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Josef Brustmann bei einem Auftritt
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Josef Brustmann bei einem Auftritt

Nein, mit verkorkster AfD-Ideologie und Pegida-Mist will Joseph Brustmann sich nicht herumschlagen und auch für die hunderttausendste Volte gegen die bayerische Landesregierung ist er sich eigentlich zu schade. Auf dem dritten Studio-Album des bayerischen Kabarettisten finden sich nur äußerst wenige, tagespolitische Sottisen.

Musikalisch beginnt das neue Album, das allerlei Lustbarkeiten, Vergnügungen und Erinnerungen an Jugend-Liebschaften frönt, mit einem Sommer-Lied. Joseph Brustmann, 63 Jahre alt und ewig-junger Musiker, ist einer jener bayerischen Querdenker, die das Leben mit hintersinnigem Witz und leichter Melancholie feiern.

Brustmann ist ein Spät-68-er

Als Kind und Jugendlicher hat der Liedermacher Volksmusik gemacht mit seinen älteren Geschwistern. Daraus ergab sich dann ein Musik-Studium sowie eine zehn Jahre dauernde Tätigkeit als Musiklehrer an einem Gymnasium plus Ehe und Vaterschaft, aber irgendetwas hat sich dann doch falsch angefühlt an der Erfüllung gesellschaftlicher Vorgaben.

"Ich bin so ein Spät-68-er. I glaub, da kummt mehr nimmer raus", sagt Brustmann. Als Kind von Kriegseltern habe man ein anderes Bewusstsein und andere Aufgaben - Wiedergutmachung zum Beispiel. Das sei bei der Jugend heutzutage nicht mehr so vorhanden, sagt er.

Brustmann hat sich, auch wenn das jetzt merkwürdig klingt bei einem Mann, emanzipiert, allmählich frei geschwommen vom Umfeld, von den ideologischen Fangnetzen bürgerlicher Vernunft. Der Schlüssel zur Befreiung? Lag in der Autorenschaft, im Schreiben und Be-Schreiben, in Lied, Gesang, Spiel und Tanz.

Der erste Auftritt allein war entsetzlich

Brustmann hat Lieder geschrieben und gesungen - über sich und gegen den Stumpfsinn, Kabarett-Programme entwickelt, zuerst mit dem „Bairisch diatonischen Jodel-Wahnsinn“, dann mit der „Monaco Bagage“ - Sozialkritik mit schräger Neo-Folklore, bis er sich als Solo-Künstler versuchte.

Der erste Auftritt allein war entsetzlich, erinnert er sich, aber irgendwie hat es doch geklappt. Sein neues Album hat er mit einer siebenköpfigen All-Star-Band eingespielt, mit jungen Alles-Könnern wie der nimmermüden Evi Keglmeier von Zwirbeldirn etwa an der Geige und Andi Haberl, dem feinen Schlagwerker, der auch bei diversen Berliner Indie-Pop-Unternehmen tätig ist.

"Supermusiker", nennt Brustmann die junge Truppe. "Ich war der einzige, der keine Turnschuh anghabt hat." Die Zusammenarbeit sei wie ein Jungbrunnen für ihn gewesen.

Er will sich musikalisch nicht festlegen

Den Großteil des musikalischen Materials hatte der Multi-Instrumentalist Brustmann bereits mit einem Akkordeonisten und einem Posaunisten erarbeitet. Die Idee mit der Posaune hat er beim Stil-Nonkonformisten Tom Waits aufgeschnappt, weil ihm dessen Einsatz des Blechblas-Instruments gefallen hat.

Von Folk und Rock’n‘ Roll zu Trash Polka und dann wieder etwas bayerisch-balladeskes, so beschreibt Brustmann die musikalische Mischung auf seinem neuen Album. "Ich war scho immer so leidenschaftlich in alle Richtungen, dass ich mich nie hab entscheiden meng", sagt er. Am Ende werde aber doch alles zusammengehalten von seiner Haltung - und von seinem Dialekt.

Auch die Zither, eines der archetypischen Instrumente der alpenländischen Folklore, hat Brustmann für sich entdeckt und autodidaktisch beigebracht. Zu hören deshalb auch zwei Zither-Instrumentalstücke, darunter eine Melodie von Franz Schubert, dem Wiener Vorstadt-Romantiker. Außerdem hat der passionierte Leser Texte vertont von Oskar Maria Graf und Arno Schmidt. Viele unterschiedliche Bestandteile also, die Joseph Brustmann mit leichter Hand verknüpft. Mal kunterbunt, mal bayerisch-alpin, dieser Mischmasch - Worte und Musiken, an die man sich möglicherweise erst gewöhnen muss, dann aber dann nicht mehr missen will.

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Autoren

Markus Mayer

Sendung

kulturWelt vom 04.01.2019 - 08:30 Uhr