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Champagner für die Damen: Berlin-Ikone Rolf Eden wird 90 | BR24

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In Berlin ist er ein Weltstar: Der Altplayboy, Club-Unternehmer, Filmschauspieler und Immobilienkaufmann denkt auch im hohen Alter nicht ans Aufhören und rollt weiter in der Luxus-Karosse durch seine Heimatstadt. Sein Motto: "Immer nur Glück gehabt."

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Champagner für die Damen: Berlin-Ikone Rolf Eden wird 90

In Berlin ist er ein Weltstar: Der Altplayboy, Club-Unternehmer, Filmschauspieler und Immobilienkaufmann denkt auch im hohen Alter nicht ans Aufhören und rollt weiter in der Luxus-Karosse durch seine Heimatstadt. Sein Motto: "Immer nur Glück gehabt."

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Natürlich ist er eine Antiquität, allein seine Berufsbezeichnung „Playboy“ klingt ja ungefähr so altmodisch wie Perückenmacher. Und wer kurvt schon noch mit einem Rolls Royce durch die Gegend? Könnte Rolf Eden noch mal von vorn anfangen, er wäre wahrscheinlich Hipster und auf E-Scootern unterwegs, allerdings im weißen Anzug: "Mein Name ist Rolf Eden wie E, D, E und N. Ich bin in Berlin geboren und bin eigentlich mit Leib und Seele Berliner, sozusagen Berufsberliner. Ich bin ein richtiger Lebemann und mache eigentlich nur das, was mir gefällt. Ich bin in der Lage, alles das zu machen, wozu ich Lust habe."

Jede Mark selbst verdient

Lust hatte Rolf Eden, der als Rolf Sigmund Sostheim geboren wurde, vor allem auf Frauen - und auf einen Künstlernamen, denn berühmt werden, das wollte er schon mit 14. Deshalb türmte er auch schon recht früh von zu Hause. Seine Eltern hatten sich vor den Nazis 1933 in das damalige Palästina gerettet, wo Eden schon früh als Musiker unterwegs war – und als Elitesoldat: "Mein Vater hatte eine Kistenfabrik, so große Kisten für Maschinen, für Siemens und sowas. Alles, was man heute Container nennt, das hat man ja damals noch aus Holz gemacht. Mama war normale Hausfrau. Ich habe also jede Mark selbst verdient. Also es ist nicht so, dass ich auch nur eine Mark von meinen Eltern gekriegt habe."

© Jörg Carstensen/dpa

Mit Kader Loth auf einem Filmball

Klar, mit einem einst international gefeierten Playboy wie dem Industriellen-Erbe Gunter Sachs hat Rolf Eden wenig gemeinsam. Er hat sich selbst hochgearbeitet, war zunächst in Paris als Kellner, Chauffeur und Statist unterwegs, und zog erst zurück in seine Geburtsstadt Berlin, als es dort 6000 Mark Begrüßungsgeld gab: "Dadurch, dass ich Musiker von Beruf bin, habe ich ja auch sehr, sehr viel gearbeitet, überall, als Alleinunterhalter, Pianist, aber auch Schlagzeuger und ich habe gesungen und habe die Ansagen gemacht. Was man so Allround-Entertainer nennt – Allein-Unterhalter, auf Deutsch."

© Picture Alliance/Pop-Eye

Immer obenauf

"Das kann man nicht lernen"

Die fünfziger und sechziger Jahre in der Frontstadt Berlin, die waren seine große Zeit. In diesem abgeschotteten, übersichtlichen Party-Biotop konnte Rolf Eden gedeihen. Er machte ein paar erfolgreiche Clubs auf, ein Theater und ein Kabarett – und drehte eine ganze Reihe Filme, in denen er sich ständig selbst spielte, mal als Kämpfer, mal als etwas angestrengter Lebemann zu sehen war: "Das ist man oder ist man nicht, das kann man auch nicht lernen. Das ist man, so wie man Maler, ein guter Maler oder Musiker ist, das kann man auch nicht lernen. Man kann eine Ausbildung machen, aber es gibt auch keine Ausbildung für gute Manieren, Sprachen, sich bewegen können, dass Sie, wenn's geht, ein bisschen Musik machen können, irgendwelche Instrumente spielen, Klavier oder sowas. Da fangen die Frauen zu schmelzen an, und wenn Sie dann auch noch singen können!"

© Sebastian Gabsch/Picture Alliance

Fashion Show in Berlin

Seit Ende der siebziger Jahre verdiente Rolf Eden sein Geld in erster Linie als Immobilienkaufmann, und als die Wende kam und internationale Großinvestoren ganz verrückt waren nach Berliner Grundstücken, da hatte er ausgesorgt. "Die haben immense Preise geboten, da konnte man einfach nicht Nein sagen. Ich hätte mindestens 22 Jahre Bier verkaufen müssen, um das zu verdienen, was ich da verdient habe."

Playboy auch noch mit neunzig

"Immer nur Glück gehabt", heißen seine Lebenserinnerungen von 2011, Rolf Eden hat also nichts zu bereuen, auch wenn er selbst am besten weiß, dass er als "Playboy" längst aus der Zeit gefallen ist. In Berlin ist er ein Weltstar, aber nur zwischen Kudamm und Dahlem: "Der Playboy ist ja nicht mehr, wie man so sagt, 'in' und politisch nicht mehr konform. Es gibt auch nicht so eine Sache wie einen Altplayboy. Es gibt einen Altbundeskanzler, aber Playboy kann auch mit neunzig noch sein. Ich habe viele Freunde mit 85, 88, die wirklich noch Playboys sind. Sie sehen gut aus, können auch tanzen, gehen aus und machen und tun und haben ihre kleinen Mädchen irgendwo."

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