BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Böhmermann geht auf Profi-Fußball los: "Schreitet niemand ein?" | BR24

© BR
Bildrechte: Bozzani/Picture Alliance

Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern wird im neuesten "Magazin Royale" für "15 Jahre Kopfballtraining am Uhrenkasten" geschmäht, der DFB wegen Steuer-Ärger verspottet, das ganze Profigeschäft als "dreister Lobbyismus" gebrandmarkt.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Böhmermann geht auf Profi-Fußball los: "Schreitet niemand ein?"

Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern wird im neuesten "Magazin Royale" für "15 Jahre Kopfballtraining am Uhrenkasten" geschmäht, der DFB wegen Steuer-Ärger verspottet, das ganze Profigeschäft als "dreister Lobbyismus" gebrandmarkt.

Per Mail sharen
Von
  • Peter Jungblut

Obwohl Jan Böhmermann nach eigener Aussage mal im Bremer Stadtteil Vegesack auf dem Fußballplatz stand, gehört er ganz offenkundig nicht zu denen, die das Mannschaftsspiel in der Pandemie für absolut unverzichtbar halten. Jedenfalls ging er in der neuesten Ausgabe des "Magazin Royale" ziemlich rabiat auf die "Sonderregeln" für den Profi-Fußball los: "Ich habe mir viele tiefgehende Gedanken über Fußball gemacht, was erklärt, dass es nicht für die Bundesliga gereicht hat. Körperlich hätte ich es geschafft, aber der Kopf hat zugemacht." Speziell FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge dürfte wenig Freude an dieser Sendung haben. Er wurde als "vorbestrafter Uhrensammler" bezeichnet, der "im Nebenberuf Vorstandsvorsitzender der Bayern München AG" sei.

"Fußball geht über Flugsicherheit"

Böhmermann machte sich über Rummenigges Ausspruch lustig, wonach Profifußballer beim Impfen gegen Covid-19 "Vertrauen schaffen" könnten: "Wenn eine 73-jährige Lungenkranke hört, Leroy Sané wurde geimpft, dann nimmt sie doch sofort eine ganz andere Körperhaltung ein, wenn sie dann in vier Monaten selbst dran ist." Auch die Reise des FC Bayern zur Club-WM nach Qatar ist dem ZDF-Satiriker ein Dorn im Auge, speziell mit Blick auf die schwierigen Transportbedingungen in Europa: "Wenn unsere Impfvorbilder in Qatar bei der tollen Club-WM spielen, dann zaubert das doch den Brummi-Fahrern im Zwölf-Kilometer-LKW-Grenzstau sicherlich ein Lächeln ins Gesicht."

Dass sich die Fußballer vom FC Bayern aufregten, weil sie wegen eines Nachtflugverbots zunächst nicht in den Nahen Osten starten konnten, kommentierte Böhmermann so: "Profifußball steht über Flugsicherheit. Ist nicht ganz auf einem Level mit dem Herrgott, aber schon ziemlich dicht dran, denn Profi-Fußball ist wichtig für Deutschland." Und der Vorstandschef bekam auch noch gleich eine "Watsche": "Schön zu sehen, dass fünfzehn Jahre Kopfballtraining am Uhrenkasten an Karl-Heinz Rummenigge nicht spurlos vorbeigegangen sind." Der Fußball jedenfalls rolle "nicht, weil er systemrelevant wäre, sondern wegen Fußball-Lobbyisten wie ‚Nasen-Karl-Heinz‘, die so rücksichtlos auf Regeln scheißen und hart an Nerven sägen, bis die Politik am Ende sagt, wisst ihr was, ist doch egal, dann macht doch was ihr denkt."

© Kunz/Augenblick/Picture Alliance
Bildrechte: Kunz/Augenblick/Picture Alliance

Austausch von Geschenken: Rummenigge 2004

Was die oft genannte wirtschaftliche Bedeutung des Profi-Fußballs betrifft, verwies Böhmermann zwar auf die "60.000 Sendeminuten" pro Saison für die Fernsehsender, die den Vereinen 1,5 Milliarden Euro im Jahr einbrächten, aber auch darauf, dass Theater, Konzerthäuser und Opern mit 8,8 Milliarden Umsatz jährlich wirtschaftlich doppelt so bedeutsam seien wie der Fußball: "Ich habe noch kein Privatflugzeug mit 22 Veranstaltungstechnikern, Bühnenbauern oder Orchestermusikern gesehen, die sich in Qatar eine Siegprämie von vier Millionen Euro abgeholt haben."

"Dreiste Lobbyisten"

Obwohl Rummenigge selbst auf einer Pressekonferenz abgestritten hatte, für den Fußball eine "Sonderrolle" zu fordern, sagte der ZDF-Moderator: "Es ist eine Sonderbehandlung, organisiert von ziemlich dreisten Lobbyisten, die wir nur deshalb nicht für dreiste Lobbyisten halten, weil sie das Tor des Monats im Juli 1981 geschossen haben." Eine Anspielung auf Rummenigges Tor am 19. Juli 1981 im Fußballturnier in Aachen "Bayern München - FC Brügge", als er der 57. Min. zum 4:0 traf.

Das Nahost-Emirat Qatar kritisiere Rummenigge nur "hinter vorgehaltener Rolex", das hänge aber sicher nicht mit den "zehn Millionen Euro" zusammen, die Qatar Airways für die Werbung auf den Ärmeln der FC-Bayern-Trikots zahle: "Gibt es denn niemanden, der einschreitet, wenn Lobbyismus und Klüngel im deutschen Profi-Fußball aus dem Ruder laufen?" Selbstredend bekam auch der Deutsche Fußballbund (DFB) sein Fett weg: "Inzwischen weiß niemand mehr, wo der gemeinnützige DFB aufhört und das kommerzielle Milliarden-Business DFL anfängt, nicht mal das Finanzamt blickt da noch durch und kommt deshalb auch zu Besuch." Eine Anspielung auf eine Steuerrazzia 2015 und auf eine Steuerzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro im Jahr 2017. Zu sehen waren auch Schlagzeilen wie die aus dem "Spiegel" vom 8. Februar 2019: "Lustreisen und Saufgelage der DFB-Spitze: 20.000 Euro für eine Geburtstagsfeier".

© Sven Hoppe/Picture Alliance
Bildrechte: Sven Hoppe/Picture Alliance

Jan Böhmermann

Dass DFB-Präsident Fritz Keller, der „ehrenamtlich“ tätig ist, 246.000 Euro brutto "Aufwandsentschädigung" erhält, nervte Böhmermann ebenso, wie die Einmischung von Deutschlands größter Boulevardzeitung in die Fußball-Geschäfte: "Bild und der Fußball sind aufeinander angewiesen wie die Sauce Hollandaise auf den Spargel." Das Blatt sitze "nicht auf der Pressetribüne, sondern spielt mit". Böhmermann fragte nach der Rolle der Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder bei der Lockerung für den Profi-Fußball im vergangenen Frühjahr und suggerierte, es habe mit Beteiligung der Bild-Zeitung hinter den Kulissen Absprachen gegeben. Aus der bayerischen Staatskanzlei wurde dazu folgende schriftliche Antwort eingeblendet: "Herr Ministerpräsident Dr. Söder hat am 20. April 2020 auf Anfrage von 'BILD Live" ein Interview gegeben. Im Vorfeld dazu fand – wie bei verschiedenen Medien üblich – ein redaktionelles Vorgespräch statt."

"Verfassungsschutz freut sich auf AfD"

Nebenbei hatte Böhmermann auch noch Zeit, die Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz zu ironisieren: "Im Verfassungsschutz freut man sich, nach einem Jahr Social Distancing endlich wieder seine alten Freunde zu treffen." Obwohl bei den Schlapphüten "gerade Home-Office" angesagt sei: "Die Spülmaschine läuft, das Gulasch steht auf dem Herd, nebenbei die kleinen Spione beobachten und jetzt auch noch die AfD im Auge behalten, was denn noch?" AfD-Funktionäre müssten auf der Hut sein: "Es könnte eine Wanze an ihrer SS-Uniform kleben - ab sofort."

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang