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Corona verschärft Ungerechtigkeit zwischen Mann und Frau | BR24

© Audio: BR / Bild: picture alliance / Sven Simon

Frauen und Männer fallen in alte Rollenmuster zurück, gleichzeitig tun Männer mehr für die Familie – viele widersprüchliche Thesen gingen in den letzten Wochen durch die Medien. Was sagt die Wissenschaft über den Familienalltag in der Corona-Krise?

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Corona verschärft Ungerechtigkeit zwischen Mann und Frau

Durch Corona fallen Frauen und Männer in alte Rollenmuster zurück, klagen die einen. Andere betonen, dass Männer jetzt mehr für die Familie tun. Zu welchen Ergebnissen kommen wissenschaftliche Studien über die Familienarbeit in der Corona-Krise?

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"Frauen werden bei der Gleichstellung um 30 Jahre zurückgeworfen", sagte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, die Soziologin Jutta Allmendinger im April 2020. Eine Studie ihres Instituts zum Corona-Alltag zeige: deutlich mehr als 20 Prozent der Mütter haben ihre Erwerbsarbeitsstunden verkürzt.

Ihnen gleich taten es weniger als 20 Prozent der Männer. Die Studie zeigt auch: Seit der Schließung von Kitas und Schulen hat die Arbeits- und Lebenszufriedenheit der Frauen deutlich mehr abgenommen als bei den Männern.

Corona-Krise schränkt Frauen mehr ein, als Männer

Allerdings legt eine Studie der Universität Mannheim auch folgende Schlussfolgerung nahe: "Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt nur kurzfristig benachteiligt." Auf lange Sicht würden die Frauen durch einen kulturellen und strukturellen Wandel in der Organisation der Arbeit profitieren.

Zunächst aber kommt die "Corona-Studie" der Uni Mannheim zu dem Ergebnis, dass in etwas mehr als der Hälfte der befragten Haushalte die Kinderbetreuung allein von der Frau übernommen wird. Ein Wert, der leicht angestiegen ist. In 24 Prozent der Familien teilten sich beide Elternteile diese Aufgabe. Mit steigendem Einkommen nimmt der Anteil der Eltern, die die Kinder gemeinsam betreuen zu.

Väter weniger durch Homeoffice belastet als Mütter

Für die Studie "Arbeit in der Corona-Krise" hat das Jobportal StepStone Ende April rund 7.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt. Gut die Hälfte der Eltern gab an, aktuell von zuhause aus arbeiten zu müssen. Ein Viertel der Mütter und Väter sieht sich gezwungen, wegen der Kinder Urlaub zu nehmen. Ein weiteres Viertel kann derzeit wegen der Kinderbetreuung sogar überhaupt nicht arbeiten.

Von den Müttern gibt jede dritte die Kinderbetreuung als Grund an, von den Vätern nur jeder achte. Etwas mehr als zwei Drittel der Mütter fühlen sich stark gestresst bei der Arbeit im häuslichen Umfeld. Von den Vätern gibt dies etwas weniger als die Hälfte an.

"Das sagt nicht gutes über uns Männer. Das heißt, wir wollen unsere Privilegien nicht abgeben. Was lernen unsere Kinder daraus? Daddy macht keine Care-Arbeit, weil er einfach keine Lust darauf hat. Corona drückt den Kids die traditionelle Rollenverteilung rein!" Christoph May, Männerforscher

Einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung aus dem Mai 2020 zufolge verschärft die Coronakrise Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Familien mit unterschiedlichen Einkommen. Laut der Umfrage reduzieren Eltern mit geringem Einkommen häufiger ihre Arbeitszeit, um Kinder zuhause zu betreuen, als Eltern mit besserem Gehalt. Je geringer das Einkommen der Haushalte, desto eher verringere die Frau im Gegensatz zum Mann die Arbeitszeit.

Männer bringen sich mehr in der Familienarbeit ein

Die jüngste Studie des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) aus dem Juni 2020 besagt: "Männer bringen sich in der Familienarbeit deutlich mehr ein". Danach stieg der unbezahlte Arbeitsanteil der Männer um rund 120 Prozent. Allerdings: Die Zahl bei den Männern hat sich von einem deutlich niedrigeren Niveau aus entwickelt als bei den Frauen. Während sich Frauen in der Corona-Zeit täglich im Schnitt 7,5 Stunden um die Kinder kümmern, übernehmen Männer die Kinder an den Werktagen im Schnitt für 4 Stunden. Für Haushaltsarbeiten bringen die Frauen im Schnitt zweieinhalb Stunden auf - eine Stunde mehr als Männer.