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Bühnennebel: Experiment der Aerosolforschung

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    Aerosol-Forscher halten Ansteckungsgefahr im Freien für gering

    Hoffnung für die Kulturbranche: Führende Experten für Aerosole schreiben in einem Offenen Brief an die Politik, dass Infektionen fast ausschließlich in Innenräumen stattfinden. Die Veranstalter könnten in große Hallen oder in Open Airs ausweichen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Aus Sicht der Aerosol-Forscher setzt die Politik derzeit falsche Akzente in der Debatte über die Vermeidung von Infektionen. So würden Ausgangssperren "mehr versprechen als sie halten" könnten, heißt es in einem Offenen Brief von Lüftungs-Experten an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder: "Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen." Eine Maskenpflicht beim Joggen halten die Fachleute für eine "symbolische Maßnahme", die "keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen" habe. Die Bevölkerung habe den Eindruck, draußen sei es "gefährlich", was eine "irreführende Kommunikation" sei.

    "In großen Hallen geringe Ansteckungsgefahr"

    Stattdessen empfehlen die Unterzeichner des Offenen Briefs eine Konzentration der Schutzanstrengungen auf die Innenräume: "Infektionen finden in Innenräumen statt, deshalb sollten sich möglichst wenige Menschen außerhalb ihres Haushaltes dort treffen. Zusätzlich muss man beachten, dass in Innenräumen auch dann eine Ansteckung stattfindet, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat!"

    Der Aufenthalt drinnen sollte "so kurz wie möglich" sein, durch "häufiges Stoß- und Querlüften" sollten möglichst "Bedingungen wie im Freien" geschaffen werden: "In großen Hallen und Räumen ist die Ansteckungsgefahr viel geringer als in kleinen Versammlungsräumen. Wenn man also wieder Theater, Konzerte, und Gottesdienste stattfinden lassen will, sollte das in großen gut gelüfteten Hallen stattfinden oder wenn möglich ins Freie ausgewichen werden." Die Kombination dieser Maßnahmen führe "zum Erfolg".

    "Draußen quasi keine Infektion"

    Noch deutlicher hatte sich der Aerosol-Forscher Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in München vergangene Woche geäußert: "Aus meiner Sicht muss das Ziel sein, dass wir nicht versuchen, die Kontakte teuer zu verhindern, über einen Lockdown, sondern die Kontakte mit Technik sicher machen. Die Masken helfen sehr gut, die Schutzwände, raumlufttechnische Anlagen, Lüften und Luftreiniger, das sind alles technische Maßnahmen, mit denen man ein hohes Maß an Sicherheit herstellen kann und dann ein weitgehend normales Leben führen kann."

    Kähler plädierte dafür, vor allem in großen Hallen mehr Veranstaltungen möglich zu machen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt seien: "Man kann vor einer indirekten Infektion sehr sicher sein, wenn man ein großes Raumvolumen zur Verfügung hat. Deshalb gibt es draußen quasi keine Infektionen, weil das Volumen nahezu unendlich ist, aber auch im Kölner Dom und auf dem Messegelände wird es sehr, sehr schwer sein, sich indirekt zu infizieren. Dasselbe gilt in den Konzertsälen, die haben sehr, sehr leistungsfähige Anlagen, so dass man sich über die Lüftungsproblematik dort gar keine Gedanken machen muss. Allenfalls das direkte Infektionsrisiko gibt es zwischen benachbarten Personen." In diesem Fall seien FFP2-Masken sinnvoll, aber auch transparente Schutzwände, alternativ könnten nur Geimpfte und Getestete eingelassen werden.

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