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Kultur

"Blindes" Vertrauen: Wie eine Assistentin die Augen ersetzt | BR24

© BR / Markus Kaiser

VdK-Präsidentin Verena Bentele und ihre Referentin Laura Bürzer

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    "Blindes" Vertrauen: Wie eine Assistentin die Augen ersetzt

    Sie hilft bei der Orientierung in großen, lauten Räumen, stellt Blickkontakte her und vermittelt Gesprächspartner. Laura Bürzer ist Blinden-Assistentin und persönliche Referentin von Verena Bentele, der Präsidentin des Sozialverbands VdK.

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    Vegetarisches Essen - das verbindet Verena Bentele und Laura Bürzer. Wenn sie zusammen essen gehen, dann darf es auch ein veganes Restaurant sein, wie an diesem Abend in München. "Ich kann das Schnitzel empfehlen", lacht Laura Bürzer, die die VdK-Präsidentin auf allen Terminen begleitet. Das Schnitzel sei ja aus Soja.

    Räume beschreiben, Gesprächspartner vermitteln

    "Meine Arbeits-Assistenten brauche ich dafür, dass sie mir die Augen ersetzen", erklärt Verena Bentele. Dazu gehört das Vorlesen der Speisekarte im Restaurant, aber auch die Beschreibung der Umgebung oder das Herstellen von Kontakten zu Menschen, die mit Verena Bentele ins Gespräch kommen wollen. Laura Bürzer macht diesen Job seit knapp einem Jahr, aber wirkt routiniert und locker im Umgang mit ihrer Chefin.

    "Wovor ich Angst habe, ist, dass sie stolpert und sich weh tut, wenn ich gerade mal nicht aufpasse", sagt Laura Bürzer. Doch bisher sei so etwas noch nicht vorgekommen. Im Alltag braucht Verena Bentele keine Assistenten, wenn es zum Beispiel darum geht, von A nach B zu kommen. Doch im Beruf, wenn es schneller gehen muss, sind sie notwendig. Auch während ihrer Karriere als Biathletin hatte sie Begleitläufer auf Skiern, die ihr den Weg zeigten. Im rasanten Schritt lässt sie sich heute von Laura Bürzer zur S-Bahn führen. Es geht nach Maisach zu einem politischen Neujahrsempfang, wo die VdK-Präsidentin eine Rede halten soll.

    Absolutes Vertrauensverhältnis

    Auf der Fahrt besprechen die beiden den Abend: Welche Gäste kommen und wer will vielleicht mit Verena Bentele ein wichtiges Gespräch führen? Laura Bürzer muss den Ablauf des Abends und die Namen der Gäste parat haben. Für die 25-jährige ist das kein Problem. Sie ist politisch interessiert und war vor ihrer Zeit beim VdK unter anderem im Europaparlament tätig. Studiert hat sie interkulturelle Kommunikation. Als Referentin bereitet sie auch die Termine und Reden von Verena Bentele mit vor.

    "Um einen Abend richtig koordinieren zu können, muss ich die Eckdaten wissen, wann fängt es an, wer kommt, was wird von Verena Bentele erwartet, wie lange geht der Abend? Das frage ich im Vorfeld ab und teile es ihr mit, wenn es soweit ist." Laura Bürzer, Referentin der VdK-Präsidentin

    Neben fachlichen Fragen ist auch das Erscheinungsbild der VdK-Präsidentin ein Thema: Sitzt die Kleidung und die Frisur, passt die Farbe des Lippenstifts? "Es ist ein absolutes Vertrauensverhältnis", sagt Verena Bentele. "Die Assistentin kriegt sehr viel von mir mit und sagt mir natürlich auch mal, wenn ich irgendwo ein Haar habe, das da nicht hingehört."

    Im Hintergrund bleiben, aber stets zur Stelle sein

    In Maisach begleitet Laura Bürzer ihre Chefin zum Eingang der Veranstaltungshalle, wo sie vom zweiten Bürgermeister begrüßt werden. Die Assistentin hält sich im Hintergrund, lässt Verena Bentele den Vortritt und wird nur aktiv, wenn sie gebraucht wird.

    Nachdem sie vor der Bühne Platz genommen haben, beschreibt die Assistentin den Raum: "Hinter uns ist das Publikum in ungefähr zehn Reihen und direkt vor Dir steht das Pult." - "Von welcher Seite gehen wir auf die Bühne?", fragt Verena Bentele nach. Nach der Ansprache des ersten Bürgermeisters, bekommt Laura Bürzer das Zeichen, die Gastrednerin auf die Bühne zu bringen. Beide gehen zum Stehpult, wo Bentele mit ihrer Ansprache beginnt. Alles läuft schnell und routiniert.

    Aufmerksam sein, aber nicht aufdringlich

    Anschließend wollen die Veranstalter noch Gruppen-Fotos machen. Jetzt ist Aufmerksamkeit gefordert, schließlich soll sich die VdK-Präsidentin auf den Fotos von ihrer besten Seite zeigen. Und selbst Menschen ohne Sehbehinderung hätten oft Probleme damit, auf Bildern an der richtigen Stelle zu stehen.

    Mit ihrer Rolle im Hintergrund, hat sie sich angefreundet. "Es stört mich gar nicht, es macht mir Spaß, sie in dem guten Licht da stehen zu lassen, wie sie es als Person des öffentlichen Lebens braucht. Ich muss nicht in der Öffentlichkeit stehen."