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Maximilian Maier wird das Konzert moderieren

Ach, wie schön war das damals, 1846, als Franz von Suppé für das Theater an der Wien eine "Komödie mit Liedern" schrieb, die allerdings erst sehr viel später, 1936, auf die deutschen Bühnen kam: "Dichter und Bauer". Darin sollten sich der Meister des wohlbedachten, geschliffenen Wortes, eben der Dichter, im feinen Zwirn und mit Kneifer auf der Nase, und der Meister der Scholle, eher maulfaul und von kargem Gemüt, nämlich der Bauer, aufs vortrefflichste verstehen. Die Ouvertüre zur Operette steht am Sonntag im Gasteig auf dem Programm, neben Musik von Carl-Maria von Weber, Johann Strauss und der Egerländer Blasmusik-Legende Ernst Mosch. BR-Kollege Maximilian Maier wird das ungewöhnliche Konzert moderieren. Mit dabei neben den Profis von den Philharmonikern: Zahlreiche Musiker am Beginn ihrer Karriere.

Doppelte Feierlichkeiten

Sie sind sämtlich gerade mal Anfang zwanzig, kommen aus allen erdenklichen Teilen Ober- und Niederbayerns und wurden vom MON, das ist der Musikbund Ober- und Niederbayern, zusammengetrommelt, um gemeinsam mit Dirigent Albert Osterhammer ein so bemerkenswertes wie seltenes Konzertprogramm zu stemmen, "Dichter und Bauer" – im Frack und in Tracht: "Ich bin Bassklarinettist bei den Münchner Philharmonikern", erklärt Albert Osterhammer, "und leite in Bernau am Chiemsee, wo ich aufgewachsen bin, ein Blasorchester. Ich leite auch das Blasorchester der Münchner Philharmoniker und wir haben ja was zu feiern in diesem Jahr, gleich zwei Jubiläen: Der Musikbund Ober- und Niederbayern feiert 65 Jahre seines Bestehens, und wir Philharmoniker sind jetzt 125 Jahre dabei. So sind wir auf die Idee gekommen, das zusammen zu machen, also: Tracht trifft Frack."

Im Münchner Gasteig trifft sich "Frack mit Tracht"

Im Münchner Gasteig trifft sich "Frack mit Tracht"

Den Beruf wieder zum Hobby machen

"Tirol 1809", eine Suite für Blasorchester von Sepp Tanzer aus dem Jahr 1956 wird nach dem "Krönungsmarsch" von Tschaikowsky das Konzert eröffnen. War damals noch "alles in Ordnung" und nicht so sehr aus den Fugen wie heute? Fast scheint es, als sei dieses aufregende Konzertprogramm ein augenzwinkernder Kommentar auf die aktuellen politischen Verhältnisse, aber Albert Osterhammer winkt lachend ab: "Das ist so ein wenig wie 'back to the roots', das ist, wie wenn man seinen Beruf wieder zum Hobby machen kann. Wir alle haben ja unsere Hobbies zum Beruf gemacht und nun fehlt uns ein Hobby und das war für uns der Ausgangspunkt für dieses Projekt."

Also doch die Sehnsucht nach der guten, alten Zeit, die Sehnsucht nach der Unverstelltheit, der Unversehrtheit von Heimat. Das sagt auch Raffaele Giannotti, 23 Jahre jung, der Solofagottist der Münchner Philharmoniker: "Ich komme aus Lecce, das ist in Apulien, eine wunderbare Stadt, und wenn ich diese Musik spielen darf, dann ist das ein bisschen, wie wenn ich für zwanzig Minuten zurück bin in Italien."

Sonntag, 14. Oktober 2018 um 14.30 Uhr in der Philharmonie im Gasteig in München.

Autoren

Roland Biswurm

Sendung

kulturWelt vom 12.10.2018 - 06:30 Uhr