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Schmiedeeisen-Tür steht halb offen

Tor vom früheren Konzentrationslager Dachau

Bildrechte: Robert B. Fishman/Picture Alliance
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    Britische Kunst-Performerin will Tor von KZ Dachau nachbilden

    Die Künstlerin Rachel Mars, die auch als Schweißerin ausgebildet wurde, plant unter dem Titel "Forge" eine möglichst genaue Kopie der berüchtigten Eingangstür des ehemaligen Lagers anzufertigen. Sie will damit die Erinnerungskultur hinterfragen.

    Von
    Peter JungblutPeter Jungblut
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    Das Tor des früheren Konzentrationslagers Dachau machte schon mehrfach Schlagzeilen. Am 2. November 2014 wurde es von einem bis heute Unbekannten gestohlen und tauchte zwei Jahre später mysteriöserweise in der Nähe der norwegischen Stadt Bergen wieder auf, allerdings von Rost schwer beschädigt. Es soll demnach längere Zeit den Witterungseinflüssen ausgesetzt gewesen sein. Zwischenzeitlich war vom Kunstschlosser Michael Poitner aus Biberbach eine Replik angefertigt worden, die heute in Dachau an Ort und Stelle am "Jourhaus", dem Eingangsgebäude, zu sehen ist. Das Original dagegen befindet sich seit der Restaurierung 2017 in einer Vitrine am Ende der Dauerausstellung, wie die Gedenkstätte Dachau dem BR aktuell bestätigte.

    "Ich werde mich mit Zerfall befassen"

    Jetzt will sich die britische Künstlerin Rachel Mars unter dem Titel "Forge" mit dem wegen seiner zynischen Inschrift "Arbeit macht frei" berüchtigten Tor befassen. Sie will den Einfluss solcher Objekte auf die Erinnerungskultur analysieren, und zwar ausdrücklich mit Bezug auf die Gegenwart: "Ich werde fragen, was und für wen diese Mahnmale sind, was aus Orten werden sollte, wo traumatische Ereignisse stattfanden und wer darüber entscheidet. Ich werde mich mit Zerfall befassen, mit der weihevollen Atmosphäre und unserer Verantwortung für unsere Gegenwart", heißt es auf der Homepage von Mars. "Ich werde mit Schweißerinnen und Metallarbeiterinnen zusammenarbeiten, mit Wissenschaftlern, die sich mit 'Trauma-Tourismus' befassen, mit Mahnmal-Architekten und Kuratoren."

    Stand Großbritannien auf der "guten Seite"?

    Innerhalb von drei Tagen will Mars in einem Kunstzentrum im englischen Leeds das Tor von Dachau so genau wie möglich kopieren. Für Zuschauer soll Schutzausrüstung bereitliegen, so dass sie den Schweiß-Arbeiten aus nächster Nähe folgen können. Wie es im "Guardian" heißt, kamen die jüdischen Großeltern von Mars im August 1939 nach Großbritannien: "Ich glaube, es gibt eine Wendung beim Umgang des Vereinigten Königreichs mit dem Holocaust, wonach es auf der guten Seite stand. In gewisser Weise war das tatsächlich so - meine Großeltern kamen hier an. Aber der Grund, dass es die 'Kindertransporte' gab, war, dass sie Erwachsene damals nicht reinließen." Sie wolle mit ihrer Aktion auch den aktuellen Umgang Englands mit Einwanderern und Flüchtlingen zum Thema machen, so Mars.

    Die Buchstaben wurden schon 1965 ersetzt

    "Wieviel Erinnerung ist in diesen Dingen enthalten?" fragt die Künstlerin, die das Schweißen als "meditativ" bezeichnete und mit ihrer Leidenschaft für das Bogenschießen verglich: "Es erfordert viel Vorbereitung für einen winzigen Augenblick Arbeit. Es ist unglaublich konzentriert, Sie können an nichts anderes denken." Schauplatz der Kunstaktion ist übrigens eine neue, 1000 Quadratmeter große Halle im mittelenglischen Leeds, das "Testbed", wo die Stadt zeitgenössische Produktionen zeigen will.

    Mars hat sich als Jüdin nach eigenen Worten vorerst dagegen entschieden, die Gedenkstätte in Auschwitz zu besichtigen: "Und zwar deshalb, weil ich das Gefühl habe, sie befindet sich auf meinem Abendbrot- und Frühstückstisch und deshalb muss ich nicht hinfahren, aber ich ringe noch mit mir."

    Das Original-Tor des früheren Konzentrationslagers Dachau mussten 1936 Häftlinge auf Anweisung der SS herstellen. Der aus politischen Gründen damals einsitzende Karl Röder, ein gebürtiger Nürnberger und überzeugter Kommunist, fertigte die Inschrift an, deren Buchstaben jedoch nach Kriegsende entfernt worden waren. 1965 wurden sie durch eine Nachbildung ersetzt. Röder überlebte Dachau und die Abkommandierung in eine SS-Strafeinheit, die Minen räumen musste.

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