Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Bruder, Schwester, Rinderzucht | BR24

© Kinostar

Franz (Sebastian Fräsdorf) und Lilly (Karin Hanczewski) stehen sich nah, doch eine Liebesgeschichte treibt einen Keil zwischen die Geschwister.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bruder, Schwester, Rinderzucht

Ein Western in Brandenburg? Nicht ganz: In „Bruder Schwester Herz“ von Tom Sommerlatte trifft Cowboy-Romantik auf Familiendrama. Der Film über zwei eng verbundene Geschwister, die sich um den Familienhof kümmern, glänzt vor allem dank der Darsteller.

Per Mail sharen
Teilen

Eine Ranch irgendwo im Nirgendwo. Auf der Veranda sitzt das ergraute Familienoberhaupt und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Sohn und Tochter kümmern sich um den nach einem Unfall körperlich gehandicapten Vater, halten den Betrieb aufrecht, pflegen die Kühe. Alles ist in bester Ordnung. Wäre da nicht dieser dämlich grinsende Möchtegern-Indianer, der eines Tages mit seiner Kirmesband in der brandenburgischen Pampa auftaucht.

Nein, „Bruder Schwester Herz“ ist nicht das, was man unter einem typischen Western versteht. Der zweite Spielfilm von Tom Sommerlatte verwebt gekonnt die unterschiedlichsten Stimmungen: Cowboy-Romantik trifft auf französisch angehauchtes Familiendrama in einem idyllisch gelegenen, aber perspektivlosen Winkel von Ostdeutschland. Die Zukunft mag nicht rosig aussehen, aber die Gegenwart ist trotzdem schön. Franz und Lilly, die eingangs erwähnten und innig verbundenen Geschwister, machen jedenfalls das Beste draus und geben sich nur selten Tagträumen hin.

Aufbruch oder Stillstand?

Doch wie das Leben nun mal so spielt: Die Harmonie ist nicht von Dauer. Lilly will mehr, will die Rinderzucht auf Vordermann bringen und am liebsten sogar raus in die Welt. Franz hingegen genießt den Stillstand, lässt außer seiner Schwester keine Frau in seiner Mittdreißiger-Single-Existenz zu und wacht nur ab und an nach einer durchzechten Nacht neben einer losen Bekanntschaft auf. Seine Mutter findet das kindisch. Allerdings trägt sie auch Mitschuld an Franz' gestörtem Beziehungsleben, schließlich hat sie ihre Familie vor Jahren im Stich gelassen.

© BR

Filmkritik zu Tom Sommerlattes Film "Bruder Schwester Herz"

Stück für Stück wird so in „Bruder Schwester Herz“ die Familiengeschichte aufgedröselt. Überdramatisch tief geht es aber nicht, das Drehbuch hat keine dunklen Geheimnisse, die es aufzudecken gilt. Gefühl ist Trumpf, doch der große Emotionshammer wird nicht ausgepackt. Als es zwischen den Geschwistern zum Bruch kommt, fährt Lilly einfach davon. Und Franz wird zum lonesome cowboy. Trotz statt Tränen, das ist seine Devise.

Ein Film, der dahinplätschert

Wer sich jetzt denkt, dass irgendwie nichts passiert in diesem Film, liegt ziemlich richtig. Regisseur Tom Sommerlatte inszeniert das Leben der Familie als langen ruhigen Fluss. Und man schaut dieser sommerlich glitzernden, irritierend undeutschen Naturschönheit durchaus gern beim Dahinplätschern zu. Dass „Bruder Schwester Herz“ so gut funktioniert, liegt zu großen Teilen an den Hauptdarstellern. Die Verbundenheit zwischen Sebastian Fräsdorf und Karin Hanczewski wirkt authentisch und ungezwungen, und tatsächlich so innig, wie es das Drehbuch vorschreibt. Von der Liebesgeschichte, die den Keil zwischen die Filmgeschwister treibt, lässt sich das zwar nicht behaupten, aber das liegt vor allem daran, dass der Musiker, mit dem Lilly eine Affäre beginnt, eher als Karikatur angelegt ist. Ein geschickter Schachzug. Denn die Natürlichkeit der Geschwisterbeziehung, sie wird auf diese Weise nochmals betont.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!