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Bildrechte: picture alliance / NurPhoto | Ryan Eduard Benaid

Reicht der Impfstoff für alle, wenn sich die reichen Staaten der Welt hunderte Millionen Dosen verschiedener Hersteller sichern? Die Impfstoffallianz COVAX will für mehr Gerechtigkeit sorgen. Ihr Ziel: Impfstoffe für alle - zu bezahlbaren Preisen.

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COVAX-Programm: Solidarität statt "Impfnationalismus"?

Die reicheren Länder haben sich einen Großteil der weltweiten Impfproduktion bereits reserviert. Dabei haben gerade ärmere Länder die Impfdosen dringend nötig. Kann das COVAX-Programm bei einer gerechten weltweiten Verteilung helfen?

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Von
  • Julia Mumelter

Man könnte meinen, das Coronavirus kenne keinen Unterschied zwischen Arm und Reich. Und doch trifft die Corona-Pandemie ärmere Länder ungleich härter – hinzu kommt, dass viele Entwicklungsländer immer noch nicht mit dem Impfen gegen Covid-19 beginnen konnten.

Stephanie Schüller beobachtet diese schwierige Situation. Sie arbeitet seit über zwanzig Jahren für das katholische Missionswerk missio in München und betreut dort Projekte für Entwicklungshilfe unter anderem auf den Philippinen. Die Corona-Pandemie beutele das Land in Südostasien sehr, erzählt sie. Gerade für die Ärmsten sei der Lockdown schlimm: Sehr viele Tagelöhner könnten inzwischen die Lebensmittel zur Ernährung ihrer Familien nicht mehr selber verdienen: "Sie sind sehr stark auf eine Lebensmittelhilfe angewiesen."

Hohe Ansteckungsgefahr in den Armenvierteln

Zudem sei es gerade in den Armenvierteln, wo die Menschen dicht auf dicht leben, schwierig die Abstände einzuhalten. Das erhöhe die Ansteckungsgefahr noch einmal, sagt Schüller: "Gerade hier sind Impfungen sehr wichtig, damit die Menschen geschützt werden."

Doch noch wurde auf den Philippinen und in vielen anderen ärmeren Ländern der Welt nicht mit dem Impfen begonnen. Die Hilfsorganisation Caritas international sagt, das hänge auch damit zusammen, dass die entwickelten Länder den Großteil der weltweiten Impfproduktion bereits reserviert hätten. Dabei leben dort nur 14 Prozent der Weltbevölkerung.

COVAX-Programm für gerechte Impfstoff-Verteilung

Damit die ärmeren Länder trotzdem zum Zug kommen, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO zusammen mit der Globalen Impfallianz Gavi das sogenannte COVAX-Programm gestartet. "COVAX" steht für "Covid-19 Vaccines Global Access" und hat zum Ziel, dass die Covid-19-Impfstoffe weltweit gleichmäßig und gerecht verteilt werden. Insgesamt nehmen 190 Länder daran teil. Rund die Hälfte sind zahlende Mitglieder, die andere Hälfte bekommt die Impfstoffe durch die Allianz vergünstigt oder gratis.

Die USA und Russland beteiligen sich nicht. Die Idee von COVAX ist, Geld und Marktmacht zu bündeln und gemeinsam Impfstoffe zu kaufen. Reichere Länder schließen zudem aber auch bilaterale Verträge mit den Impfstoffherstellern ab. Doch wenn reiche Länder wie Deutschland oder Frankreich bereits einen großen Anteil an Impfungen reservieren, kann COVAX nur das verteilen, was übrig bleibt.

Impfprogramme unterfinanziert

Auf BR-Anfrage zur Finanzierung von COVAX antwortet das zuständige Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nur schriftlich:

"Im Jahr 2020 hat die Bundesregierung dafür 100 Millionen Euro bereitgestellt. Für 2021 werden weitere Beiträge benötigt. Weltweit sind die Impfprogramme für Entwicklungsländer noch unterfinanziert." Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Solidarität statt "Impfnationalismus"

Bis Ende 2021 sollen durch die COVAX-Impfallianz zwei Milliarden Impfstoffdosen zur Verfügung gestellt werden. Stephanie Schüller wünscht sich, dass auch die Menschen auf den Philippinen nicht mehr lange auf die Impfdosen warten müssen: "Die Hoffnung ist, dass gerade die Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, die arm sind, es sich nicht leisten können, zu privaten Impfstationen zu gehen, dass diese die Möglichkeit haben an der Impfung teilzuhaben und somit die Pandemie zu besiegen."

Schüller hofft, dass sich die Solidarität durchsetzt und nicht der "Impfnationalismus", bei dem jedes Land nur an sich denkt.

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