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Corona-Regeln: Virologin macht Künstlern Hoffnung auf Frühjahr | BR24

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Der Winter werde noch mal eine Herausforderung, aber die renommierte Virologin Ulrike Protzer ist optimistisch, dass sich die Pandemie schon im Frühjahr "deutlich entspannt". Das hörten krisengeschüttelte Musiker bei einem Open Air in München gern.

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Corona-Regeln: Virologin macht Künstlern Hoffnung auf Frühjahr

Der Winter werde noch mal eine Herausforderung, aber die renommierte Virologin Ulrike Protzer ist optimistisch, dass sich die Pandemie schon im Frühjahr "deutlich entspannt". Das hörten krisengeschüttelte Musiker bei einem Open Air in München gern.

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Auf einen Regiestuhl wie bei Dreharbeiten darf sich die Virologin Ulrike Protzer mitten auf dem Münchner Odeonsplatz setzen, und tatsächlich ist sie ja derzeit eine Art Regisseurin, wie auch alle ihre Berufskollegen, geben sie doch den Takt vor in der Pandemie. Und deshalb hängen natürlich auch alle Musiker und Künstler an ihren Lippen, wollen wissen, wie es weitergeht: "Wir sind einfach noch nicht in der Situation, wo wir sagen können, alles auf Entspannung! Wir müssen durch diesen Herbst, durch diesen Winter jetzt noch durch."

"Wir werden bessere Medikamente haben"

Aber dann, und das ist die einigermaßen beruhigende Botschaft, die Ulrike Protzer mitgebracht hat zu diesem Open Air-Konzert mit Mozarts Requiem, dann könnte die Pandemie schon bald viel von ihrem Schrecken verlieren. Da könnte also eine ganz neue Art von Frühlingsgefühl aufkommen, und das ist nicht einfach so daher gesagt, sondern beruht auf Erfahrungen mit anderen, von Viren ausgelösten Krankheiten. Die renommierte Forscherin von der TU München: "Ich glaube, wir brauchen nicht alle durch impfen, sondern wir brauchen zwanzig, dreißig Prozent, um das Ganze erst mal deutlich abzubremsen. Das wissen wir von der Influenza. Dann haben es bis dahin auch schon einige durchgemacht, wir werden bessere Medikamente haben, dann kommt uns auch die Jahreszeit wieder entgegen. Also, ich würde schon sagen, dass sich das Ganze im Frühjahr, Sommer deutlich entspannen kann."

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Sprach Musikern Mut zu: Virologin Ulrike Protzer

Das wäre dann auch höchste Zeit, denn vielen Musikern, Schauspielern und Sängern geht jetzt schon beruflich die Luft aus. Sofortprogramme sind gefloppt, viele lieber gleich in die Grundsicherung gegangen, sie haben also Hartz IV beantragt. Und von da aus suchen sich gerade etliche neue Jobs, außerhalb von Kunst und Kultur, das heißt, so mancher wird wohl nie wieder in seinen kreativen Beruf zurückkehren.

"Ich mache mir wirklich Sorgen"

Das ist jedenfalls die große Befürchtung von Andrea Fessmann, die diese Open-Air-Konzerte seit Monaten tapfer und bei fast jedem Wetter organisisiert: "Ich sehe einfach, dass viele der Kollegen ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen können. Die können ihre Miete nicht mehr bezahlen, die beginnen umzuschulen, etwas anderes zu lernen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist schon traurig, weil jeder von uns Kunstschaffenden macht Musik seit er vier, fünf, sechs, sieben Jahre alt ist. Und plötzlich ist der Stecker gezogen, das ist schon sehr problematisch, ich mache mir da wirklich Sorgen."

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Andrea Fessmann dirigiert

Immerhin, Virologin Ulrike Protzer hat gute Nachrichten aus ihrem Kollegenkreis dabei. Die Studien, die derzeit mit potentiellen Impfstoffen laufen, geben derzeit Anlass zur Hoffnung - nicht mehr, aber auch nicht weniger: "Ich bin natürlich auch als Wissenschaftlerin keine Wahrsagerin und kann nicht sagen, wie die Impfstudien ausgehen. Sie sehen bisher gut aus, aber, deshalb macht man ja die Studien, sie haben einen offenen Ausgang und man muss abwarten, wie die Ergebnisse sind. Man kann sich aber diese ersten Ergebnisse anschauen, und die stimmen einen zuversichtlich, das meine ich, das ist schon der Fall."

"Studie mit 500 Zuschauern war bisher ein Erfolg"

Der Pilotversuch mit je 500 Zuschauern in der Bayerischen Staatsoper, in der Münchner Philharmonie und in der Nürnberger Meistersingerhalle läuft bisher auch aus Sicht der Virologin ausgesprochen zufriedenstellend. Mag sein, dass das auch mit der besonderen Disziplin des Klassik-Publikums zu tun hat, das ja durchschnittlich älter und damit auch weniger feierwütig ist: "Es gibt ja in der Bayerischen Staatsoper inzwischen eine Studie, wo wir 500 Zuschauer zugelassen haben. Wir begleiten das wissenschaftlich mit regelmäßigen Tests, mit Hygieneberatungen. Das ist bisher möglich. Wir hoffen natürlich, dass das Infektionsgeschehen so bleibt, dass das auch weiterhin möglich ist. Da ist bisher nichts passiert, das ging bisher wunderbar, auch die Zuschauer haben wunderbar mitgemacht, also, das, muss man sagen, war bisher ein Erfolg."

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Mozarts Requiem unter freiem Himmel

Ein Erfolg, dem womöglich bald doch weitere Lockerungen für die Theater und Konzertsäle folgen könnten. Wäre auch höchste Zeit, meint Andrea Fessmann - und fordert nicht etwa pauschal für alle Säle höhere Obergrenzen, sondern Bestimmungen je nach Raumgröße, also flexible Zahlen. Was bisher geschah, reicht ihr jedenfalls nicht aus: "Das rettet uns noch nicht. Die Musik braucht in den Konzertsälen und in den Kirchen mehr Publikum. Wenn wir in einen Herkulessaal, wo im Prinzip 1400 Leute rein passen, nur 200 Personen haben dürfen, dann können wir das Konzert nicht finanzieren. Wir müssen wirklich sagen, wir brauchen mehr Publikum in den Konzertsälen. Und alles, was jetzt im Flugzeug, im Bus und den Wirtschaften möglich ist, das ist leider im Konzertsaal noch nicht möglich. Ich glaube, das Publikum wäre auch bereit, nebeneinander zu sitzen und Masken anzulassen."

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Gute Stimmung trotz trüber Aussichten

Genau das ist allerdings höchst strittig. Veranstalter aus ganz Deutschland berichten, dass selbst 200 Plätze in diesen Zeiten schwer zu verkaufen seien. Es gibt demnach doch massive Ängste, gerade beim älteren Publikum, das sich natürlich auch scheut, Tickets im Vorverkauf zu erwerben, denn keiner weiß ja, wie die Lage in zwei, drei Wochen sein wird. Insofern steht der Zweckoptimismus der Künstler gegen den Pessismus von Teilen des Publikums. Und zumindest in den kommenden, düsteren Monaten, dürfte sich daran wenig ändern, womit sich das enorm wichtige Weihnachtsgeschäft wohl weitgehend erledigt hat.

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