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Ausstellung zeigt Münchens Comic-Szene | BR24

© Berrin Jost

Meerjungfrau von Berrin Jost

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    Ausstellung zeigt Münchens Comic-Szene

    Comics werden hierzulande immer noch eher stiefmütterlich behandelt. Eine Ausstellung gibt nun Einblicke in die Szene. Künstler Maximilian Rauscher im Interview über die Frage, ob Deutschland das Potenzial hat, eine Comic-Nation zu werden.

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    “Deutschland als Comic-Entwicklungsland” – so bezeichnete ein Redakteur des Panini-Verlags einmal die aktuelle Situation für Comics in Deutschland. Die Ausstellung "Comic Future. Future Comic" beschäftigt sich mit der Zukunft des Comics und zeigt Werke von zwölf Nachwuchskünstlern aus München und Umgebung. Hat Deutschland das Potenzial, eine Comic-Nation zu werden? Ein Gespräch mit Maximilian Rauscher, der auf der Ausstellung seine Werke präsentiert.

    Joanna Thurow: Warum der Titel "Comic Future. Future Comic"?

    Maximilian Rauscher: Wir haben für den Titel ganz bewusst diese beiden Schreibweisen gewählt. Wir wollten, dass es als "Comic-Future" und "Future of the Comic" gelesen werden kann. Jeder von uns hat Comics so interpretiert, wie er sie gern in 10 bis 15 Jahren sehen würde. Dabei hat jeder seinen eigenen Stil und seine eigenen Visionen, wie es sein könnte oder sein sollte.

    Zwölf Künstler zeigen Ihre Werke. Was haben sie gemeinsam?

    Die Vorgabe war, dass die Künstler jünger als 40 Jahre alt sind und aus München und Umgebung stammen. Wir alle sind Mitglieder beim Illustratoren-Stammtisch München und beim Verein zur Kunsterhaltung "Comicaze" und dort haben wir uns auch kennengelernt. Über diese sind wir dann vom Comicfestival München angefragt worden. Die Tätigkeiten bei den Vereinen sind unsere große Gemeinsamkeit.

    Einige Installationen mussten direkt in den Ausstellungsräumen gefertigt werden. Worum handelt es sich bei diesen Arbeiten?

    Eine der Installationen stammt von Alisa Sakkaravej. Es handelt sich um einen Raum der ihre erste Graphic Novel "anteasert". Den dreieckigen Raum umgeht man zunächst von außen, um anschließend im Inneren auf ihre Graphic Novel zu treffen. Die Installation handelt von der Suche nach der Liebe, von Einsamkeit, und wie diese einen manchmal wie ein Gefängnis umgeben kann. Am Ende gibt es dann noch einen interaktiven Teil, bei dem Besucher ihre Gedanken zu Liebe und Einsamkeit an die Wand im Raum pinnen können. Das Kunstwerk soll dann während der Ausstellung "wachsen".

    Mein Werk ist eine Installation in einem Kanalschacht, auf dem Acrylglasplatten befestigt sind. Es lässt sich von links nach rechts über sieben Meter lesen. Die Arbeit zeigt die graphische Umsetzung eines von mir verfassten Gedichts, das sich mit dem Thema Angstspirale und Depression auseinandersetzt. Für mich war es sehr passend, die Arbeit auf einem Kanalschacht zu zeigen, da die Depression auch eine Art Loch ist, in dem man sich befindet. Aber mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, weil beim Betrachten auch sehr viel im Kopf stattfindet – das hoffe ich zumindest.

    © Maximilian Rauscher

    Die Ausstellung zeigt Werke von Künstlern aus München und Umgebung.

    Eine weitere Arbeit zeigt einen nachgestellten Handybildschirm, auf dem ein Instagram-Profil zu sehen ist. Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Idee?

    Anna Fuchs hatte wohl eines Tages den Moment, in dem sie sich gedacht hat: "Okay, ich baue jetzt ein 1,40 Meter großes Smartphone nach (lacht)." Sie hat den Inhalt des "Bildschirms", also das Instagram-Profil an sich, auf eine PVC-Plane gedruckt. Anschließend hat sie diese zwischen zwei Rollen befestigt, eine Kette darum herum angelegt. Dadurch können die Betrachter nun den Inhalt des Profils wie bei einem Smartphone scrollen.

    Das Profil existiert auch tatsächlich auf Instagram. Befüllt ist es mit einem Comic, welcher von drei kleinen Schweinchen handelt, die etwas mit ihrem Freundeskreis zu tun haben. Es ist eine tolle Idee und es hat sehr viel Spaß gemacht zuzusehen, wie die Installation entstanden und gewachsen ist.

    Ein Ausblick in Richtung "Future". Was ändert sich gerade an der Comickultur in Deutschland? "Deutschland als Comic-Entwicklungsland" - stimmt das?

    Andere europäische Länder setzen sich mit dem Thema "Comics" sehr viel ernsthafter auseinander. Meiner Meinung nach ist die deutsche Kultur dafür verantwortlich, dass Comics immer noch ein wenig "stiefmütterlich" behandelt werden. Die Leute assoziieren mit Comics Mickey Mouse oder Batman und diese werden eher belächelt und als Jugendliteratur abgestempelt.

    Ich persönlich finde, dass Deutschland sich nicht als "Comic-Entwicklungsland" verkaufen müsste. Es gibt wunderbare Comickünstler in Deutschland und vor allem auch in München, sonst würde es das Comicfestival nicht geben. Es gibt genügend Comic-Interessierte, in der Fraunhoferstraße gibt es für sie einen tollen Comicladen, die Comic-Kultur wird also vorangetrieben.

    Vielleicht ist es aber auch eine Frage der Generation, denn die 18- bis 39-Jährigen stehen dieser Kunstform sehr viel aufgeschlossener gegenüber. Für mich sind Comics mehr ein Illustrationswerk, also nicht nur das klassische Format, Panel für Panel. Vielmehr kann der Künstler ganz tolle Gesamtkunstwerke gestalten. Man kann großflächige Bilder machen, in die man die Sprechblasen einbaut. Oder man lässt die Bilder ineinander verschwimmen. Der Betrachter kann es trotzdem lesen.

    Insgesamt glaube ich an eine positive Entwicklung der Comickultur. In fünf Jahren ist Deutschland kein "Comic-Entwicklungsland" mehr. Und je mehr Europa zusammenwächst, desto mehr wird aus der nationalen Comickultur eine europäische Comickultur – das wäre zumindest mein Wunsch.

    Die Vernissage findet am 11. Juni von 19 bis 23 Uhr in den Kunstarkaden in München statt. Die Ausstellung "Comic Future. Future Comic" beginnt am 12. Juni und endet am 27. Juli und ist jede Woche von Dienstag bis Samstag von 13 bis 19 Uhr geöffnet.

    © Maximilian Rauscher

    Zwölf verschiedene Künstler stellen in München aus.

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