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Alexander Skipis: Optimistischer Blick nach vorn
© Jungblut/BR
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Alexander Skipis: Optimistischer Blick nach vorn

Endlich mal gute Nachrichten vom Buchmarkt zum Auftakt der Leipziger Buchmesse: Nach Jahren der Stagnation, ja sogar stark rückläufiger Käuferzahlen, geht es offenbar neuerdings wieder aufwärts. Der Umsatz der Branche war im vergangenen Jahr mit plus 0,1 Prozent stabil. Im Januar und Februar dieses Jahres gab es sogar einen regelrechten Boom mit einem Umsatzplus von 4,5 Prozent. Viel wichtiger ist aber: Es lesen offenbar wieder deutlich mehr Menschen Bücher.

Probleme des Buchmarkts erkannt und gelöst

Grund dafür ist nach Ansicht von Alexander Skipis, dem Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, eine neue Kundenorientierung der Buchhandlungen: "Man kann das gar nicht hoch genug einschätzen! Wir sind natürlich vorsichtig und sagen, dass sind jetzt erst mal zwei Monate, aber schon der Umstand, dass wir im letzten Jahr 300.000 Buchkäufer hinzu gewonnen haben, zeigt uns, das da was am Markt passiert ist. Und ich denke, gerade die ersten beiden Monate des Jahres sind immer sehr umsatzschwach, und dass das so geboomt hat, das war schon eine große Freude."

In den letzten Jahren hatte sich die Buchbranche von den Bedürfnissen vieler Leser offenbar deutlich entfernt, ergab eine groß angelegte Studie des Börsenvereins. Außerdem lastete der verschärfte Wettbewerb um Aufmerksamkeit auf den Buchhandlungen: Die potentiellen Kunden verbringen ihre Freizeit mehr und mehr im Netz oder mit Angeboten des Bezahlfernsehens. Alexander Skipis gegenüber dem BR: "Wir haben in den letzten fünfzehn Jahren, in denen eine beispiellose Medienkonkurrenz aufgetreten ist, unsere Umsätze immer gehalten. Beim genauen Hinsehen haben wir dann gesehen, dass wir Käufer verlieren. Klar, es war auch ein Versäumnis, aber das Entscheidende ist: Wir haben es erkannt, auch ganz offen kommuniziert. Alle haben es gewusst, und wir haben die Ursachen erforscht, und jetzt funktioniert es."

Skulptur "Quo Vadis" in der Glashalle der Leipziger Messe

Skulptur "Quo Vadis" in der Glashalle der Leipziger Messe

Viele Zehnjährige können nicht richtig lesen

Trotzdem gibt es Sorgen in der Branche: Die Insolvenz des Großvertriebs KNV, der die Buchhandlungen mit Büchern versorgt, war ein Alarmzeichen. Doch die Geschäfte liefen vorerst weiter, der Börsenverein ist deshalb optimistisch, dass die Pleite keine größeren Auswirkungen hat.

Mehr Probleme hat die Buchbranche mit der Diskussion um ein neues Urheberrecht auf europäischer Ebene. Die Rechte der Künstler, Autoren und Verlage müssten deutlich besser geschützt werden als bisher, das habe nichts mit Zensur zu tun. Im Gegenteil, wer Kreative stärke, fördere auch die Meinungsvielfalt. Eine Ansicht, der viele jüngere Netz-Nutzer sicherlich nicht folgen werden. Betrüblich ist für die Verlage auch eine neue Studie, wonach ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht mehr richtig lesen kann. Die Lesekompetenz von Kindern hierzulande ist also nach wie vor stark verbesserungswürdig.

Autoren

Peter Jungblut

Sendung

B5 Kultur vom 20.03.2019 - 14:25 Uhr