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Bildrechte: BR/Markus Konvalin

Die Corona-Pandemie hat die Kultur schwer getroffen: Museen, Theater, Clubs und Konzerthäuser waren lange zu. Jetzt dürfen Künstler wieder auftreten. Doch Virologen warnen vor der 4. Welle. Kulturschaffende hoffen nun auf Notfallpläne der Regierung.

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Corona und Kultur: Wie geht's im Herbst weiter?

Die Corona-Pandemie hat die Kultur schwer getroffen: Museen, Theater, Clubs und Konzerthäuser waren lange zu. Jetzt dürfen Künstler wieder auftreten. Doch Virologen warnen vor der 4. Welle. Kulturschaffende hoffen nun auf Notfallpläne der Regierung.

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  • Astrid Uhr

Kulturschaffende waren von dem langen Lockdown schwer getroffen. Jetzt hoffen sie, dass Notfallpläne und ein Risiko-Management von Seiten der Regierung sie vor einer erneuten Zwangspause bewahren. Außerdem wünschen sie sich mehr Gleichberechtigung: Zum einen zwischen Hochkultur und Popkultur. Zum anderen zwischen den Bereichen Kultur, Gastronomie und Sport.

Spaltung: Klassik erlaubt, Pop verboten

"Als Kleinkünstlerin fühle ich mich von der Politik manchmal vergessen", sagt Sängerin Daniela Engelhardt. Vor Corona hatte die Augsburgerin etwa 100 Auftritte pro Jahr, seit Corona keine zehn. Sie tritt sowohl als Solo-Sängerin bei Hochzeiten oder Firmenfeiern auf, aber auch mit verschiedenen Bands (z.B. A Capella Formation Greg is Back).

Ihr Eindruck: Staatsoper und Theater würden als Prestige-Objekte der Kultur vom Staat bevorzugt in der Pandemie. Das bedauert auch Bernd Schweinar, Geschäftsführer des Verbandes für Popkultur in Bayern. Seiner Meinung nach würde die Popkultur gegenüber der Hochkultur benachteiligt. "Beide Publikumsformen müssen gleichbehandelt werden", fordert der Verband für Popkultur. Ein Kabarett-Besucher könne genauso diszipliniert auf seinem Stuhl sitzen bleiben wie ein Opern-Besucher.

Offener Brief der Münchner Künstler an die Regierung

"14.500 EM-Besucher in der Allianz Arena erlaubt - aber nur 1.500 bei Kulturveranstaltungen im Freien: Ist das gerecht?" Das fragt der Verband der Münchner Kulturveranstalter (VDMK). In einem kürzlich verfassten offenen Brief an die Landesregierung fordern die Künstlerinnen und Künstler eine Gleichbehandlung für Fußball-Events, Public Viewings und Open-Air-Konzerte.

Sie wünschen sich ein Treffen mit der Regierung, um ihre Expertise aus der Praxis einzubringen in die Planungen für den Herbst. "Wir hoffen noch auf ein Gesprächsangebot", erklärt Kultur-Managerin Anna Kleeblatt für den VDMK. Bislang haben sie nichts gehört.

Wichtig: Mehr Transparenz, mehr Dialog

"Es wird gar nicht mehr miteinander geredet", kritisiert auch Christian Stückl den Dialog zwischen bayerischer Staatsregierung und den Kulturschaffenden.

Bernd Schweinar vom Verband für Popkultur in Bayern beklagt ebenfalls, dass es aktuell zu wenig Gespräche mit der Regierung geben würde. "Unsere Erfahrungen als Künstler in der Pandemie möchten wir nun bei den Fachministern einbringen". Doch aktuell gäbe es wenig Gespräche, obwohl jetzt bereits die Planungen für den Herbst anlaufen sollten.

Falls Herbst-Lockdown: Schnellere Hilfen für freie Künstler

"Bands, Beleuchter, Bühnentechniker, Schauspieler, Regisseure: Freie Künstler haben wegen Corona oft viel zu spät staatliche Hilfen bekommen", bedauert Regisseur Christian Stückl vom Münchner Volkstheater. Während staatliche Bühnen und Theater ihre festen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken könnten, würde die Berufsgruppe der Freien Künstler gerade oft am Existenzminimum leben.

Viele kleinere Ensembles und Einzelkünster hätten staatliche Hilfsgelder erst sehr spät bekommen, so Stückl, oft erst ein halbes Jahr nach dem Antrag. Das beobachtet auch Carola Kupfer, Präsidentin des bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaft-Verbandes, BLVKK. Jetzt könnte man aus diesen Fehlern lernen und für den Herbst einen Hilfsplan für den Notfall aufstellen.

Kulturminister Sibler: Sicherheitspaket für Künstler

"Wir möchten ermöglichen, wir möchten schauen, dass vieles stattfindet", betont Kulturminister Bernd Sibler. Ein weiterer Lockdown sei derzeit reine Spekulation. Aktuell sei das Sicherheitspaket für Künstlerinnen und Künstler verlängert worden: "Mit der Verlängerung des Solo-Selbstständigenprogramms bis Ende 2021 wollen wir Kunstschaffenden finanzielle Sicherheit bieten."

Sibler ist davon überzeugt, dass sich die Kunst- und Kulturszene im Freistaat weiter stabilisiert. Dies sei möglich dank der Verlängerung des Spielstätten- und Veranstalterprogramms, des Hilfsprogramms für die Laienmusik und dem Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen.

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