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Dieser Comic zeigt, wie David Bowie zu Ziggy Stardust wurde | BR24

© Illustration: Michael Allred, Cross Cult / Audio: B5

Meister der Selbstinzenierung: David Bowie als Ziggy Stardust

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Dieser Comic zeigt, wie David Bowie zu Ziggy Stardust wurde

David Bowies Tod im Januar 2016 kam überraschend. Auch, weil nur zwei Tage zuvor sein letztes Album "Blackstar" erschienen war. Ein denkwürdiger Abgang von einem Meister der Selbstinszenierung. Wie er dieses Talent entwickelt hat, zeigt dieser Comic.

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Ziggy Stardust ist tot, es lebe Ziggy Stardust. Das androgyne Glamrock-Alien in Menschengestalt, eines der vielen Alter Egos von David Bowie, es verließ die Erde so schnell, wie es sie betreten hatte. Der knallrote Vokuhila, die abrasierten Augenbrauen, das extravagant-extraterrestrische Auftreten – Bowie wusste schon immer, dass Ziggy Stardust selbst für die in vielerlei Hinsicht aufgeschlossenen Hippies der frühen 70er-Jahre ein Stück weit zu viel war.

Immerhin: Bowie sorgte dafür, dass wirklich jeder mitbekam, dass Ziggy sich in Sternenstaub aufgelöst hatte. Er begrub seine Kunstfigur öffentlich und ohne Vorwarnung während eines legendären Konzerts im Juli 1973 im Londoner Hammersmith Odeon. Seine Band, die Spiders From Mars, feuerte er gleich mit. Ein popkultureller Urknall, der wie geschaffen ist als Rahmenhandlung für einen Comic über Bowies Ziggy-Phase und seine Wandlung zum Meister der Selbstinszenierung.

Songtexte erhalten ein farbenprächtig LSD-berauschtes Gesicht

Auf knapp 160 Seiten spannt Autor Steve Horton in dem schlicht "Bowie" betitelten Werk einen unglaublich detailreichen Bogen. Er beginnt mit dem Abschiedskonzert und springt bereits auf der dritten Seite ein Jahrzehnt zurück ins Jahr 1962, als Bowie noch David Jones hieß und kaum bekannt war. Von hier ab wird der Aufstieg David Bowies im Allgemeinen und der von Ziggy Stardust im Speziellen erzählt. Fakten und Phantasie werden dabei fleißig miteinander verbunden.

Eine Interpretationsweise, auf die Autor Steve Horton ziemlich stolz ist, erzählt er im Interview mit der Comicplattform "Graphic Policy": "Mir gefällt, dass nicht bloß stumpfsinnig aufgelistet wird, was alles passiert ist. Bowies Songs sind sehr bildgewaltig und das illustrieren wir, denn wir können ja schlecht die Texte abdrucken. Stattdessen zeigen wir: So würde der Song aussehen, wenn er ein Gegenstand wäre."

© Michael Allred / Cross Cult

Imagewandel als illustrierter LSD-Trip: Then Bowie created Ziggy...

Ein Ziggy-Denkmal in Form eines bildgewaltigen Geschichtsbuchs

Dass Songs wie "Life on Mars" oder "Changes" in der Graphic Novel ein farbenprächtig LSD-berauschtes Gesicht bekommen, ist dem Zeichner, Popart-Künstler und erklärten Bowie-Fan Michael Allred, zu verdanken. Schon als kleiner Junge habe er angefangen, Bowie zu zeichnen, schreibt Allred im Nachwort.

Vier Jahrzehnte lang hat er sein Idol illustriert und wie ein Besessener Material zusammengetragen. Noch zu Lebzeiten Bowies habe er versucht, dessen Management von seiner Comicidee zu überzeugen – ergebnislos. Dabei habe die Popikone schon immer alle Grundvoraussetzungen für ein solches Vorhaben erfüllt, findet auch Autor Steve Horton: "Es gibt viele Überschneidungen, weil Bowies Auftritte und seine Songs so visuell sind und weil er so collagenartig und unangepasst war, eben nicht der typische Rockstar. Ich denke, das hat viele angesprochen, die sich auch für Comics interessieren."

Begegnungen mit Iggy und Twiggy, mit Elvis und Warhol

Knapp drei Jahre haben Horton und Allred an ihrem Ziggy-Denkmal gemeißelt. Entstanden ist eine Art bildgewaltiges Geschichtsbuch, das eine der prägendsten Phasen des sogenannten Pop-Chamäleons nacherzählt. Fast schon ein wenig zu penibel werden alle wichtigen Stationen, Fehden, große und kleine Begegnungen mit Stars wie Iggy Pop, Marc Bolan, Elvis, Elton John, Twiggy, Andy Warhol und Gott weiß wem zwischen die beiden Buchdeckel gepackt.

© Michael Allred / Cross Cult

Kosmisches Duett: David Bowie und Gitarrist Mick Ronson

Und auch wenn Bowie eindeutig das Zentrum dieses liebevoll editierten Schlaglichtkatalogs bildet – die Macher haben viel Wert darauf gelegt, dass die Bedeutung einzelner Wegbegleiter wie zum Beispiel Gitarrist Mick Ronson auch Lesern klar wird, die seinen Namen noch nie gehört haben. "Er ist immer noch unterbewertet, denn viele Leute wissen nicht, wer er ist oder welchen Einfluss er auf Bowie und Musik im Allgemeinen hatte. Er zählt definitiv zu den großen, aber kaum gefeierten Gitarristen", betont Horton.

Dass Bowie am Ende seiner Ziggy-Phase auch Ronson mit den anderen Spiders From Mars in die unendlichen Weiten des Popuniversums geschossen hat – Details. Denn, wer würde es wagen, ein Genie wie Bowie zu kritisieren? Diese Graphic Novel ganz bestimmt nicht.

© Cross Cult Verlag

Cover zu "Bowie – Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume"

"Bowie – Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume" von Michael Allred und Steve Horton ist in der Übersetzung von Michael Schuster im Cross Cult Verlag erschienen.

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