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© Audio BR / Bild: Konfuzius-Institut München
Bildrechte: Konfuzius-Institut München

Was bringt uns die Zusammenarbeit mit Konfuzius-Instituten? Chinas Pendants zu den deutschen Goethe-Instituten gelten als absolut "staatstragend", kritische Themen aus dem Reich der Mitte spielen dort keine Rolle. Also keine Kontakte mehr?

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Chinas Konfuzius-Institute: Außenposten von Pekings Propaganda?

Deutschland hat seine Goethe-Institute, China Konfuzius-Institute. Für Staatschefs Xi Jinping sind sie Teil der "Diplomatie chinesischer Prägung". Unbequeme Themen werden dort nicht behandelt. Auch Politiker fordern, die Zusammenarbeit zu beenden.

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Von
  • Ruth Kirchner

Es geht um Tee-Zeremonien, Scherenschnitte, chinesisches Essen. Seit 2004 baut die Volksrepublik Konfuzius-Institute in der ganzen Welt auf. Allein 19 gibt es in Deutschland. Doch was zunächst als Sprach- und Kulturvermittlung gedacht war, hat nach dem Willen von Staats- und Parteichef Xi Jinping längst eine politische Ausrichtung, wie er im Staatsfernsehen verkünden ließ: "Die Institute dienen dem Aufbau einer sozialistischen Kultur und der Diplomatie chinesischer Prägung", verlas ein Sprecher 2018 die offizielle Verlautbarung. Sie seien ein wichtiges Instrument der Kommunikation.

Kritische Themen: Fehlanzeige

Die Institute stehen daher zunehmend in der Kritik – als verlängerter Arm der chinesischen Propaganda. Dass in Deutschland zudem viele Konfuzius-Institute direkt an Universitäten angesiedelt sind, ist Jens Brandenburg ein Dorn im Auge. Der hochschulpolitische Sprecher der FDP im Bundestag stößt sich an dem China-Bild, das die Institute vermitteln: "Wenn kritische Themen wie die massiven Menschenrechtsverletzungen durch das chinesische Regime, auch die Tibet-Frage, Taiwan, die Uiguren-Verfolgung und vieles mehr, systematisch ausgeblendet werden, dann zeichnet das doch ein sehr einseitiges Bild des Volkes, des Landes, auch der Kultur. Und das ist eine Einflussnahme, eine gewisse Zensur, die man im deutschen Hochschulraum nicht akzeptieren sollte", so Brandenburg.

Rein formal sind die Institute neuerdings einer chinesischen Stiftung unterstellt – doch das Geld kommt von der Regierung in Peking. Die Sprach-Lehrkräfte sind aus China. Für die Partner-Universitäten lohnt sich das – sie sparen eigene Lehrkräfte. Auch gibt es personell Überschneidungen. Thomas Heberer etwa, Co-Direktor des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr, lehrt zugleich an der Universität Duisburg-Essen. Heberer betont, die Institute seien unabhängig: "Von daher gibt es keine Vorgaben von der chinesischen Seite, was wir hier zu machen hätten. Was sollten wir denn machen, wenn die jetzt sagen, die Propagierung von sozialistischer Kultur, was soll das denn sein? Das ist eine Floskel nach innen, die aber keine Auswirkung hat auf die Arbeit von unseren Instituten."

Ohne Geld aus China auskommen

Doch das Risiko der Einflussnahme ist einigen Universitäten mittlerweile zu groß. Zumal auch die Bundesregierung warnt, die Institute seien Instrumente in Chinas Soft-Power-Strategie. So haben die Universitäten in Hamburg und Düsseldorf ihre Zusammenarbeit mit den Konfuzius-Instituten bereits aufgekündigt. FDP-Politiker Jens Brandenburg fordert alle Universitäten auf, die Kooperationen zu beenden: "Ich glaube, man sollte seitens der deutschen Hochschulen und der Wissenschaften nicht kapitulieren vor den finanziellen Anreizen, die die KP ja sehr bewusst setzt. Der politische Auftrag in Deutschland ist ja vor allem, die finanziellen Mittel bereitzustellen, dass die Hochschulen ausreichend ausgestattet sind, dass sie auch eigene Sprachkurse anbieten können, ohne auf die chinesischen Gelder angewiesen zu sein."

Auch andere Länder haben reagiert. Das Institut in Brüssel wurde geschlossen – nach Spionagevorwürfen. In Schweden, der Schweiz, Dänemark, den Niederlanden haben Universitäten ihre Zusammenarbeit mit den Konfuzius-Instituten eingestellt. Die Diskussion in Deutschland hat nach den chinesischen Sanktionen gegen europäische Wissenschaftler Ende März neuen Auftrieb erhalten. Weltweit haben Wissenschaftler daraufhin vor Angriffen auf die Freiheit von Lehre und Forschung gewarnt. Die Wissenschaftler an den Konfuzius-Instituten hielten sich – bis auf wenige Ausnahmen – zurück. Auch Thomas Heberer in Duisburg sagt, Solidaritätsaktionen wie Unterschriftensammlungen lehne er entschieden ab.

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