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Eine Mitarbeiterin sortiert in der Verlagsbuchhandlung Walther König Bücher ein.

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    Buchmarkt in der Pandemie: Online boomt, Buchhandel leidet

    Menschen lesen in der Pandemie mehr. Davon profitiert allerdings vor allem der Online-Handel. Den Buchhandlungen vor Ort macht die Pandemie dagegen zu schaffen. Insgesamt bleibt der Buchmarkt 2020 stabil.

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    • BR24 Kultur

    Das Bedürfnis nach Büchern sei gerade in schwierigen Zeiten wie diesen besonders groß, so lautete die Zwischenbilanz des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: Trotz monatelangen coranabedingten Lockdowns konnten Buchhandlungen und Verlage offenbar Menschen für das Lesen begeistern. Sie hätten über kreative und digitale Wege Leser und Leserinnen mit Büchern versorgt, heißt es vom Börsenverein.

    Was den Buchhandel vor Ort betrifft, habe dieser seine Online-Umsätze zwar deutlich gesteigert, sei unterm Strich aber aufgrund höherer Prozesskosten sowie deutlicher Einbußen im stationären Geschäft wirtschaftlich stark belastet, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit. Der Gesamtumsatz der Branche bleibt 2020 mit +0,1 Prozent stabil.

    Unsichere Perspektive für 2021

    Das Online-Geschäft wächst um 20,9 Prozent und macht im Corona-Jahr 2020 rund ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Das Geschäft in der Buchhandlung vor Ort bleibt stärkster Absatzweg, verzeichnet aber Einbußen von 9,0 Prozent. Unsicher ist auch die Perspektive für 2021: Nach dem ersten Halbjahr beläuft sich der Umsatzrückstand im Buchhandel vor Ort auf 22,9 Prozent gegenüber 2019, einem normalen Jahr vor Corona.

    Belebung der Innenstädte nun besonders wichtig

    Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, brachte noch einen anderen wichtigen Faktor zur Sprache: Die Verödung der Innenstädte. Diese hätten schon vor der Pandemie immer weniger Zulauf, und auch Orte im ländlichen Raum hätten in der Krise bedrohlich an Lebendigkeit und Vielfalt verloren, so Skipis.

    "Für den Neustart nach der Pandemie ist eine gemeinsame Kraftanstrengung mit der Politik gefragt: Wir brauchen tragfähige Konzepte, um die Innenstädte wieder zu beleben. Der Buchhandel mit seiner einzigartigen Verbindung von Einzelhandel und Kulturinstitution, und mit seinem filigranen Netz von über 5.000 Buchhandlungen vor Ort kann hier eine wichtige Rolle übernehmen", lautete sein Fazit. Buchhandlungen seine Dritte Orte par excellence – Räume des gesellschaftlichen Austauschs, des Miteinanders und des öffentlichen Diskurses: "Hier finden Besucher*innen Inspiration, Entschleunigung und ein angenehmes Umfeld der Offenheit", teilte der Chef des Börsenvereins mit.

    Auch für Verlage ist es essenziell, dass die Politik ihre Rahmenbedingungen stärkt: In den vergangenen Jahren mussten sie mit ansehen, wie ihre Rechte immer mehr eingeschränkt wurden. Gerade im Hinblick auf die Bundestagswahl in drei Monaten fordern wir daher von der Politik, den Wert des geistigen Eigentums und die Arbeit von Verlagen stärker anzuerkennen und ihren Beitrag für Vielfalt und Demokratie zu fördern.“

    Deutlich mehr jüngere Leser und Leserinnen

    Lesen hat im Corona-Jahr 2020 einen Aufschwung erlebt: 25 Prozent der Leserschaft greift häufiger zum Buch als vor der Pandemie – das ergab eine Befragung der GfK im Januar 2021. Besonders groß sind die Zuwächse bei den jungen Altersgruppen: Unter den 10- bis 19-Jährigen lesen 34 Prozent häufiger, bei den 20- bis 29-Jährigen 32 Prozent.

    Auch der Anteil der Buchkunden an der Bevölkerung ist trotz Pandemie stabil geblieben: Er lag am Publikumsbuchmarkt 2020 wie schon 2019 bei 43 Prozent. 400.000 Käufer und Käuferinnen sind im vergangenen Jahr dem Buchmarkt verloren gegangen. Das ist der geringste Rückgang der letzten zehn Jahre, mit Ausnahme von 2018, als es sogar leichte Zuwächse gab.

    Kinder- und Jugendbücher beliebt

    Dank der guten Buchumsätze auf dem Gesamtmarkt blieb das Geschäft 2020 über alle Verlage hinweg stabil. Zwischen den Buchgenres gab es jedoch große Unterschiede: Während Kinder- und Jugendbücher mit +4,7 Prozent neben „Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik“ als einzige Warengruppe im Plus lagen, brach der Umsatz mit Reisebüchern um 26,1 Prozent ein. Der Umsatz mit Belletristik (-1,6 Prozent) und Sachbüchern (-1,3 Prozent) lag etwas unter Vorjahr.

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