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Umstrittenes Straßenschild in Coburg

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    Böhmermann legt nach: Coburger Familie Brose abermals Thema

    Anfang November hatte der ZDF-Satiriker für Wirbel gesorgt, weil er der Coburger Unternehmer-Dynastie vorwarf, sie habe die Stadt unter Druck gesetzt, um den Firmengründer zu ehren, obwohl der "Nazi" gewesen sei. Jetzt folgte die Fortsetzung.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Die äußerst strittige Debatte in Oberfranken lässt Jan Böhmermann offenkundig nicht los: Abermals knöpfte er sich die Coburger Unternehmer-Familie Brose vor. Zum Auftakt seines „Magazin Royale“ im ZDF-Hauptprogramm hatte der Satiriker am 7. November die Nazi-Verstrickungen des Fabrikanten Max Brose (1884 – 1968) ausführlich dargestellt. Daraufhin reagierten Coburger Kommunalpolitiker und ein Sprecher der Stadt, nicht jedoch die Nachfahren des Unternehmensgründers. Jetzt ließ sich Böhmermann von einem fiktiven Postboten einen „Brief“ aus Coburg zustellen. Inhalt: Kritik an seiner Satire. Illustriert wurde das mit einer Schlagzeile von BR24 vom 7. November: "So ätzte Jan Böhmermann über die Coburger Familie Stoschek".

    Haben die "reichen Nachfahren" Coburg "erpresst"?

    Der Moderator dazu: „Ich soll gegen die Familie ‚geätzt‘ haben? Ich habe doch nur gesagt, dass die reichen Nachfahren des Nazis Max Brose die Stadt Coburg erpresst haben, eine Straße nach Max Brose zu benennen, obwohl der ein Nazi war.“ Ausführlich würdigte Böhmermann mit Hinweis auf die BR24-Berichterstattung die offizielle Stellungnahme der Stadt Coburg. Deren Sprecher hatte gesagt: "Satire dürfe alles, sie dürfe auch zuspitzen und es mit den Fakten mal nicht ganz so genau nehmen."

    Der ZDF-Star antwortete darauf: "Entschuldigung, was heißt denn, wir nehmen es mit den Fakten nicht genau?" Daraufhin fing er sich einen Klaps von einem Statisten ein und setzte fort: "Das ist eine absolute Frechheit ich bin Journalist und arbeite beim ZDF. Ich bin Kulturjournalist im weitesten Sinne, und die sagen, ich würde es mit den Fakten nicht so genau nehmen, oder was?"

    "Coburg ist cool, Coburg ist woke"

    Umgehend waren ein Blatt Papier und ein Stift zur Hand, um einen "Antwortbrief" zu schreiben. Böhmermann las laut vor: "Liebe Stadt Coburg, ich möchte mich für die satirische Zuspitzung beim Thema ‚Der Nazi Max Brose‘ in aller Form bei Ihnen entschuldigen. Sie haben Recht! Der Nazi Max Brose war natürlich kein Nazi, da habe ich natürlich das Satiremagazin 'Süddeutsche Zeitung' falsch verstanden. Max Brose war kein Nazi, sondern ein ‚early adopter‘, deswegen war er auch schon seit 1933 Mitglieder der NSDAP. Außerdem: Max Brose kann kein Nazi gewesen sein, weil er vom NS-Kraftfahrkorps nur als 'guter Nationalsozialist' bezeichnet wurde und nicht als sehr guter Nationalsozialist."

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    Umstrittene Familie: Firmensitz Brose in Coburg

    Böhmermann ging auch auf den Streit um das Coburger Wappen ein, das den Kopf des heiligen Mauritius zeigt, auch als "Coburger Mohr" bekannt: "Ich schwöre auf das ganz und gar unproblematische und sehr zeitgemäße Wappen der Stadt Coburg: Coburg ist cool, Coburg ist woke, Coburg weiß, wie man es macht im Jahr 2020. Für meine völlig unzulässige satirische Überspitzung, nach der das Straßenschild der Max-Brose-Straße geklaut wurde, möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Riesen-Sorry, #boomercringe."

    Und weil Ende November ein 22- und ein 18-jähriger ein "Max-Brose"-Straßenschild abgeschraubt haben, ließ Böhmermann ein "neues" anfertigen, allerdings mit etwas anderem Text: "Max-Brose-did-nothing-wrong-Straße". Das Blech passte augenscheinlich aber nicht ganz exakt in den Papierumschlag für den Brief.

    "Heiligsprechung" durch "Kardinal Woelkchen"

    "Ich habe ferner bei Kardinal Woelkchen, dem Kölner Ernst-Bischof beantragt, Max Brose heilig zu sprechen, der heilige Sankt Brosius. Daumen drücken, hoffentlich klappt´s", setzte Böhmermann nach und unterzeichnete mit der "hässliche Typ nach der heute-Show". Dazu wurde eine Schlagzeile der "Süddeutschen" vom 16. April 2015 eingeblendet, wonach Max Brose "ein Exemplar der reichsweit ersten Hitler-Büste gehabt" habe.

    Die Firma Brose produziert Fahrzeugteile. Der Unternehmensgründer leitete die Firma sechzig Jahre lang. Von 1933 bis 1945 war er Mitglied der NSDAP und ab 1938 bis 1945 "Wehrwirtschaftsführer". Im Entnazifizierungsverfahren nach 1945 wurde Brose zunächst als "Minderbelasteter" eingestuft, obwohl er als "Belasteter" angeklagt worden war. Nach einer Berufung wurde Brose nur noch als "Mitläufer" bezeichnet. Bis heute gibt es Diskussionen über seine tatsächlichen Verstrickungen in den NS-Staat.

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