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Improvisierter Gedenkort für Corona-Tote in Berlin. Bislang fehlt ein fester Gedenkort, so Andreas Batlogg SJ aus München.

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Corona-Tote: Münchner Jesuiten bieten ersten festen Gedenkort

Jeden Tag sterben noch immer hunderte Menschen in Deutschland am Zusammenhang mit dem Coronavirus. In der Münchner Jesuitenkirche St. Michael gibt es jetzt erstmals einen festen Ort, an dem ganz bewusst der Corona-Toten gedacht wird.

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Von
  • Irene Esmann
  • BR24 Redaktion

Mitten in der Münchner Fußgängerzone: Ein Kondolenzbuch liegt im Mittelgang der Kirche St. Michael aus. Einige Namen stehen schon darin: etwa die von sechs Jesuitenpatres, die im vergangenen Jahr an oder mit Corona in einem Seniorenheim bei München gestorben sind.

Jeder darf ins Kondolenzbuch für Corona-Tote schreiben

Jede und jeder, egal welcher Konfession oder Religion ist eingeladen, Namen aufzuschreiben, der Trauer um die Verstorbenen der Pandemie Ausdruck zu verleihen, sagt Mitinitiator und Jesuitenpater Andreas Batlogg, denn die Pandemie sei natürlich vielmehr als die tägliche Statistik des Robert Koch-Instituts: "Wie viele Infizierte, wie viele Tote, das sind anonyme Zahlen. Aber hinter jeder stehen Namen, stehen Lebensgeschichten und denen wollen wir eine gewisse Öffentlichkeit geben, ein Gesicht geben."

Das Sterben ist einsam, es fehlt Öffentlichkeit für die Trauer

Das Sterben sei für viele Betroffene sehr einsam, alleine und isoliert und auch Beerdigungen hätten weniger öffentlich stattgefunden als sonst, so Andreas Batlogg SJ. "Und in einer Großstadt summiert sich das. Und es gibt in München bislang noch keinen öffentlichen Ort der Erinnerung."

Ein Ort für die Trauer um die Pandemie-Opfer

Einen Ort und einen Raum zu schaffen für die Trauer. Das ist das Anliegen der Münchner Jesuiten. Von heute an wird das Kondolenzbuch jeden Freitag Abend im Rahmen eines Gottesdienstes feierlich zum Altar getragen. Dazu werden künftig auch ganz bewusst Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingeladen. Pater Batlogg ist überzeugt: Es brauche solche Rituale um das Trauma der Pandemie zu bewältigen.

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Über 10.000 Menschen sind in Bayern bislang an oder mit Corona gestorben. Eine Gedenkaktion von Bundespräsident Steinmeier will den Opfern in Deutschland einen Namen geben. Auch München erinnert sensibel an die Corona-Toten.

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