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Mahnender Finger: Elton John

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    Brexit-Ärger: Britische Künstler werfen Regierung Versagen vor

    Angst um das Tourneegeschäft: Mehr als 100 Stars schlagen mit einem Offenen Brief in der "Times" Alarm und warnen vor einem "Absturz", weil sie künftig für grenzüberschreitende Auftritte teure Visa benötigen. Vor allem junge Künstler würden leiden.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Nicht von ungefähr beantragten in den letzten Monaten zahlreiche britische Künstler die deutsche Staatsbürgerschaft, darunter auch Star-Dirigent Simon Rattle. Durch den Brexit wird für Künstler die Arbeit diesseits und jenseits des Kanals deutlich komplizierter – und teurer. Wer als Nicht-EU-Bürger auf dem Kontinent arbeiten will, benötigt künftig Visa, und zwar für jedes einzelne EU-Land ein eigenes. EU-Bürger, die auf der Insel beruflich tätig sein wollen, brauchen umgekehrt auch ein britisches. Vor allem Nachwuchskünstler würden darunter erheblich leiden, heißt es in einem jetzt in der Londoner "Times" veröffentlichten Offenen Brief von zahlreichen Stars des Musikgeschäfts, darunter neben Rattle auch Sting, Elton John, Ed Sheeran und Roger Waters.

    "Da klafft ein Loch im Vertrag"

    Sie klagen in der Anzeige, die von den Liberaldemokraten angeregt wurde, dass sie von der britischen Regierung "beschämend hintergangen" worden seien: "Im Vertrag mit der EU klafft dort, wo die Freizügigkeit für Musiker geregelt sein sollte, ein großes Loch. Jeder, der eine Europa-Tour plant, braucht jetzt kostspielige Genehmigungen und muss einen Berg von Papierkram abarbeiten." Vor allem junge, aufstrebende Musiker, die ohnehin schon wegen der Pandemie wirtschaftliche Probleme hätten, würden sich damit schwer tun. Es müssen ja nicht nur Visa für die Künstler auf der Bühne beantragt werden, sondern für den gesamten technischen Stab.

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    Bildrechte: Markus Konvalin/dpa-Bildunk

    Ed Sheeran: Aufregung um Brexit

    Die Unterzeichner fordern die Regierung auf, "dringend zu tun, was sie versprochen hat und genehmigungsfreies Reisen für britische Künstler und ihre Mitarbeiter in Europa" zu ermöglichen.

    Für Europa-Tour werden fast 500 Dollar pro Mitarbeiter fällig

    Allein in Deutschland kostet ein Arbeits-Visum derzeit 75 Euro. Das amerikanische Branchen-Fachblatt "Variety" rechnete aus, dass da europaweit mindestens 478 Dollar pro Mitarbeiter fällig würden. Kein Wunder, dass eine Petition, die Visafreiheit zwischen Großbritannien und der EU fordert, bereits rund 264.000 Unterstützer fand.

    Der britische Kulturminister Oliver Dowden hat sich zur einer Diskussion mit betroffenen Künstlern bereit erklärt. Zuvor hatte Caroline Dinenage, die Ministerin für Medien, Sport und Digitales, allerdings freimütig erklärt, Großbritannien habe ein "sehr großzügiges Angebot" der EU, was die Visafreiheit betreffe, abgelehnt, um die "Kontrolle über die eigene Grenze zurückzuerhalten". Nach Medienberichten hatte die EU angeboten, Arbeitsaufenthalte von bis zu neunzig Tagen visafrei zu ermöglichen. Die britische Regierung soll jedoch auf einer Frist von maximal dreißig Tagen bestanden haben.

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