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Corona-Krise: Bayern hilft Künstlern mit monatlich 1.000 Euro | BR24

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Die Staatsregierung will Künstlern im Land finanziell mit monatlich 1.000 Euro helfen. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in seiner zweiten Regierungserklärung zur Corona-Pandemie. Sie seien eine Gruppe, "die durch jedes Raster" falle.

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Corona-Krise: Bayern hilft Künstlern mit monatlich 1.000 Euro

Die Staatsregierung will Künstlern im Land finanziell mit monatlich 1.000 Euro helfen. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in seiner zweiten Regierungserklärung zur Corona-Pandemie. Sie seien eine Gruppe, "die durch jedes Raster" falle.

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Bayern will in der Corona-Krise den Künstlern im Land unter die Arme greifen. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in seiner zweiten Regierungserklärung zur Corona-Pandemie im Landtag in München an.

Während kulturellen Einrichtungen mit den bisherigen Maßnahmen bereits schon geholfen werde, gebe es eine Gruppe, "die durch jedes Raster fällt". Die rund 30.000 Künstler, die auch in der Künstlersozialkasse organisiert seien, würden in den nächsten drei Monaten jeweils 1.000 Euro bekommen, sagte Söder. Bayern folgt damit dem Beispiel Baden Württembergs. Durch die Veranstaltungsabsagen hätten die Kunstschaffenden zudem das Problem, dass ihre gesamten Honorare ohne Ersatz ausfielen. Auch wäre dies einem Kulturstaat wie Bayern nicht angemessen, fügte Markus Söder hinzu.

"Ganz ehrlich. Ich finde, dass es nicht richtig ist, da nur Hartz-IV als Alternative anzubieten", Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident.

Bandproben per Videokonferenz

Einer dieser selbständigen Künstler ist der 39-Jährige Trompeter Matthias Schriefl. In seinen 20ern entdeckt vom renommierten Label ACT wegen seiner ganz eigenen Alpinjazzprojekte, probt er derzeit seine Arrangements per Videokonferenz mit den Kollegen in ganz Europa.

"Weil meine halbe Band in ganz Europa verteilt ist. Also der Schlagzeuger ist in Dänemark, der Tubist ist in Österreich und der Posaunist ist in Südtirol und die Geigerin in Irland. Und da nimmt jeder bei sich auf. Also, es hat alles Vor- und Nachteile." Matthias Schriefl, Trompeter aus Maria Rain im Allgäu

Corona-Soforthilfe für Selbstständige

Aber wo bleiben die Einnahmen, um die täglichen Lebensmittel und die Miete zu bezahlen? Schriefl hofft auf die Corona-Soforthilfe für Selbständige. Die hat Sonja Armisen, Tangoveranstalterin und seit 30 Jahren Inhaberin eines Tango Fusion-Clubs in München, noch gar nicht beantragt. Vor vier Wochen hatte Armisen in ihren Tangoworkshops wegen der beginnenden Corona-Krise von Partnerwechsel auf Paartanzen umgeschaltet. Nachdem Ministerpräsident Markus Söder die Ausgangssperre verhängt hatte, sagt sie, sei dann "ganz schnell Feierabend" gewesen.

Erst plötzlich Feierabend - dann Glück im Unglück

Armisen hatte Glück. Mit dem Vermieter ihres Tanzstudios konnte sie die Aprilmiete bis zum Ende des Monats aussetzen. Jetzt freut sie sich auf das Geld, das Ministerpräsident Markus Söder in Aussicht gestellt hat. Auch Armisens Kollege Josef Eder ist finanziell auf Reserve gestellt. Der 55-jährige ehemalige Regensburger Domspatz hat 2018 fürs Politikerderblecken am Nockerberg choreografiert. Außerdem vergangenes Jahr für den Ingolstädter Jugendkultursommer, Motto: "Laugh now, cry later". Eine Maxime, mit der er sich jetzt bei Laune hält. Bis zum Sommer, so Eder, seien die Projekte abgesagt. Die Zeit des Shutdown nützt er derweil, um seine Webseite zu optimieren. Die finanzielle Unterstützung der Staatsregierung sei "besser als nichts", aber ein "Tropfen auf den heißen Stein.

"Ja, da kann ma jetzt nur hoffen, weil natürlich haben wir jetzt net so ein Polster, wie jetzt irgendwelche Firmen als Soloselbständige. Des is scho klar." Josef Eder, Choreograf

Keine Workshops, keine Auftritte mit der Familienkapelle

Noch schwieriger sieht es für diejenigen unter Bayerns rund 30.000 Künstlern aus, die Familie haben. Wie Josef Eders Kollege Stefan Straubinger, mit dem er musikalische Umrahmungen für Oskar Maria-Graf-Lesungen organisiert. Den trifft es härter. Straubinger, Vater von drei Kindern, ist deutschlandweit ein Spezialist für Drehleier. Aber Workshops kann er zur Zeit nicht mehr abhalten und Auftritte mit seinem zweiten Instrument, dem Bandoneon, gibt es genauso wenig wie solche mit der Familienkapelle. Stattdessen hat er jetzt sein Hobby, ein geschickter Handwerker zu sein, vorübergehend zum Beruf gemacht.

"In der Coronakrisenzeit hab ich jetzt die Möglichkeit, für meinen jüngeren Sohn einen schalldichten Proberaum zu planen und zu bauen. Der ist in der Berufsfachschule Rock- Pop- Jazz – Schlagzeug. Und da kümmere ich mich jetzt drum." Stefan Straubinger, Musiker

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