Und dann hat man vier Stimmen separat eingespielt, die ich dann akustisch noch ein bisschen bearbeite. Dann wird das Video produziert, dass ich dann am Ende auch wieder zusammenfüge und wozu ich das grafische Layout mache. Das ist natürlich eine ganz ungewöhnliche, ungewohnte Arbeitsform für alle. Deswegen war es für uns schon eine technische Herausforderung, aber wir haben dabei auch sehr viel gelernt.

    Kann ein "Zusammenspiel" funktionieren, das ja eigentlich keines ist?

    Also nachdem die Musiker es als Ensemble gewohnt sind, zusammenzuspielen, und sich sozusagen mit ihren Ecken und Kanten gut kennen, funktioniert es ganz gut, obwohl sie ja eben hier räumlich getrennt einspielen. Grad das gemeinsame Musizieren mit Blechblasinstrumenten war ohne ein Treffen erst mal unvorstellbar gewesen. Die Intonation zum Beispiel ist so etwas: Da ist es wichtig, dass man den anderen hören muss und dann auf ihn eingeht. Es ist schon schwierig, wenn man das in dem Moment eben nicht kann. Man muss sich an an dem orientieren, was schon da ist, und da muss man dann seinen Platz finden. Und da profitieren die Musiker von Munich Tetra Brass eben davon, dass sie sich, dass sie schon so lange zusammen musizieren. Das wäre wahrscheinlich viel schwieriger gewesen mit vier Musikern, die sich gegenseitig nicht so gut kennen.

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

    Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!