BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© Karl-Josef Hildenbrand/Picture Alliance
Bildrechte: Karl-Josef Hildenbrand/Picture Alliance

Alexander Gauland und Erika Steinbach

Per Mail sharen

    Böhmermann zu AfD-naher Stiftung: "Sache hat einen fiesen Haken"

    Weil die AfD zum zweiten Mal in den Bundestag eingezogen ist, hofft die ihr nahestehende Desiderius-Erasmus-Stiftung auf Millionen aus der Staatskasse. Der ZDF-Satiriker hält die Einrichtung dagegen für rechtsextrem und verfassungsfeindlich.

    Von
    Peter JungblutPeter Jungblut
    Per Mail sharen

    "Stiftung klingt erst mal so spannend wie ein Brunch mit Thea Dorn, aber für die AfD ist Stiftung ein richtiges Zauberwort, das echt viel Cash verspricht", so Jan Böhmermann in seinem neuen "Magazin Royale": "Weil sie zum zweiten Mal in den Bundestag gewählt wurden, könnten unsere lieben Nazis jetzt richtig reich werden, denn es winkt viel, viel Steuergeld für die Desiderius-Erasmus-Stiftung.“ Tatsächlich hatte der prominente Parteirechts-Experte Martin Morlok kürzlich in der "Frankfurter Rundschau" erklärt, die Stiftungen bekämen ihr Geld in Abhängigkeit von den Wahlergebnissen ihrer Bezugsparteien, "allerdings nicht unmittelbar entsprechend dem letzten Wahlergebnis", sondern da habe man "einen Durchschnitt über die letzten drei bis vier Legislaturperioden". Ab nächstem Jahr könnten "so etwa sieben Millionen Euro" fließen, erhofft Stiftungschefin Erika Steinbach, später sogar 14 Millionen jährlich. Bisher musste sich die Erasmus-Stiftung ganz allein aus Spendenmitteln finanzieren.

    "Dann kann das jeder Depp"

    Am letzten Wochenende habe sich die "Creme de la Creme" der Stiftung "ganz unauffällig" zur Vorstandswahl getroffen, so Böhmermann, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und zwar im Frankfurter Rotlichtviertel: "Rechtsextreme wollen mit einer Stiftung jetzt den Bildungsbereich unterwandern." Zwar klinge eine "Stiftung" erst mal "super seriös", doch Böhmermann ahnte: "Die gute Nachricht: Wenn Rechtsextreme jetzt Wissenschaft machen, dann kann das wirklich jeder Depp."

    Prompt gab er ein Kurzseminar als Professor der "FH Lerchenberg", bekanntlich die Adresse des ZDF in Mainz: "Es gibt kein Gesetz, das politische Stiftungen in Deutschland zu Transparenz verpflichtet." Der Namenspatron der AfD-Stiftung, Erasmus von Rotterdam (ca. 1466 – 1536) wurde als "Antisemit" und Islam-Kritiker bezeichnet und auch sein berühmtes Porträt ließ Böhmermann nicht gelten: "Ein Dude, der aussieht wie Edmund Stoiber, der im Rotweinrausch an seinem 80. Geburtstag in den Kleiderschrank von Puff Daddy gefallen ist. Warum findet die AfD ausgerechnet den so gut?"

    © Christoph Hardt/Picture Alliance
    Bildrechte: Christoph Hardt/Picture Alliance

    Umstritten: "AfD-Philosoph" Marc Jongen

    "Bildung, Völkerverständigung, Toleranz und Nazis zusammenbringen: Welches Mastermind ist denn in der Lage, diesen intellektuellen Spagat hinzubekommen?" Der ZDF-Satiriker tippte auf Erika Steinbach, die "fünfte, böse Stiefschwester der Jacob-Sisters, freiwillig aus der Band ausgetreten, weil die Pudel ihr zu links waren". Sie sei mit neunzig Prozent Zustimmung zur alten und neuen Vorsitzenden gewählt worden und habe anschließend für "25,90 Euro" im Hotel Monopol "Seezunge mit Zitronensoße" gespeist.

    "Das echte Christkind war eine Person of Colour"

    Böhmermann kam darauf zu sprechen, dass Erika Steinbach 2017 ein Werbeplakat des "Elmshorner Lichtermarkts" kritisiert hatte, weil darauf ein schwarzes Kleinkind zu sehen war: "Erika Steinbach ist außer sich vor Wut wegen eines schwarzen Christkindes. Sorry, dass sie es von mir erfahren muss, aber das echte Christkind, Jesus von Nazareth, war eine Person of Colour. Frohe Weihnachten!"

    Die Kartoffelsuppe in Frankfurt sei übrigens etwas versalzen gewesen, womit Böhmermann Insider-Kenntnisse nahelegte: "Parteinahe Stiftungen dürfen in Deutschland Millionen ausgeben, ohne sich rechtfertigen zu müssen, wofür. Das hat bislang keine Stiftung und keine Partei gestört. Aber jetzt sind die Nazis da und möchten auch ran an das viele schöne Stiftungsgeld. Und die AfD ist eben leider keine demokratische Partei wie alle anderen."

    © Heritage Art/Picture Alliance
    Bildrechte: Heritage Art/Picture Alliance

    Erasmus-Porträt von Hans Holbein dem Jüngeren

    Und so gebe es einen Hebel, der betätigt werden könne, um die AfD-nahe Stiftung von Staatsmitteln auszuschließen: "Die Sache mit der Stiftung hat einen fiesen Haken. Wenn man Geld bekommen will, muss man sich leider ans Grundgesetz halten." Ob das für Leute gilt, die behaupten, Deutschland habe den Ersten Weltkrieg nicht verloren, sondern in gewisser Weise sogar gewonnen, wie in einem Einspieler zu sehen war, ließ Böhmermann offen. Jedenfalls ging er mit Vordenkern der AfD wie Marc Jongen und Karlheinz Weißmann scharf ins Gericht: "In der Stiftung tummeln sich Rechtsextreme, die sehr viel Energie aufwenden, öffentlich nicht rechtsextrem rüber zu kommen." Solche Aktivisten "pushten rechtsradikale Ideen unauffällig in die Mitte der Gesellschaft".

    "Scheinwissenschaftler mit schlimmen Frisuren"

    Ausgestattet mit Intellektuellen-Brille und im Outfit eines TV-Lehrers fasste Böhmermann vor "Schülern" im Studio sein Urteil über die Desiderius-Erasmus-Stiftung zusammen: "Ein Konglomerat aus geschichtsrevisionistischen, antisemitischen, rechtsextremen Scheinwissenschaftlern mit schlimmen Frisuren und es stellt somit eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung dar. Ein Haufen Nazis mit Doktortitel will mit der Erasmus-Stiftung unter dem Deckmantel der Wissenschaft rechtsextreme und verfassungsfeindliche Ideen in unsere Gesellschaft tragen."

    Leider zögerten die demokratischen Parteien, etwas zu tun, weil sie selbst davon profitierten, dass es "für parteinahe Stiftungen keine klaren Regeln gibt": "Es ist ja auch geil, einfach so die Scheine zum Fenster rauszuwerfen, ohne sich rechtfertigen zu müssen."

    Und auch diesmal nannte Böhmermann für seine Fans eine Netzadresse, wenn sie mehr über das Thema Desiderius-Erasmus-Stiftung erfahren wollten: Fragdenstaat.de/des.

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

    Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!

    Schlagwörter