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Corona und Kirchenmusik: Was ist erlaubt? | BR24

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Orgel-Spielen ist auch in Corona-Zeiten gestattet und neuerdings dank einer Handy-App auch ganz ohne Organisten möglich

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    Corona und Kirchenmusik: Was ist erlaubt?

    Für Kirchenmusik in Corona-Zeiten gibt es strenge Regeln: Solisten dürfen singen, Gemeinde-Gesang muss stark reduziert werden und Chorgesang ist auf unbestimmte Zeit verboten. Orgeln ist gestattet und neuerdings auch ganz ohne Organisten möglich.

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    Ihre Mitsänger von "Ottilia Capella", einem Laienchor im Kloster St. Ottilien, wird Claudia Schretzenmayr womöglich noch Monate nicht sehen. Sogar Proben sind wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit abgesagt. "Man vermisst einfach die Gemeinschaft, nach der Arbeit sich treffen, mit jemand außerhalb der Familie, und gemeinsam singen und beten, und einfach diese Energie und die Kraft fühlen, die da entsteht, wenn man gemeinsam singt."

    Chor-Gesang verboten

    Das Risiko einer Ansteckung mit Corona-Viren sei beim gemeinsamen Singen besonders hoch, sagen Wissenschaftler. Deswegen verbietet der Staat bis auf weiteres jeden Chor-Gesang, auch die Gemeinde darf im Gottesdienst nur mit Mundschutz und in reduzierter Form singen.

    Die Corona-Prophylaxe trifft auch die fünf Chöre des Münchner Liebfrauendoms. Seit zwei Monaten schon finden wegen der Pandemie keine Proben mehr statt. Domkapellmeisterin Lucia Hilz, die den Chor leitet, bietet zwar auch übers Internet Proben an, dabei kann aber immer nur einer singen.

    Die Zeitverzögerung verhindert einen harmonischen Chor-Klang – aber wenigstes sieht man sich mal. Jetzt sei vor allem der soziale Zusammenhalt enorm wichtig, und dass ihr Chor sich immer wieder versichere: "Wir sind eine Gemeinschaft, und sobald es losgeht, finden wir schnell auf professionelles Niveau zurück, können uns alles wieder so aneignen und können im Klang baden."

    Die Corona-Epidemie legt die gesamte Musik aller Religionsgemeinschaften lahm, auch Posaunen-Chöre sind verboten, nur maximal vier Bläser mit einem Mindestabstand von fünf Metern sind erlaubt.

    Handy-App ersetzt Organisten

    Ein Instrument ist jedoch nach wie vor ohne Einschränkungen erlaubt: Die Orgel, die "Königin der Instrumente". Doch bei der Orgelmusik gibt es noch ganz andere Probleme: In vielen ländlichen Gemeinden fehlen Organisten. Dafür hat Konrad Sitte-Zöllner aus dem niederbayerischen Kollnburg jetzt eine Lösung gefunden: Er hat die E-Kantor-App entwickelt,- eine App, die auf jedes Handy oder jeden Laptop heruntergeladen werden kann.

    "Ich wähle mir das Lied aus, werde dann Schritt für Schritt nach den Funktionen gefragt: nach Sonderwünschen wie Anzahl der Strophen, Tonhöhe, Register und danach wie die Orgel klingen soll", erklärt Sitte-Zöllner. Nach drei, vier Schritten lässt sich Play drücken und das Lied in der individualisierten Form abspielen. Gekoppelt mit Lautsprecher-Boxen könne so jeder Pfarrer oder jede Pfarrerin seine Lieblingslieder schon vorher zusammenstellen und dann während des Gottesdiensts mit der Play-Taste abspielen.

    Bislang haben 30 Gemeinden die E-Kantor-App abonniert, der Monatspreis ist mit den Kosten für einen Organisten vergleichbar, sagt Konrad Sitte-Zöllner. Der 34-Jährige ist selbst Organist und weiß, dass dieser Audio-Player niemals menschengemachte Musik ersetzt - aber vielen Kirchenbesuchern eine musikalische Freude machen kann, besonders in Corona-Zeiten, wenn es einfach keine Musiker vor Ort gibt.

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