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Vorname Kevin auf einer Sprechblase

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    Chantalismus - wie schwierige Vornamen das Leben prägen

    Kevin Gerome Frodo - solche Namenskombinationen nennt man in der Soziologie auch Chantalismus, also die Idee, dass Kinder mit einem ausgefallenen Namen hervorstechen. Allerdings haben es Kevins oder Mandys später oft schwer.

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    Von
    • Viktoria Hausmann

    "Der kleine Kevin Gerome Frodo möchte aus dem Bällebad abgeholt werden." Solche Namenskombinationen nennt man in der Soziologie auch Chantalismus. Dahinter steckt die Idee meist sehr junger Eltern, dass das Kind mit einem besonders ausgefallenen Namen aus der Masse hervorsticht – leider meistens negativ. Denn Kinder die Chantal, Kevin, Mandy, Marvin oder ähnlich heißen, haben es laut Studien im späteren Leben schwerer bei Bewerbungen und werden öfter in der Schule gehänselt.

    Aber wie muss es wohl sein, wenn einen die eigene Mutter "Schmerz" nennt? Dieses Schicksal widerfährt in der ersten Chronik das Alten Testaments dem kleinen Jabez. Jabez ist das hebräische Wort für Schmerz oder "Er macht Schmerzen". Er war nur ein Sohn von vielen und seine Mutter nannte ihn so, weil sie bei seiner Geburt leiden musste. Nomen est Omen?

    Hope geht als Vorname, Gastritis nicht

    Namen sind ein wichtiger Teil unserer Identität. Manche können ein Segen sein, manche ein Fluch. Wenn ein Name nicht zu uns passt, kann das schwere psychische Folgen wie ein schwaches Selbstwertgefühl und Depressionen haben. In Deutschland ist die Namenswahl grundsätzlich frei. Ein Name darf nur nicht das Kindeswohl gefährden, also nicht verspottend oder beleidigend klingen. Deswegen sind Namen wie "Nelkenheini", "Verleihnix" und "Bierstüberl" verboten. Auch die Namen "Störenfried" und "Gastritis" wurden von deutschen Ämtern abgelehnt.

    Ebenfalls schwierig sind Namen, die negative Assoziationen wecken wie zum Beispiel Adolph, Lucifer oder Judas. Beharren Eltern auf einem Namen, den das Standesamt ablehnt, gehen solche Fälle vor Gericht. Durch die zunehmende Internationalisierung sind Richter heute aber bei eher seltenen Namen wie "Hope" oder "Latoya" kulant.

    Toscana, Wolke, Goodluck ließ das Geburtenbüro München zu

    Im Geburtenbüro München werden rund 22.500 Babys pro Jahr beurkundet. Allein 2020 wurden hier folgende Namen zugelassen: Isar, Toscana, Paris, Pünktchen, Wolke, Granit, Excellent und Goodluck. Allerdings konnten die Beamten die Eltern in allen Fällen zu einem normalen Zweitnamen überreden.

    Dass man auch mit dem nicht immer beim Nachwuchs punktet, zeigt die Statistik. Laut der Gesellschaft für Deutsche Sprache sind ein Viertel der Deutschen mit ihrem Namen unzufrieden.

    Adolph lässt sich leichter ändern als Karl-Heinz

    Will man seinen Namen ändern, landen diese Anträge bei der Namensänderungsbehörde im Standesamt. Die Kriterien sind aber eng. Nur wenige Änderungsanträge kommen durch.

    Laut Gesetz kann ein Name nämlich nur dann geändert werden, wenn ein wichtiger Grund das rechtfertigt. Also ein akutes, seelisches Leiden, das eindeutig auf den Namen zurückgeht. Wird jemand zum Beispiel verspottet, weil er "Adolph" heißt, ist die Änderung einfacher als bei einem "Karl-Heinz".

    Stephan Raab - "Das ist ein Scherz"

    Auch Stephan leidet unter seinem Namen. Eigentlich nicht wirklich unter dem Vornamen sondern unter der Kombination mit seinem Nachnamen. Er heißt nämlich Stephan Raab, wie der Entertainer. Als er vom Impfzentrum angerufen worden sei, habe der Mann gesagt: "Das ist doch ein Scherz. Dafür haben wir keine Zeit." Stephan Raab entgegnete: "Nein, das ist kein Scherz, wenn Sie mal in ihre Datenbank schauen, sehen Sie, dass ich ein ernstes Anliegen habe."

    Als Stephan Raab geboren wurde, war sein Namensvetter zwar schon im Fernsehen aber noch nicht berühmt. Seine Eltern fanden den Namen einfach passend. In der Schule gingen dann die Hänseleien los: Häufig wurde er scherzhaft gefragt, ob er Autogramme schreibe und wo sein Sidekick "Elton" sei. Aber: "Es hat auch negative Seiten wie 'Schlag den Raab', wo sie immer auf mich losgegangen sind. Aber mit der Zeit wird man selbst schlagfertig und überlegt sich Strategien, wie man auch in teilweise absurden Situationen noch besonnen reagieren kann."

    Namensänderung bei Verwechslungsgefahr

    Wenn man Gefahr läuft, mit einer anderen Person verwechselt zu werden, kann man eine Namensänderung beantragen. Stephan Raab hat sich dagegen entschieden: "Der Name gehört auch zur Identität dazu. Ich denke, es hat auch in einem positiven Sinne bewirkt, dass ich Dinge mit Humor nehmen kann und dass ich in bestimmten Situation auch gelernt habe, diplomatisch zu agieren und die Situation entsprechend aufzulockern."

    Einen Vorteil hat ein schwieriger Name also. Er bleibt im Gedächtnis und verleiht Resilienz. Und bei Jabez? War sein Leben so schwer wie sein Name es andeutete? Nein, denn Jabez bat Gott um seinen Segen und wurde so viel reicher und erfolgreicher als alle seine Brüder.

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