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Hype um Margaret Atwoods neuen Roman "Die Zeuginnen" | BR24

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Das gab's noch nie: Eine Buchvorstellung, die weltweit übertragen wird. Nach dem Erfolg von "Report einer Magd" ist der Hype um Margaret Atwoods Roman-Fortsetzung "Die Zeuginnen" gewaltig: Die Lesung wurde live in 1300 Kinos gestreamt.

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Hype um Margaret Atwoods neuen Roman "Die Zeuginnen"

Das gab's noch nie: Eine Buchpremiere, die weltweit übertragen wird. Nach dem Erfolg von "Report der Magd" ist der Rummel um Margaret Atwoods Roman-Fortsetzung "Die Zeuginnen" gewaltig. Die Lesung wurde live in 1.300 Kinos gestreamt.

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Sonst sind es Fußballereignisse, bedeutende Rockkonzerte, Opern-Inszenierungen, Theaterpremieren, die live in Kinosäle gestreamt werden. Jetzt hat es erstmals eine Literatin mit einer Lesung geschafft: Um Margaret Atwood und ihren neuen Roman "Die Zeuginnen" ist vorab ein echter Hype entstanden. In 1.300 Kinosäle weltweit wurde die Buchpremiere in London übertragen.

Der Grund: Aus Atwoods bereits 1985 erschienen Roman "Der Report der Magd" wurde 2017 eine sehr erfolgreiche Fernsehserie. Die erste Staffel gewann acht Emmy Awards, den wichtigsten Fernsehpreis der Vereinigten Staaten. Derzeit wird in den USA und in Europa schon die dritte Staffel der Serie ausgestrahlt, eine vierte Staffel soll demnächst produziert werden.

"Die Zeuginnen" ist die lang erwartete Fortschreibung von Atwoods Bestseller, der zur Serie wurde. Deren Produzenten haben bereits angekündigt, dass Motive des neuen Romans auch in die Serie einfließen sollen.

Eine Literaturveranstaltung für den Kinosaal

Die Buchvorstellung von "Die Zeuginnen" war so geschickt inszeniert, dass sie auch für ein Kinopublikum ausgezeichnet funktionierte. Zu Beginn wurden bisher unveröffentlichte Ausschnitte eines Dokumentarfilms über die kanadische Autorin eingespielt. Danach wechselten sich Lesung und ein Gespräch von Margaret Atwood mit der bekannten britischen Fernsehjournalistin Samira Ahmed ab. Da es in "Die Zeuginnen" drei Erzählstränge mit drei Protagonistinnen gibt, lasen vor einer eigens aufgebauten Theaterkulisse drei Schauspielerinnen, unter ihnen auch die aus der Fernsehserie bekannte Ann Dowd.

Und im Gespräch wurden dann, ebenfalls vor Theaterkulisse, die politischen Dimensionen des neuen Romans ausgeleuchtet. Der ist zwar, genau wie sein Vorgänger, im Genre Science Fiction angesiedelt. Aber alles, was erzählt wird, beruht auf wahren Begebenheiten, beteuert Atwood im Interview: "Die Leute fragen mich oft, woher ich diese bizarren, perversen Phantasien nehme, die in meinen Büchern auftauchen. Aber das sind keine Phantasien – all das haben Menschen irgendwann im Lauf der Geschichte schon mal getan!“

© Jean Malek / Piper Verlag

Die kanadische Erfolgsautorin Margaret Atwood

Gemeinsam ist beiden Romanen der Schauplatz: ein totalitärer Staat namens Gilead auf dem Gebiet der USA. Atomare Katastrophen und Umweltzerstörung haben dazu geführt, dass viele Frauen unfruchtbar sind. Die Gesellschaft ist als Patriarchat strukturiert, Frauen werden brutal unterdrückt: Sie dürfen nicht lesen, werden zwangsverheiratet, und diejenigen, die noch Kinder bekommen können, werden als Gebärmaschinen missbraucht.

Unterdrückung, Fanatismus, Überwachung aus drei Perspektiven

Die Ereignisse in "Die Zeuginnen" sind allerdings 15 Jahre nach denen im "Report der Magd" angesiedelt und es gibt diesmal nicht eine, sondern gleich drei Ich-Erzählerinnen. Dadurch sind verschiedene Blickwinkel auf das Geschehen möglich, und Themen wie religiöser Fanatismus, Unterdrückung von Frauen, Opportunismus in totalitären Staaten, Überwachung durch Geheimdienste können noch tiefgründiger behandelt werden. Aufgrund der geschickt verschachtelten Erzählstränge ist aber auch "Die Zeuginnen" ein echter Pageturner.

Könnte es vielleicht schon der letzte Gilead-Roman der demnächst 80-jährigen Autorin sein? Atwood weiß das selbst noch nicht so genau: "Man sollte nie 'nie' sagen, eigentlich war auch nach 'Der Report der Magd' nie eine Fortsetzung geplant. Aber die Zeit, die mir bleibt, um umfangreiche Bücher zu schreiben, wird natürlich immer weniger."

© Berlin Verlag

"Die Zeuginnen" von Margaret Atwood ist im Berlin Verlag erschienen.

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