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© Audio: BR / Bild: Archiv Helmut Sturm
Bildrechte: Archiv Helmut Sturm

Unbedingt sehenswert: die Ausstellung des SPUR-Künstlers Helmut Sturm in Neumarkt

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Carpe Diem! Helmut Sturm-Ausstellung in Neumarkt geöffnet

Nutzen Sie den Tag und machen Sie sich noch heute auf die Socken, falls Ihnen etwas am Besuch von Kunstausstellungen gelegen ist. Das Museum Lothar Fischer in Neumarkt i.d.OPf hat seine Helmut Sturm-Ausstellung vorgezogen – eine kluge Entscheidung.

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Von
  • Julie Metzdorf

Man muss weder Statistik-Nerd noch Wahrsager sein, um sich ausrechnen zu können, dass die meisten Museen schon bald wieder schließen werden. Das dritte Mal dann.

Und die "Öffnungszeiten" dazwischen sind gemeinerweise immer gerade so lang, dass man sich an die Schließungen nicht gewöhnen und psychohygienisch sinnvoll abstumpfen könnte: Nein, es tut jedes Mal wieder genauso, wenn nicht noch mehr weh, wenn die Tür mal wieder ins Schloss kracht. Also: Carpe Diem!

Mit Farbe gegen gesellschaftliche Verkrustungen

Das haben sich auch die Verantwortlichen im Museum Lothar Fischer in Neumarkt in der Oberpfalz gesagt und den Lockdown genutzt, um ihre eigentlich für Ende März angekündigte Helmut Sturm-Ausstellung "Spielfelder der Wirklichkeit" schon früher aufzubauen und bereits jetzt zu zeigen.

Helmut Sturm gehörte Ende der 50er Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe SPUR, die sich nicht nur mit Malerei, sondern auch mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinandersetzte und sich dabei vehement gegen eine sich unpolitisch gebende Adenauerzeit wandte. Der bayerische Staat und die Justiz reagierten heftig.

© Maria Sturm
Bildrechte: Maria Sturm

Der Maler Helmut Sturm in seinem Atelier, 1964

2006 sagte der Maler dazu in einem Interview: "Man muss davon ausgehen, dass das die Nachkriegszeit war, und dass man froh war, dass manches einfach zugedeckelt war, wobei man den Gestank aber durchaus noch riechen konnte. Man hatte Angst vor jedem, der den Deckel öffnet. Das haben wir sicherlich getan. Das war schon schlimm genug. Man musste das riskieren."

Die Malerei des 2008 verstorbenen Künstlers ist expressiv und abstrakt: dynamische, sich ineinander verkeilende Formen voller Verzerrungen und Schichtungen, eine Malerei voller Kraft und Leben.

Bilder, bei denen man sofort denkt: So energiegeladen malt nach einem Jahr Lockdown vermutlich keiner mehr. Aber auch Bilder, die mit ihrer Kraft zu Trotz aufrufen und Durchhalte-Energien freisetzen: So stürmisch wie die Malerei von Helmut Sturm will man die Kunst bitte irgendwann wiederhaben!

Helmut Sturm: "Spielfelder der Wirklichkeit", bis 4. Juli im Museum Lothar Fischer in Neumarkt in der Oberpfalz.

Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch von Ausstellungen über die aktuellen Inzidenzwerte. Bei Werten zwischen 50-100 sind Besichtigungen nur mit Voranmeldung (online oder telefonisch) möglich, das gilt auch für Jahreskartenbesitzer. Und: Personalausweis nicht vergessen!

© Archiv Helmut Sturm
Bildrechte: Archiv Helmut Sturm

Helmut Sturm, Ohne Titel, 1990, Detail.

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