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Piers Morgan

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    Britischer TV-Star-Moderator stürzt über Meghan-Kommentare

    Ende einer Karriere: Piers Morgan verliert seine morgendliche TV-Show beim Sender ITV, weil er das Publikum mit abschätzigen Bemerkungen über Meghan gegen sich aufgebracht hatte: Jetzt will er "mehr Zeit mit seiner Meinung verbringen".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Das Publikum war ebenso ungehalten wie er selbst: Einer der bekanntesten britischen TV-Stars muss seine Sendung abgeben. Piers Morgan hatte sich in "Good Morning Britain" (GMB) am Montag und Dienstag früh dermaßen über Harrys und Meghans Fernsehinterview aufgeregt, dass er nun selbst Zielscheibe einer Beschwerde-Flut wurde und vom Sender ITV freigestellt wurde. Bei der britischen Medienaufsicht Ofcom sollen 41.000 Klagen über ihn eingelaufen sein. Das ist die zweithöchste Zahl jemals gemessener Beschwerden über einen TV-Vorfall. Seitdem läuft ein Untersuchungsverfahren, ob gegen medienrechtliche Bestimmungen verstoßen wurde. Grund dafür: Morgan hatte Meghan übel beschimpft.

    Moderator verließ Studio bei laufender Kamera

    Er glaube ihr kein Wort, so Morgan, "nicht mal, wenn sie den Wetterbericht" vorlese. Das bezog sich direkt auf Meghans Geständnis, sie habe Selbstmordgedanken gehabt und sei bei der Suche nach Hilfe und Verständnis in der königlichen Familie brüsk abgewehrt worden. "Ich bin so wütend, dass ich überkochen könnte", hatte der prominente Moderator geäußert. "Ich bin ganz krank davon, was ich gesehen habe. Das war ein zweistündiger Trash-Marathon durch unsere Monarchie und unsere königliche Familie." Laut Morgan stellten Harry und Meghan jeden anderen ihrer hochmögenden Verwandtschaft als "weißen Suprematisten" dar: "Ich glaube nicht, dass das akzeptabel ist."

    Am Montagabend hatte Morgan sarkastisch getwittert, offenkundig sei jeder, der Meghan kritisiere, ein "rassistischer Schlägertyp". Solche Äußerungen provozierten eine Lawine von Kommentaren im Netz und bittere Stellungnahmen von Verbänden, die sich enttäuscht darüber zeigten, dass Morgan über Menschen mit psychischen Problemen derart gehässig sprach. ITV sah sich auf Anfrage genötigt, eine beschwichtigende Pressemitteilung herauszugeben. Demnach unterstütze der Sender alle Bemühungen, psychisch Kranken zu helfen und sie zu ermutigen, über ihre Krankheit zu sprechen: "Es ist sehr wichtig, dass jeder, der Suizidgedanken hat, stets offen damit umgeht und dass ihm zugehört wird."

    Wüster Streit mit Co-Moderator

    Am Dienstagmorgen rastete der 55-jährige Morgan dann sogar so sehr aus, dass er in einer wilden Debatte mit seinem Co-Moderator Alex Beresford, der in der Sendung für die Wettervorhersagen zuständig ist, vorübergehend das Studio verließ. Vor laufender Kamera hatte Beresford Morgan vorgeworfen, aus gekränkter Eitelkeit so aufgebracht über Meghan zu sein: "Ich verstehe, Sie haben oder hatten eine persönliche Beziehung zu Meghan und die hat sie beendet. Das kann sie nach Belieben. Hat Sie Ihnen irgendwas gesagt, als sie keinen Kontakt mehr mit Ihnen wollte? Ich glaube nicht, aber trotzdem machen Sie sie nieder." Nach Auskunft der Sender-Chefin Dame Carolyn McCall soll das Ganze nicht inszeniert gewesen sein. Morgan twitterte hinterher, das müsse er sich nicht bieten lassen.

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    Bildrechte: Ian West/Picture Alliance

    Piers Morgan

    Der Sender ITV, dem Piers Morgan Traum-Quoten beschert hatte, verschickte lediglich eine dürre Pressemitteilung, wonach der Moderator nach "Diskussionen" mit dem Sender entschieden habe, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, GMB zu verlassen: "ITV hat die Entscheidung angenommen und dem nichts weiter zuzufügen." Wie der "Guardian" berichtet, hatte McCall geäußert, die Morgensendung von ITV solle eine "ausgeglichene Show" sein und nicht nur eine Meinung spiegeln. ITV-Moderationskollegin Lorraine Kelly, die ab neun Uhr täglich die nachfolgende Sendung moderiert, hoffte gegenüber der konkurrierenden BBC darauf, dass die Früh-Strecke "sicherlich wieder ruhiger" werde: "Wir wünschen Morgan alles Gute. Wie ich sagte, es wird jetzt geruhsamer."

    Morgan bleibt standhaft

    Morgan hatte seinen Rausschmiss am Abend lediglich mit dem Bild einer tickenden Uhr kommentiert. Am Mittwochmorgen twitterte er: "Ich sagte am Montag, dass ich Meghan Markle nichts glaube von dem, was sie im Oprah-Interview sagte. Ich hatte Zeit, über diese Ansicht nachzudenken und glaube ihr immer noch nicht. Wenn Sie es anders sehen, ok. Ich bin glücklich, auf dem Hügel der Meinungsfreiheit zu sterben. Danke für all die Liebe und den Hass. Ich bin weg, um mehr Zeit mit meiner Meinung zu verbringen." Dazu stellte er ein Bild des früheren Premierministers Winston Churchill mit dessen Zitat, manche beriefen sich auf die Meinungsfreiheit, hielte jede Art von Gegenrede jedoch für einen Frevel.

    Freund von Donald Trump

    Piers Morgan schrieb bis 1994 für Englands größte Boulevardzeitung "The Sun", wurde danach mit 28 Jahren der jüngste Chefredakteur von "News of the World" und wechselte 1995 zum linken "Daily Mirror". Bei der britischen und amerikanischen Show-Variante vom "Supertalent" war er bis 2011 gleichermaßen Jury-Mitglied. Im Januar 2011 übernahm er mit seiner Sendung "Piers Morgan Tonight" eine Abend-Show auf CNN, die er bis 2014 moderierte. Seit November 2015 sorgte der erklärte Freund von Donald Trump bei ITVs Morgen-Sendung für Top-Quoten.

    Trotz seiner Sympathien für den Ex-Präsidenten hatte Morgan Trump wiederholt vor Ego-Trips gewarnt und öffentlich aufgefordert, weniger Selbstdarsteller zu sein und sich mehr um Amerikas Probleme in der Pandemie zu kümmern. So sagte er im April letzten Jahres gegenüber seinem alten Arbeitgeber CNN: "Was mir bei Boris Johnson und Trump auffällt, ist ihre offenkundige Unfähigkeit, zu Kriegshelden zu werden. Sie spielen immer noch die alten Machtspielchen der Parteien."

    Ist Morgan sogar "Profiteur"?

    Bei der BBC hieß es in einem Kommentar, in England tobe ein "Kulturkrieg", dessen Opfer Morgans Moderationsjob geworden sei, womit ausdrücklich nicht gemeint sei, dass der Journalist selbst Opfer geworden sei. Vielmehr sei er in gewisser Weise sogar Profiteur. Weil er sich ganz offensichtlich nicht entschuldigen wollte, sei die Sache klar gewesen, zumal die Senderchefin von ITV Meghans Geständnis Glauben geschenkt habe. Ex-Fußballstar und TV-Moderator Gary Lineker zählte zu denen, die Morgan lobten: Er sei hervorragend in seinem Beruf und werde ganz sicher schon bald wieder im Einsatz sein.

    So "leicht entflammbar", meinungsstark und eitel, wie Morgan nun mal ist, dürfte diese Prophezeiung nicht sonderlich gewagt sein: Im Medienzirkus gibt es für so laute und gut vernetzte Moderatoren immer irgendwo Bedarf, zumal Morgan diesseits und jenseits des Atlantiks seine Anhänger hat.

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