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Christian Stückl wird für Einsatz gegen Antisemitismus geehrt | BR24

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Christian Stückl wird mit dem Abraham-Geiger-Preis ausgezeichnet

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    Christian Stückl wird für Einsatz gegen Antisemitismus geehrt

    Christian Stückl wird mit dem Abraham-Geiger-Preis ausgezeichnet. Stückl habe die Oberammergauer Passionsspiele erneuert: weg vom christlichen Judenhass hin zu einer ausgewogenen Darstellung innerjüdischer Konflikte, so die Begründung der Jury.

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    Christian Stückl ist seit 1990 Spielleiter der alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele in Oberammergau. Und er hat sich von Anfang an daran gemacht, die Passion auch für den interreligiösen Dialog zu nutzen. Und vom christlichen Antijudaismus der Tradition zu befreien. Dafür wird er nun mit dem Abraham-Geiger-Preis ausgezeichnet.

    Weg vom christlichen Judenhass

    "Wir denken, dass Sie einer wichtigen Botschaft Gewicht verliehen haben: Dass wir in unserem Land gegen Rassismus und Antisemitismus eintreten müssen, um eine pluralistische Gesellschaft zu sichern", begründete die Jury ihre Entscheidung. Stückl habe das international bekannte Passionsspiel erneuert: Weg vom christlichen Judenhass hin zu einer ausgewogenen Darstellung innerjüdischer Konflikte.

    In der Nazizeit wollte Adolf Hitler das Passionsspiel vereinnahmen, er stufte es als "reichswichtig" ein. Nach dem Krieg wurde die Kritik am Text umso lauter. Jüdische Künstler wie Billy Wilder oder Leonard Bernstein prangerten die antisemitischen Töne an. Der Münchner Kardinal Julius Döpfner drängte auf Reformen: Es könne nicht "um eine Schuld oder gar Kollektivschuld der Juden" am gewaltsamen Tode Jesu gehen. Doch die Oberammergauer blieben stur. Folgerichtig entzog ihnen Döpfner 1970 die kirchliche Anerkennung für das Spiel.

    Als Christian Stückl, für den die Passionsgeschichte auch eine politische Botschaft hat, 1990 jüngster Spielleiter der Geschichte wurde, nahm er den alten Konflikt in Angriff. Er reiste zu den großen jüdischen Organisationen in die USA, deren Vertreter kamen dann nach Bayern. Inkriminierte Textpassagen wurden entfernt, vor Beginn der Probezeit fährt Stückl mit seinen Darstellern nach Israel, um den Spuren Jesu zu folgen. Das Ensemble selbst hat Stückl ebenfalls geöffnet: 2020 ist Abdullah Kenan Karaca stellvertretender Spielleiter an Stückls Seite – ein in Oberammergau aufgewachsener Muslim.

    Erinnerung an liberalen Rabbiner

    Der Abraham-Geiger-Preis wird alle zwei Jahre vom Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam verliehen. Benannt ist das Kolleg nach dem liberalen Rabbiner Abraham Geiger (1810-1874), der schon 1836 eine jüdisch-theologische Fakultät an einer deutschen Universität gefordert hatte. Preisträger*innen früherer Jahre sind Hans Küng, Angela Merkel und Amos Oz.

    Der Abraham-Geiger-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 13. Mai in Oberammergau verliehen. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, wird die Laudatio halten.

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    Mit Material von KNA.