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Das sind die Lektionen der Leipziger Buchmesse | BR24

© dpa / picture alliance

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    Das sind die Lektionen der Leipziger Buchmesse

    Wie sieht die Zukunft des Buches aus, wenn immer weniger junge Menschen lesen? Die Frage dominierte auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig.

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    Wer fragt, ist interessiert, was passiert. Wer interessiert ist, sucht Antworten. Und wer Antworten sucht, liest. Das trifft auf jeden Fünften der heute Zehnjährigen nicht mehr zu. Sie können es nicht. Daran hat sich zwei Jahre nach der Veröffentlichung der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung nichts geändert, war jetzt bei der Leipziger Buchmesse zu erfahren. Das ist erschreckend - in vielerlei Hinsicht. Spätestens wenn die heutigen Viertklässler achtzehn sind, sollen sie mit ihrer Stimme entscheiden, wer in Europa oder Deutschland politisch den Kurs bestimmt. Wie überlegt kann aber eine Entscheidung von jemandem sein, der Wahlprogramme gar nicht lesen kann? Sich nicht vergewissert: stimmt das überhaupt?

    Auf der Suche nach lesendem Nachwuchs

    Junge Leute und die Zukunft überhaupt, waren große Themen auf der Leipziger Buchmesse; nicht zum ersten Mal. Das ist zweifelsohne das Verdienst des Teams um Direktor Oliver Zille. Erneut hat es das Versagen von Eltern und Schule öffentlich gemacht. Ist doch klar, dass die Buchbranche ein Interesse daran hat, dass viel gelesen wird. Schließlich lebt sie davon. Damit ist aber nicht gesagt, dass die Sorge von Marktinteressen gefüttert wird.

    Diese Leipziger Buchmesse hat die Alarmtaste betätigt, weil sie die vier Messetage auch als Zukunftsforum verstanden wissen will: Wie wollen wir miteinander leben? Zelebrieren wir das Trennende oder Suchen wir das Gemeinsame? Die Frage stellt sich 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht nur - nach wie vor im geeinten Deutschland selbst - zwischen Ost und West, sondern insbesondere auch mit Blick auf unsere osteuropäischen Nachbarn.

    Besinnung auf das Gemeinsame

    Wie viel Hoffnung, wie viel Freude verband uns im Herbst 1989? Schien nicht der Stolz über den Mauerfall ein guter Treibstoff für den Weg in ein geeintes Europa? Übrigens nicht anders als im Westen nach 1945. Nachzulesen in Harald Jähners Neuerscheinung "Wolfszeit -Deutschland und die Deutschen 1945 bis 1955" - gerade ausgezeichnet als bestes Sachbuch mit dem Preis der Leipziger Buchmesse. Genauso wie Eva Ruth Wemmes Übersetzung des rumänischen Klassikers "Verlorener Morgen" - wie gedacht als Hintergrundliteratur an deutschen Schulen, um zu erfahren, was das Leben zu Ceausescu-Zeiten im Balkanland bedeutete. Anke Stelling erhielt den Preis in der Kategorie Belletristik für ihren Roman "Schäfchen im Trockenen", in dem die wütende Warnung einer Mutter an die kommende Generation zu lesen ist. Wohlgemerkt: Wenn man lesen kann.

    Die Messe versucht seit Jahr und Tag alles, bei Kindern und Jugendlichen Neugier auf Literatur zu wecken. Dass die Zehnjährigen noch nicht nach diesen Büchern greifen, versteht sich von selbst. Doch ein Viertklässler, der das Geschriebene nicht versteht, wird nie hungrig auf Geschichten sein. Wie sollte dann von ihm als Wahlberechtigtem zu erwarten sein, dass er Bücher befragt, welche der sintflutartig auf ihn einprasselnden Informationen überhaupt stimmen. Und eines ist auch gewiss: So wie Unwissenheit Speck für Populisten ist, so entbindet sie auch niemanden der Verantwortung für das, was geschieht.

    Lesen um verstehen zu können, ist ein Muss. Denn: Nur wer versteht, fragt, ist interessiert, was passiert - sucht Antworten. Und wer Antworten sucht, muss lesen können. Das allen zu ermöglichen, fällt Deutschland schwer.

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