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Cosima hat Migräne: "Meistersinger von Nürnberg" in "Wahnfried" | BR24

© Bayreuther Festspiele

Im Hause Wahnfried

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Cosima hat Migräne: "Meistersinger von Nürnberg" in "Wahnfried"

Gelacht wurde wenig, aber am Ende des ersten Akts war das Publikum begeistert. Barrie Kosky zeigt die "Meistersinger" als Familien-Saga im Hause Wahnfried. Erzählt wird vor allem Wagners Besessenheit von der deutschen Kunst. Von Peter Jungblut

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Er hatte angekündigt, die "Meistersinger" als Komödie, also kurzweilig, auf die Bühne zu bringen. Zumindest im ersten Aufzug hat Regisseur Barrie Kosky sein Versprechen gehalten. Zu sehen ist ein Tag in der Villa Wahnfried, dem Familiensitz der Wagners in Bayreuth. Der ausgesprochen eitle Komponist führt seine Neufundländer Gassi, erhält laufend Geschenk-Pakete, darunter ein paar neue Schuhe, schnüffelt an Parfüm (Wagner war besessen von Düften) und unterhält gravitätisch seine Gäste. Am liebsten wird er bewundert! Seine Frau Cosima ringt mit ihren Kopfschmerzen, ihr Vater Franz Liszt klimpert ungeachtet dessen auf dem Flügel, dem jüdischen Dirigenten Hermann Levi ist die christliche Hausandacht sichtlich unangenehm. Mit viel Witz, genauer Kenntnis der Wagnerschen Familiengeschichte und professioneller Personenregie gelingt Kosky ein unterhaltsamer Auftakt.

Headbanging mit langer Mähne

Die handelnden Personen tragen sämtlich Renaissance-Kostüme, sind also gekleidet wie zu Zeiten von Hans Sachs im späten 15. Jahrhundert in Nürnberg. Die Meistersinger legen sogar eine Headbanging-Szene ein: Mit ihren langen Mähnen eine leichte Übung: Ein Hauch von "Wacken" in Bayreuth - würden sie nicht gleichzeitig ihre Kaffeetassen klappern lassen, das passt weniger zu "Heavy Metal".

Der erste Akt endet im Gerichtssaal

Musikalisch überzeugt der Abend bisher in jeder Hinsicht: Wagner absolut wortverständlich als echtes Musik-Drama, also nicht als "Oper", das ist auf diesem Niveau selten zu erleben. Der Schweizer Dirigent Philippe Jordan geht mit viel komödiantischem Eifer und forschem Tempo an seine Arbeit, bleibt jedoch durchweg sängerfreundlich. Die komplizierte Akustik im Festspielhaus ist für ihn offenkundig kein Problem.

Am Ende des ersten Akt freilich verschwindet die Villa Wahnfried im Hintergrund, und der Gerichtssaal der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse wird sichtbar. Ein amerikanischer Militärpolizist steht Wache, die Fahnen der Alliierten verzieren die holzgetäfelte Wand. Es geht also nicht so heiter und unbeschwert weiter! Ob das Publikum am Ende gegen 22.30 Uhr auch noch vom Regie-Konzept überzeugt ist? Die Proben haben jedenfalls angedeutet, dass der zweite und dritte Akt weit weniger amüsant ausfallen...

© Bayreuther Festspiele

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