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Keine böse Rede oder Verleumdung über den anderen, das sind Kommunikationsregeln für Buddhisten. Jesus fordert eine klare Rede und Verständnis für den Kontrahenten. Bei den Muslime heißt es, sich Belehrungen zu verkneifen.

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Rechthaben in den Religionen

Keine böse Rede oder Verleumdung über den anderen, das sind Kommunikationsregeln für Buddhisten. Jesus fordert eine klare Rede und Verständnis für den Kontrahenten. Bei den Muslime heißt es, sich Belehrungen zu verkneifen.

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Von
  • Iris Tsakiridis

Seine Meinung offen heraus sagen? Oder doch lieber schweigen? Für Christen gibt es im Evangelium Hinweise darauf, wie sie sich im Alltag zu verhalten haben. Andere von oben herab zu belehren, das ist der falsche Weg. Findet der Jesuitenpater Karl Kern: "Jesus sagt im Neuen Testament: richtet bitte nicht, damit ihr nicht gerichtet werden." Der Kirchenrektor von St. Michael in München bezieht sich dabei auf die Bergpredigt. Darin fordert Jesus eine klare Rede, eindeutige Worte wie „Ja, ja“ oder „Nein, nein“. Alles, was darüber hinausgehe sei vom Bösen. Über allem stehe jedoch der Grundimperativ, die Liebe. Und Jesus hat hohe Ansprüche: So fordert er in Konfliktsituationen auch Verständnis für den Kontrahenten ein, also die Feindesliebe.

Buddhismus: Kein überflüssiges Geschwätz

Auch im Buddhismus helfen Heilige Schriften als Argumentationshilfen. Darin steht: kein überflüssiges Geschwätz, keine böse Rede oder Verleumdung über den anderen. Sich dem anderen zuwenden und ihm einen Ratschlag geben, kann in einer Situation hilfreich sein, vor allen Dingen, wenn das Gegenüber danach verlangt. Dann sollten die Worte aber wohl überlegt sein. Die Ratschläge sollen nicht als Rechthaberei ausgelegt werden können, betont Prof. Jens-Uwe Hartmann. Für den Indologen von der LMU München ist es dabei wichtig, sich dabei immer wieder auf die Heiligen Texte zu beziehen. "Buddhisten glauben an die Wiedergeburt, die Seele erlebt unendliche Lebenszyklen, muss sich immer wieder neu bewähren, Ziel ist das Nirwana. Eine Voraussetzung: erdulden zu lernen. Auch unangenehme Gesprächssituationen."

Man sollte als erstes Mal versuchen, das zu ertragen. Ertragen ist ein ganz wesentlicher Gedanke im Buddhismus. Das hängt eng zusammen mit der Karma-Vorstellung. Das heißt die unangenehmen Situationen, in die wir hineingeraten, sind eine Folge unangenehmer Dinge, die wir früher getan haben.

Islam: Der Nachsichtige hat das Paradies in Aussicht

Auch mal auf sein Recht zu verzichten, das ist für den Münchner Imam Ahmad Popal die richtige Verhaltensweise für Muslime. Sein Handeln zu hinterfragen, sich Belehrungen zu verkneifen: Zurückhaltung kann dabei durchaus der richtige Weg sein. "Es gibt eine Stelle aus dem Koran, die jeden Freitag aus jeder Moscheekanzel gepredigt wird, in allen Sprachen dieser Welt, wo es am Freitag heißt 'und Gott gebietet die Gerechtigkeit und noch viel mehr die Nachsicht und die Nachsicht wird über die Gerechtigkeit gestellt.' Die Nachsichtigen sind die, die von Gott geliebt werden."

Christentum: Barmherzigkeit und Mitgefühl

Barmherzigkeit und Mitgefühl: auch für Christen wichtige Kommunikationsregeln. Dabei die eigene Perspektive nicht als zentral ansehen. Sich nicht selbst ständig in den Mittelpunkt stellen, so Pater Kern, sondern den letzten Wahrheitsanspruch Gott überlassen.

Mehr zum Thema "Rechthaben oder Glücklichsein" in der Sendung STATIONEN im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.