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Böhmermann: "Goldener Coroni" für Querdenken-Initiator Ballweg | BR24

© Rolf Vennenbernd/BR Bild

Jan Böhmermann

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    Böhmermann: "Goldener Coroni" für Querdenken-Initiator Ballweg

    In seiner letzten Sendung vor der Weihnachtspause widmet sich der ZDF-Satiriker dem ausgesprochen lukrativen Geschäftsgebaren von "Querdenken". Dessen Basis ist ein Webshop und die Bitte um "Schenkungen". Mit dabei: Bus-Unternehmer und Esoteriker.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Auch im Kalenderjahr 2020 gibt es 58.000 neue Millionäre in Deutschland, so ZDF-Satiriker Jan Böhmermann unter Berufung auf den Welt-Wohlstandsbericht vom Oktober: "Geld benötigt kein Intensivbett." Und deshalb war der Großteil seiner letzten Sendung vor Weihnachten der Verleihung des "Goldenen Coroni" gewidmet. Der Fantasie-Preis für den "Corona-Unternehmer des Jahres" ging an Querdenken-Initiator Michael Ballweg. Während das Magazin Focus den Mann als "Empörungsmaschine" bezeichnet, ist er bei Böhmermann ein "Key Opinion Leader" mit einem gut laufenden Webshop. Als solcher sei Ballweg geradezu das "Portemonnaie" von Querdenken.

    "Sportliche Neonazis und Esoteriker"

    Wie das genau geht mit dem Geldverdienen an Corona-Leugnern, das erläuterte Böhmermann dann in aller Ausführlichkeit. So hat sich Ballweg beim Marken- und Patentamt die Bezeichnung "Querdenken" mit den vorangestellten Telefon-Vorwahlen von zahlreichen deutschen Städten schützen lassen, auch denen von München, Nürnberg und Augsburg. Dazu Böhmermann: "Sportliche Neonazis, Esoteriker, ein paar Janas aus Kassel und ganz normale Verrückte: Wie kriegt Michael Ballweg die thematisch unter einen Hut? Gar nicht, braucht er auch gar nicht, denn er redet zwar seit Monaten in Deutschlands Fußgängerzonen über Politik, aber Querdenken ist gar nicht politisch." Zum "Beweis" wurde eine entsprechende Meinungsäußerung von Ballweg eingespielt.

    © Sachelle Babar/Picture Alliance

    Michael Ballweg in Aktion

    Der geschäftstüchtige Mann, der auch bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart antrat und dabei 1,2 Prozent der Stimmen bekam, legt Wert darauf, dass Querdenken weder ein Verein, noch eine Partei ist, sondern eine "Initiative" – die am liebsten auch keine Spenden annimmt, sondern "Schenkungen". Böhmermann klärte auf: Anders als Vereine unterliegen "Initiativen" praktisch keinerlei rechtlichen Regeln, und anders als bei Spenden kann der Empfänger von Schenkungen mit dem Geld ohne jede Rechenschaftspflicht machen, was er für richtig hält. Bis zu 20.000 Euro sind Schenkungen von Nicht-Verwandten sogar steuerfrei.

    "Faktenabweisender Breaker" für kühle Tage

    Da es im Querdenken-Shop "67 Jacken, Mützen und T-Shirts" gebe, auch einen "faktenabweisenden Gegenwind-Breaker", dürfte das Geschäft brummen. Kein Wunder, dass alle möglichen anderen mitverdienen wollen. Böhmermann nannte den Reutlinger Esoterik-Guru Thomas Hornauer ("sieht aus wie Herr von Bödefeld aus der Sesamstraße"), der mit Flirt- und Astrolines reich und bekannt wurde, den "Kanal Telemedial" und in Thailand ein "spirituelles Dorf" betrieb und zeitweise Edelsteine in einem "globalen Lichtkristallzentrum" in Plüderhausen verhökerte.

    Auch der Wiener Busunternehmer Alexander Ehrlich ("Honk for Hope") war zu sehen, wie er eine "neue Kooperation" mit Querdenken ausrief. Dazu gab Böhmermann die Info, dass nach Experten-Aussagen allein die Querdenken-Demos in Berlin den beteiligten Busunternehmern runde 300.000 Euro eingebracht haben dürften: Ein "tolles Geschäftsmodell".

    © Eventpress Hoensch/Picture Alliance

    Anwalt Reiner Füllmich bei Querdenken-Demo in Berlin

    Das gilt nach Böhmermann auch für den Anwalt Reiner Füllmich, der sich selbst als "keinen Verschwörungstheoretiker" bezeichnet (der Satiriker: "Stimmt, er ist Verschwörungspraktiker") und für eine "geringe Gebühr" von 928 Euro seinen Kunden Schadenersatzprozesse in den USA anbietet. Allein mit dem "High-Risk"-Versprechen soll er laut ZDF-Satiriker bisher etwa 1,3 Millionen Euro eingenommen haben. Gute Umsätze dürfte auch die Yoga-Lehrerin Sonja Erdmann machen, die ebenfalls im Netz fleißig um "Schenkungen" wirbt und zum Beispiel "Energieausgleich" feilbietet. Unter www.Querschenken.company verspricht Böhmermann Details zu all diesen bizarren Geschäftsmodellen.

    Röttgen und Spahn lieben "Ring-Leuchten"

    Wie "Weihnachten in der Hölle“ ist, verriet der Moderator übrigens auch: Mit den CDU-Kandidaten für den Parteivorsitz gemütlich am runden Tisch zu sitzen. Dabei fiel Böhmermann auf, dass speziell Norbert Röttgen und Jens Spahn besonderen Gefallen an "Ring-Leuchten" gefunden haben, die jeden Auftritt vor dem heimischen Smartphone-Bildschirm lichttechnisch aufwerten.

    Und weil das Jahr 2020 mit einem Eklat um den WDR-Kinderchor begonnen hat ("Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad und ist 'ne alte Umweltsau"), durfte ein Kinderchor auch das Jahr beenden. Inhalt des neuen Songs waren so einprägsame Zeilen wie "Meine Oma weiß, es gibt gar kein Corona" oder "Meine Oma feiert Après-Ski in Ischgl", hat bei "Telegram 'ne Gruppe und das Klima ist ihr schnuppe".

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