BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Fünf Kinderbuch-Tipps zum Bundesweiten Vorlesetag | BR24

© BR/Lisa Hinder

Kind blättert in einem Buch

Per Mail sharen

    Fünf Kinderbuch-Tipps zum Bundesweiten Vorlesetag

    Sprachkompetenz, Konzentrationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen: Vorlesen fördert auf vielen Ebenen. Und es ist einfach schön. Fünf Tipps für Lesezeit mit Kindern – Klassiker, subversive, gefühlvolle und herzerwärmende Bücher zum Vorlesen.

    Per Mail sharen

    Für Naturliebhaber: "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren

    Mit einem Donnerknall ist sie auf die Welt gekommen, temperamentvoll und naturverbunden geht es weiter durch die Kindheit: Astrid Lindgrens 1982 geborene "Ronja Räubertochter" gehört bis heute zu den beliebtesten Figuren der Kinderbuchliteratur. Ihre Kindheit unter Räubern auf der Mattisburg ist geprägt von Natur, in all ihrer Schönheit aber auch von unliebsamen Graugnomen und Wilddruden bevölkert. Angst kommt trotzdem nicht auf, im Gegenteil: Ronja und ihr Freund Birk meistern das Leben in der Wildnis so gut, dass das Buch zu Anleitung zum Spielen ohne Spielzeug werden kann.

    Auch sonst hat die Lektüre einiges zu bieten: Eine Tochter, die ihrem Vater moralisch überlegen ist (sie will auf ganz keinen Fall später mal andere Leute ausrauben.) Eltern, die auch Gefühle haben und bei Weitem nicht immer alles richtig machen. Völlig unaufgeregt und wie nebenbei werden hier de ganz großen Themen des menschlichen Zusammenlebens angerissen, Loslassen und Abnabelung, Freundschaft, Loyalität, erste Liebe. Und was das angeht, ist völlig klar: Die beiden stellen sich deutlich cleverer an als Romeo und Julia …

    Ein Buch für Kinder ab 6 Jahren, das man aber noch jahrelang vorlesen kann.

    "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren ist in der Übersetzung von Anna-Liese Kornitzky im Oetinger Verlag erschienen.

    © Oetinger Verlag / Grafik: BR

    Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter

    Für das Recht auf schlechte Laune: "Das NEINhorn" von Marc-Uwe Kling

    Die Idylle ist perfekt: Im Herzwald sprießt der Glücksklee, rosa Zuckerwattewolken schweben als prima Sitzgelegenheiten umher, und alle Bewohner sind so, süß, flauschig und nett, dass sie selbstverständlich ununterbrochen in Reimen sprechen… Alle Bewohner? Nein! Eines der Einhörner ist gar nicht süß und nett, und das schlimmste: Es WILL gar nicht süß und nett sein. Und so macht sich das renitente NEINhorn auf seinen Weg nach Nirgendwo und trifft dabei auf andere Außenseiter: KönigsDOCHter, der NahUND und der WASbär,

    Gespickt mit viel Sprachwitz und bitterböser Ironie ist "Das NEINhorn" eine erfrischende Parodie auf die Friede-Freude-Eierkuchen-Welt, mit der Kinder (und Eltern) sonst so oft konfrontiert werden. Schräg, subversiv und saukomisch ist es ein Buch, das einer verpönten Kulturform huldigt: dem Motzen!

    Autor des Buchs ist der preisgekrönte Kabarettist und Liedermacher Marc-Uwe Kling, bekannt von den Känguruh-Chroniken, "QualityLand" oder auch „Der Tag, an dem Oma das Internet kaputt gemacht hat“. Mit seiner Hymne auf die schlechte Laune hat Marc-Uwe Kling einen Nerv getroffen: "Das NEINhorn" ist eines der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre.

    Offiziell ab 3 Jahre, seinen vollen Witz entfaltet das Buch aber erst später. Auf jeden Fall ein Buch für alle Eltern, die als Vorlesende auch selbst mal lachen wollen. Und endlich mal ein Stück großartige Kinderliteratur ganz ohne Botschaft! Oder etwa doch nicht??

    "Das NEINhorn" von Marc-Uwe Kling ist, illustriert von Astrid Henn, im Carlsen Verlag erschienen.

    © Carlsen Verlag / Grafik: BR

    Marc-Uwe Kling: Das NEINhorn

    Für mehr Wärme im Winter: "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen

    Prinzessin Elsas Stern verblasst so langsam, Zeit, den Kindern die Freuden der Quellenkunde näherzubringen. Denn während der Disney-Hit "Die Eiskönigin" gar kein so schlechter Film ist, sind die Bücher zum Film keinen Penny wert. Wer sich gedanklich trotzdem in Schnee und Eis begeben will, sollte lieber auf Hans Christian Andersens Märchen "Die Schneekönigin" zurückgreifen, die für den Disney-Film Pate stand. Bei Andersen ist es die kleine Gerda, die sich auf die Suche nach ihrem von der Schneekönigin geraubten Bruder Kai macht. So beginnt eine zauberhafte Reise durch winterliche Traumlandschaften voller Eis, Schnee, Rentiere und Nordlichter.

    Im Knesebeck Verlag ist eine ganz besondere Ausgabe des Märchens erschienen: Die Illustrationen stammen von der nordfinnischen Stoff- und Musterdesignerin Sanna Annukka. Ihre Wahl hängt nicht nur davon ab, dass sie sich seit ihrer Kindheit mit Eiseskälte auskennt, sie hat auch inhaltliche Gründe: Kais Erlösung hängt davon ab, ob es ihm gelingt das Wort "Ewigkeit" aus Eisplatten zu lesen. Aber die Eissplitter in seinen Augen verhindern es, immer kommen nur seltsame Muster dabei heraus …

    "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen ist in der Übersetzung von Julius Reuscher und Martina Hesse-Hujber im Knesebeck-Verlag erschienen.

    © Knesebeck Verlag / Grafik: BR

    Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin

    Für die kleinen großen Unterschiede: "Ich groß, du klein" von Lilli L’Arronge

    Ein Buch über Wiesel? Ein Buch über die Liebe! Über die Faszination am anderen. Über die Freuden des Andersseins. Über das gemeinsame Herumblödeln zwischen Eltern und Kind. Über den Spaß am Alltag – den man ja sonst auch mal vergessen kann.

    Ein Buch über die Liebe von Eltern zum Kind könnte triefen vor Schwülstigkeit. Nicht so bei Lilli L’Arronge: Die Illustratorin schafft es, das Thema spielerisch und leicht umzusetzen. Jeder wird in diesem Buch eine Szene entdecken, in der er sich wiederfindet. Da wird der Streit über die Anzahl der täglich erlaubten Kugeln Eis einfach so mit einer stinkenden Socke hinwegfegt. Herzerwärmend! Und aussagekräftiger als tausend Worte.

    Ab 3 Jahren.

    "Ich groß, du klein" von Lilli L’Arronge ist im Verlagshaus Jacoby & Stuart erschienen.

    © Jacoby & Stuart / Grafik: BR

    Lilli L'Arronge: Ich groß, du klein

    Für Preußler-Fans: "Die Abenteuer des starken Wanja"

    "Der Räuber Hotzenplotz", "Die kleine Hexe", "Das kleine Gespenst": Ausnahmslos alle Bücher von Otfried Preußler eigenen sich zum Vorlesen. Eine seiner weniger bekannten Figuren ist der starke Wanja. Eine zunächst sehr krude Geschichte von einem wahrhaftigen Faulpelz, der durch Schlafen und Sonnenblumenkerneessen zu Superkräften kommt, um dann Richtung Osten zu ziehen und dort Zar zu werden. Vorher muss er nur noch gegen ein paar Ungeheuer, Räuber, böse Hexen und einen hinterhältigen Wirt kämpfen und sich eine schicke silberne Rüstung besorgen.

    Eine Figur ganz in der Tradition des russischen Helden. Sehr gutherzig und sehr stur verfolgt er unbeirrt sein Ziel. Was uns Preußler damit sagen wollte, dass der faulste Mann im Dorf am Ende Zar wird und die schöne Königstochter heiraten kann? Fragen Sie mal Ihr Kind!

    Ab 6 Jahren – und danach zum Selberlesen.

    "Die Abenteuer des starken Wanja" von Otfried Preußler ist im Carlsen Verlag erschienen.

    © Carlsen Verlag / Grafik: BR

    Otfried Preußler: Die Abenteuer des starken Wanja

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang.