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Wie Katie Melua auf ihrem neuen Album an Bob Dylan anknüpft | BR24

© Alexandra Wey Keystone/ picture alliance Audio: BR

Der Masse zu gefallen ist für die 36-jährige Katie Melua nicht mehr so wichtig. Auf "Album No. 8“ schlägt sie neue Wege ein, auch künstlerisch.

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Wie Katie Melua auf ihrem neuen Album an Bob Dylan anknüpft

Ein Weltstar der 2000er Jahre meldet sich zurück: Nach Trennung von Plattenfirma, Ehemann und einer Phase der Selbstfindung erzählt Katie Melua auf "Album No. 8" von ihrer Selbsttherapie. Ein Versuch im Storytelling, der ohne Ohrwürmer auskommt.

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Wenn man so lange im Geschäft sei, wie sie, so viel erreicht habe, brauche man eine Motivation zum Weitermachen, meint Katie Melua. Hast du noch etwas zu sagen? Lohnt es sich wirklich, da so viel Arbeit zu investieren? Mit solchen Gedanken habe sie sich lange herumgeschlagen: "Ich hatte das Gefühl, dass ich keine neue Musik auf den Markt bringen kann, wenn keine innere Notwendigkeit dafür besteht."

Chronik einer gescheiterten Ehe

Katie Melua wirkt zierlich, mädchenhaft und bemüht. Doch hinter dieser Fassade steckt eine komplexe Persönlichkeit. Eine Perfektionistin, die Kurse im Schreiben von Kurzgeschichten belegt, Nächte in der Bibliothek verbringt und ihre Texte regelrecht durchschleift. Denn: Für sie ist "Album No. 8" nicht nur ein weiterer Tonträger ihrer Karriere, sondern vor allem Selbsttherapie: Die meisten der zehn Stücke drehen sich um ihre gescheiterte Ehe mit Rennfahrer James Toseland.

Eine Trennung, an der Meluas Perfektionismus nicht ganz unschuldig war – und die sich auch in ihrem Songwriting niederschlägt: "Ich denke, gerade meine bekannteren Stücke handeln von dieser märchenhaften, unschuldigen Art von Liebe. Doch mit zunehmendem Alter habe auch ich das Scheitern von Beziehungen erlebt – und gelernt, damit umzugehen, keine Seifenopern daraus zu machen, sondern sie gezielt aufzuarbeiten." Nur so sei sie in der Lage, mit etwas klarzukommen, das nicht ganz nach Plan verlaufen sei. "Und so lange ich das stilvoll mache, ist alles okay!“

Doch "Album No. 8" gewährt nicht nur tiefe Einblicke in die verletzte Gefühlswelt der Künstlerin, es ist auch eine Hommage an ihre ursprüngliche Heimat: Die ehemalige Sowjetrepublik Georgien, die sie mit acht Jahren verlassen hat, aber immer noch gerne und oft besucht.

Zurück zu ihren georgischen Wurzeln

Das äußert sich in der Zusammenarbeit mit dem Georgian Philharmonic Orchestra und dem Gori Frauenchor, aber auch in Songs, die von Reiseimpressionen aus der Region handeln. Von einem Land, das – so Katie Melua – viel zu bieten habe. Mit umso größerer Sorge verfolge sie den Konflikt der Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan – genau wie die Situation in Weißrussland: "Gott, das ist doch völlig verrückt. Und was Belarus betrifft: Hoffentlich findet sich da eine Lösung – so, wie es uns vor ein paar Jahren in Georgien gelungen ist." Da habe es massive Proteste gegeben, weil schreckliche Dinge in den Gefängnissen passiert seien. Und die Menschen seien so lange auf die Straße gegangen, bis es zu einem friedlichen Regierungswechsel gekommen sei.

Rein Musikalisch ist das achte Album von Katie Melua eine Hommage an den schwelgerischen 70s Pop von Harry Nilsson, Carole King und den Carpenters: Eine Mischung aus opulenten Balladen und atmosphärischen Leisetretern, aus großen Orchesterarrangements und filigranem Folk. Ein erwachsenes, reifes Album, mit dem sie das Naive, Unbekümmerte der Vergangenheit ablegt – und sich an die Königsdisziplin der Popmusik wagt: das klassische Storytelling.

Bob Dylan als Inspiration

Dafür habe sie sich intensiv mit den Folksongs von Bob Dylan befasst, erzählt Katie Melua: "Seine Stücke sind wahnsinnig inspirierend – genau wie die von Bobbie Gentry. Eine großartige Geschichten-Erzählerin!" Das einzige, was "Album No. 8" fehlt, sind die ganz großen Ohrwürmer der frühen 2000er. Doch der Massengeschmack spielt für Katie Melua aktuell keine Rolle. Ihr geht es um eine neue künstlerische Identität – und da überrascht und überzeugt sie auf ganzer Linie.

© BMG

Katie Melua und ihr neues Album "Album No. 8"

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