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Cindy Sherman bei der Preisverleihung in Frankfurt
© Renato Ribeiro Alves

Autoren

Rudolf Schmitz
© Renato Ribeiro Alves

Cindy Sherman bei der Preisverleihung in Frankfurt

Die Verleihung des Max-Beckmann-Preises am 12. Februar feiert jeweils den Geburtstag des großen Malers. In diesem Jahr wartete alles auf Cindy Sherman, die 1954 geborene Künstlerin, die sich weibliche Rollen und Identitäten in ihren Selbstporträts auf den Leib schreibt, eine der einflussreichsten Fotografinnen unserer Zeit.

Cello statt Punk für eine Punkerin der Fotografie

Der Abend hatte nicht die Lockerheit der Grammy-Preisverleihung von Los Angeles – ein Cellist vom Frankfurter Ensemble Modern sorgte für gehobene, avantgardistische Stimmung. Vorher allerdings war die top gestylte Cindy Sherman von den Fotografen überfallen worden. Sie quittierte den Pressehype im historischen Kaisersaal des Frankfurter Römers mit Grazie und Charme. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig allerdings schien dann doch an Los Angeles erinnern zu wollen. Sie betonte die Frauenpower, die bei den letzten Max-Beckmann-Preisverleihungen und auch jetzt wieder geehrt würde: "Nach Maria Lassnig, Barbara Klemm und Agnès Varda würdigt die Stadt Frankfurt mit der Fotografin und Filmemacherin Cindy Sherman nun die vierte Preisträgerin als eine große Künstlerpersönlichkeit unserer Gegenwart. Es ist eine Ehre, Sie hier zu haben, liebe Cindy Sherman!"

Um die schrille Selbstdarstellerin im Medium der Fotografie gebührend willkommen zu heißen, hätte man sich auch durchaus eine Punk-Band vorstellen können. Oder Lady Gaga. Das wäre im Kaisersaal, in dem sämtliche in Frankfurt gekrönten Häupter in entsprechenden Vignetten prangen, sogar richtig gut gekommen. Und hätte auch gut zu manchen Passagen der Laudatio von Kolja Reichert, dem Kunstkritiker der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, gepasst: "So wie Max Beckmann in seinem Welttheater Figuren durcheinander jagte, so ist auch Cindy Shermans Selbsttheater ein einziges gigantisches Flickwerk. Doch wer in diesen Zerrspiegel geblickt hat, in dem die vertrauten Zeichen schwimmen, ohne Sinn zu formen, wer aus diesem Nebel aus Assoziationen watet, der sieht plötzlich auch das Flickwerk der realen Welt."

Cindy Sherman trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt ein - beobachtet von Kulturdezernentin Ina Hartwig

Cindy Sherman trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt ein - beobachtet von Kulturdezernentin Ina Hartwig

Eine sehr bündige Dankesrede

So, endlich mal erklärt, was Cindy Shermans maskierte Selbstdarstellungen mit Max Beckmann zu tun haben. Der hohe Ton, der damit angeschlagen war, bekam weitere Unterfütterung: "Sie hat uns das Gegengift geschenkt gegen alles Falsche, alle irreführenden Illusionen, gegen die Manipulationen durch Bilder, gegen die Objektivierung des weiblichen Körpers, gegen die Einschüchterung durch Luxus, Reichtum und Glamour." Dann durfte sich Cindy Sherman ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt eintragen. Sie entledigte sich dieser unamerikanischen Aufgabe abermals mit Grazie und machte sogar eine kleine Clownsnummer daraus.

Und dann durften wir sie endlich selber hören, konnten von den weitreichenden Verbindungen zu Max Beckmann erfahren, von der Rolle der Künstlerin in der heutigen Welt: "Vielen Dank. Ich bin sehr geschmeichelt von allem, was über mich gesagt wurde. Es ist eine große Ehre, hier zu sein und diesen Preis zu Ehren von Max Beckmann zu erhalten, jemand, der einen großen Einfluss auf mich hatte. Ich bin glücklich, in Frankfurt zu sein, danke für Ihr Erscheinen und: herzlichen Glückwunsch, Max Beckmann." Das Frankfurter Publikum tobte vor Begeisterung: Eine so bündige Dankesrede hatte es noch nie gehört. Doch was sollte Cindy Sherman auch lange Worte machen: In ihren Bildern hat sie das Theater dieser Welt schließlich ausgiebig genug vor Augen geführt.

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Rudolf Schmitz

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kulturWelt vom 13.02.2019 - 08:30 Uhr