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Corona: Risiko-Gruppe fehlt im Ehrenamt | BR24

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Die Corona-Krise betrifft auch das unentgeltliche Engagement vieler Menschen.

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Corona: Risiko-Gruppe fehlt im Ehrenamt

Die Corona-Krise betrifft auch das unentgeltliche Engagement vieler Menschen. Denn viele Helfer sind über 60 Jahre alt, zählen also zur Risikogruppe. Auf ihren ehrenamtlichen Einsatz sind aber viele Einrichtungen in Deutschland dringend angewiesen.

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Von
  • Simon Berninger
  • Barbara Schneider

Angelika Steinbeißer hat Corona vor allem eines beschert: Zeit. Viel Zeit. Die hat die Religionspädagogin aus München ja eigentlich schon seit Beginn ihrer Rente vor zwei Jahren. Damals überlegte sie sich, wie sie ihre neu gewonnene Zeit nun gut nutzen könnte: "Da ist mir ein Flyer von der Krankenhausseelsorge in die Hand gefallen", erzählt sie; und dass sie sich gleich dafür gemeldet habe: "Seit einem Jahr mache ich das als ehrenamtliche Mitarbeiterin. Und es macht mir großen Spaß, denn es bereichert mein Leben. Und dann war es mit einem Mal vorbei."

Angst und Selbstschutz

Denn wegen Corona durften auch ehrenamtliche Mitarbeiter wie Angelika Steinbeißer nicht mehr in die Kliniken. Außerdem gehört sie mit 67 Jahren zur Risikogruppe – keineswegs als einzige in ihrem Team im Münchner Klinikum rechts der Isar: "In unserem Team ist nur eine Person noch berufstätig", sagt sie. Alle anderen seien bereits in Rente und älteren Semesters.

"Ich denke, dass manche aus Angst oder aus Selbstschutz sagen: Ich kann das jetzt nicht mehr machen." Für die Hauptamtlichen in der Klinikseelsorge heißt das: Das Team wird kleiner, die Sorgen und Nöte von Patienten und Angehörigen in der Corona-Krise aber größer – und damit auch die Arbeitslast der hauptberuflichen Seelsorger.

Ehrenamtliche Verkäufer fehlen

Ähnlich sieht es in den Second-Hand-Läden von Oxfam aus. 54 Filialen betreibt die Entwicklungsorganisation in Deutschland. Für die Läden in Süddeutschland ist Shop-Referentin Marion Fuchs zuständig. Auch sie zerbricht sich aktuell den Kopf wegen Ehrenamtlicher, die im Verkauf fehlen:

"Unser ehrenamtliches Team besteht zu einem größten Teil aus Kolleginnen und Kollegen, die über 60 Jahre alt sind und damit zur Risikogruppe gehören. Das heißt, viele unserer Kollegen pausieren derzeit und warten einfach ab, wie die weitere Entwicklung sein wird. Und kommen damit auch aktuell nicht zurück in den Oxfam-Shop, um hier ihre ehrenamtliche Tätigkeit aufzunehmen." Oxfam-Shop-Referentin Marion Fuchs

Unabhängig vom allgemeinen Lockdown mussten Läden daher geschlossen bleiben. Betroffen waren auch die acht Filialen in Bayern, zum Beispiel in München-Pasing. Inzwischen hat der Shop zwar wieder offen, läuft aber mangels Ehrenamtlicher immer noch nicht im Normalbetrieb.

Weniger Erlös durch liegengebliebene Spenden

In den Oxfam-Läden werden unter anderem gespendete Kleidung und Bücher verkauft, seit Corona ist das Spendenaufkommen sogar gestiegen, sagt Shop-Referentin Marion Fuchs: "Viele Menschen haben ihre Wohnungen aufgeräumt und die Zeit genutzt, um uns viele ihrer Dinge zu bringen."

Das Problem: Die ehrenamtlichen Helfer, die solche Spenden sortieren und verarbeiten, fehlen. Liegengebliebene Sachspenden wiederum bedeuten weniger Erlös, mit dem die Entwicklungsorganisation ihre weltweiten Hilfsprojekte unterstützen kann. Von den bundesweit 3.400 Ehrenamtlichen bei Oxfam sind derzeit nur 2.000 aktiv – ob die anderen zurückkommen: fraglich.

Freiwilligenagentur geplant

Um dem Corona-Dämpfer fürs Ehrenamt etwas entgegenzusetzen, hat die Innere Mission der evangelischen Kirche in München nun angekündigt, eine Freiwilligenagentur zu gründen. Dort sollen Einrichtungen wie Oxfam oder die Seelsorgeteams von Krankenhäusern um Ehrenamtliche werben können.

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