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Couch-Highlights: Das waren unsere 5 liebsten Livestreams 2020 | BR24

© Foto von cottonbro von Pexels/ https://www.pexels.com/de-de/@cottonbro

Corona trotzen, ganz bequem auf der Couch: Unsere 5 liebsten Livestreams 2020

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    Couch-Highlights: Das waren unsere 5 liebsten Livestreams 2020

    Oh ja, es gab sie doch, auch in diesem Jahr: Live-Konzerte und Live-Theaterbesuche. Nur halt meist online. Wer hat das Beste aus der Situation gemacht? Hier unsere 5 Lieblings-Livestream-Momente. Und eine Gegenrede.

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    Von
    • Simone Stern
    • Martin Zeyn
    • Ronja Dittrich
    • Niels Beintker
    • Maximilian Büch

    Interaktives Online-Theater: "Homecoming" von machina eX am HAU Berlin

    Dieses Theaterstück beginnt damit, dass ich über den Messenger-Dienst Telegram mit einem Bot schreibe, Tage später zuhause einen großen Umschlag aus meinem Briefkasten ziehe und dann mit darin enthaltenen Unterlagen einen Psychotest ablege. Und dann sitze ich eines Abends da und löse gemeinsam mit anderen Zuschauern online live im Chat die Aufgaben, die uns Schauspieler in unterschiedlichen Rollen stellen. Wir erkunden abgelegene Orte des Internets und schreiben das Stück, während es passiert. Darin geht es um die Grenzen, die wir in der Pandemie ausloten: Wer dreht durch, wer erlaubt wem was? Endlich Theater, das mit Möglichkeiten des Digitalen spielt, anstatt Bühnenperformances "nur" zu streamen! Ein großer Spaß.

    Empfohlen von Ronja Dittrich

    Aktuell gibt es keine Aufführungstermine, aber alle Infos und Updates zur Gruppe Machina eX, die sie veranstalten, gibt’s auf der Website von machina Ex.

    © Barbara Lenartz

    Theater, das mit Möglichkeiten des Digitalen spielt: "Homecoming" von machina eX am HAU Berlin

    Verdichtete Aufführung: Johann Sebastian Bachs "Johannes-Passion"

    Die kleinere der beiden großen Passionen von Bach: In diesem Frühjahr wie so vieles so anders. Ohne Orchester und ohne großen Chor, aufgeführt von nur acht Musikern. Der isländische Tenor Benedikt Kristjánsson singt – in der leeren Leipziger Thomaskirche – die Partien des Evangelisten und der anderen Figuren in dieser Vertonung der Leidensgeschichte Jesu. Er wird begleitet von der Cembalistin Elina Albach, vom Schlagzeuger Philipp Lamprecht und, bei den Chorälen, vom Leipziger Vocalquintett (an einigen Stellen kommen Bach-Chöre aus aller Welt via Zoom dazu). Ein Monumentalwerk wird gewissermaßen zur Kammermusik. Kann das gut gehen? Und wie! An diesem Karfreitagnachmittag – alle Kirchen im Land sind geschlossen – erklingt Bachs Musik auf mdr-kultur.de im Live-Stream unter dem Hashtag #BachBeatsCorona, konzentriert, intensiv, berührend, mehr noch: ergreifend. Es gibt viele großartige Aufführungen der Johannes-Passion. Diese – in ihrer spannungsvollen Verdichtung – gehört unbedingt dazu.

    Empfohlen von Niels Beintker

    Derzeit ist nur ein Vorab-Teaser online:

    Online schlendern und entdecken: Das Berliner Festival Pop-Kultur

    Wie setzt man ein Musikfestival als Online-Event um? Das Berliner Festival Pop-Kultur hat darauf eine stimmige Antwort gefunden. Indem sie gar nicht erst versuchten, das bisherige Event im Netz abzubilden, sondern gleich ein speziell für Online konzipiertes Programm mit hochwertig produzierten Inhalten auf die Beine gestellt haben: Konzert-Sessions mit Acts aus dem deutschsprachigen Raum wie The Notwist, Mavi Phoenix und The Düsseldorf Düsterboys. Zudem internationale Musikvideos, die coronabedingt von Künstlern und Künstlerinnen rund um den Globus selbst zugeliefert wurden – und eine Reihe vom Festival geförderte Arbeiten. Alle drei Festivaltage gingen abends mit einer 60-Minuten-Zusammenstellung auf Youtube los, eine Art digitaler Spaziergang übers Festivalgelände zum Schlendern und Entdecken. Und wer wollte, konnte jederzeit kurz stehen bleiben und noch mal genau hinschauen bzw. -klicken: Well played.

    Empfohlen von Max Büch

    Die Videos gibt's nach wie vor auf der Website des Festivals zum Ansehen.

    Livekonzert der Jazzrausch Bigband

    Techno, Beethoven, Algorithmen – alles nicht mein Ding. Die "Jazzrausch Bigband", die all das auf unvergleichliche Art kombiniert, umso mehr. Am Karfreitag streamte Capriccio auf Facebook exklusiv ein vor Corona aufgezeichnetes Konzert der Band. Nur so lange verfügbar wie das Spektakel lief. Allein in meiner Wohnung drehte ich laut auf, tanzte den Oster-Lockdown-Frust weg und freute mich auf Zeiten, in denen ich dazu "in Echt" abzappeln könnte. Die kamen auch: Im August war ich im Olympiapark bei meinem ersten Jazzrausch-Live-Konzert, ein absolutes Highlight 2020.

    Empfohlen von Simone Stern

    Nicht das Konzert (das gab es wirklich nur live), sondern ein Portrait der Jazzrausch Bigband von Capriccio:

    Münchner Kammerspiele: BAM – Bodies of Armed Matriarchy

    Männer sind einfach nicht dafür geeignet, Waffen zu tragen. Mit dieser steilen These startet das Video von "BAM – Bodies of Armed Matriarchy". Und legt immer noch eins drauf. Saukomisch, voll auf der Höhe des Diskurses, cool, kurzweilig und super geschnitten. Entstanden als Projekt an den Münchner Kammerspielen und ein tolles Beispiel für einen Stream, der nicht etwas abbildet, das nicht für Video gedacht war, sondern sich traut, etwas ganz Eigenes zu schaffen: "BAM ist Skandalreportage, Mockumentary, Liebesgeschichte und Absage an den stringenten, patriarchalen Plot!" Und ja, ein absoluter Höhepunkt unter den Streams des Sommers.

    Empfohlen von Martin Zeyn

    "BAM" kann man sich nach wie vor anschauen auf dem Vimeo-Kanal der Münchner Kammerspiele.

    © Nicole Marianna Wytyczak

    Filmstill: v.l.n.r.: Zeynep Bozbay, Julia Windischbauer, Gro Swantje Kohlhof, Annette Paulmann.

    Zuhause allein streamen: Leider nicht geil!

    Am Anfang habe ich mich auch gefreut: Theaterstücke ohne vor die Tür gehen zu müssen, ganze Filmfestivals von der Couch aus, DJ-Sets und Konzerte ohne doch wieder erst gegen 5 zerrüttet und zerzaust den Heimweg anzutreten. Doch leider hieß und heißt Livestream eben auch: Theaterstücke und Kinofilme ohne diesen verdunkelten Raum, der vor jeglicher Ablenkung schützt. Auch ohne die anschließenden Diskussionen darüber bei einem Bier. Und DJ-Sets und Konzerte ohne die Ekstase, das Gemeinschaftsgefühl, den Blick in andere Gesichter. Nein, für mich funktionieren Livestreams leider nicht. Zumal die Theaterstücke und Filme oft künstlich verknappt, zeitlich begrenzt wurden und dann schon nicht mehr zu streamen waren, wenn ich sie sehen wollte. Dabei wäre das doch einer der Vorteile des Internets: Dass alles jederzeit verfügbar ist. Und zumal ich nicht ganz verstanden habe, warum ich mir jetzt unbedingt ein aktuelles, live gestreamtes Konzert oder DJ-Set ohne Publikum anschauen sollte, wo es doch genügend Mitschnitte legendärer Sets und Auftritte auf YouTube, SoundCloud und Co gibt, die ich noch schauen und hören könnte. Nein, live hat für mich in diesen Zeiten nur eines funktioniert: Live-Schalten am Abend mit ein paar wenigen Freunden, um bei ein paar Bier oder einem Glas Wein ein bisschen zu plaudern und zu lachen.

    Eine Gegenrede von Hardy Funk

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