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Corona weltweit: Kirchliche Hilfswerke beklagen vergessene Opfer | BR24

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Die kirchlichen Hilfsorganisationen fürchten sinkende Kirchensteuereinnahmen und den Einbruch an Spendengeldern. Fatal, denn die arme Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern ist von der Corona-Pandemie besonders schlimm betroffen.

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Corona weltweit: Kirchliche Hilfswerke beklagen vergessene Opfer

Die kirchlichen Hilfsorganisationen fürchten durch die Pandemie sinkende Kirchensteuereinnahmen und den Einbruch an Spendengeldern. Fatal, denn die arme Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern ist von Corona besonders schlimm betroffen.

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Entwicklungsarbeit gehört zu den Kernaufgaben der Kirchen, auch in Corona-Zeiten. Die katholische Hilfsorganisation missio betreut zwischen 1.000 und 1.200 Projekte in 60 Ländern in Afrika, Asien und Ozeanien. Wie groß die Not und das Leid der Menschen ist, erfährt Wolfgang Huber, Präsident von missio München, täglich. Er hält zu einigen Partnerorganisationen im Ausland digital Kontakt: "Wir haben momentan keine Möglichkeit der direkten Begegnungen. So müssen wir über die neuen Medien den Kontakt mit den Partnern von vor Ort herstellen, um zu erfahren, was die Menschen momentan brauchen."

Philippinen: Die Not ist besonders groß

Monsignore Wolfgang Huber lässt sich regelmäßig von einem Projektpartner auf den Philippinen über die Lage vor Ort informieren. Seit Mitte März gelten auf den Philippinen strenge Quarantäne-Maßnahmen. Hier leben viele vor allem vom Sammeln und Sortieren von Müll, vom Straßenhandel und Motorradtaxi-Fahren. Ohne diese Gelegenheitsjobs stehen die Menschen in den Armenviertel vor dem Nichts.

Um ihnen zu helfen, verteilt Vinzentinerpater Danny Pilario im Großraum Manila gemeinsam mit seinem Team Lebensmittelpakete an die, die nichts haben. Viele Betroffene sind verzweifelt, wissen nicht, wie sie sich und ihre Familien ernähren sollen.

„Eine Mutter hat mir gesagt, ich sterbe lieber wegen des Virus, als dass ich meine Kinder vor Hunger sterben sehe.“ Pater Danny, Philippinen

Die Probleme sind in vielen Entwicklungsländern dieselben: Die Armen, die schon vor der Pandemie kaum zu essen hatten, sind nun mehr denn je auf Hilfe angewiesen.

In Indien widmen sich die Carmel Apostolic Sisters eigentlich der Frauenbildung. Doch seit es für viele Tagelöhner, die in der Krise keine Jobs finden und die nicht durch das Sozialsystem abgesichert sind, um das blanke Überleben geht, verteilen die Schwestern auch Mahlzeiten auf der Straße.

In Äthiopien gilt der Notstand für die nächsten fünf Monate. Hier versorgen der katholische Priester Abba Petros Berga und ein Mitbruder alte Menschen in der Erzdiözese Addis Abeba direkt zu Hause mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Schutzmaßnahmen sind in den Armenvierteln nur schwer umsetzbar.

Renovabis: Corona-Hilfe in Osteuropa

Die Corona-Pandemie hat auch in den osteuropäischen Ländern vor allem für bedürftige Menschen schwere Folgen. Renovabis unterstützt hier unter anderem ein Projekt der Obdachlosenhilfe in Kiew, wo nun täglich Essenspakete verteilt werden. Eine weitere Hilfsaktion finanziert Renovabis in Rumänien. Familien der Roma-Minderheit bekommen Essens- und Hygieneartikel, denn aufgrund der derzeitigen Situation können sie ihre eh schon ärmlichen Jobs als Tagelöhner nicht nachgehen.

Adveniat: "Sterben am Virus oder an Hunger“

Auch Südamerika ist schwer getroffen von der Corona-Pandemie. Vor allem Brasilien leidet derzeit besonders hart unter Corona, und die politische Führung lässt die Bevölkerung weitgehend im Stich.

Adveniat warnt vor einer humanitären und ökologischen Katastrophe. „Die arme Bevölkerungsmehrheit in Lateinamerika ist der Corona-Pandemie schutzlos ausgeliefert", so der Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz.

Mehr zum Thema "Konsequenzen aus Corona für die Kirchen" in STATIONEN am Mittwoch, 27. Mai 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und im Anschluss in der Mediathek.