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Bischof Hanke fordert Debatte über die Zukunft der Kirchensteuer | BR24

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Die Kirchensteuer ist umstritten. Für viele Gläubige ist sie ein Grund, aus der Kirche auszutreten. Jetzt hat sich der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zu Wort gemeldet. Er fordert eine Debatte über die Zukunft der Kirchenfinanzierung.

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Bischof Hanke fordert Debatte über die Zukunft der Kirchensteuer

Die Kirchensteuer ist umstritten. Für viele Gläubige ist sie ein Grund, aus der Kirche auszutreten. Jetzt hat sich der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zu Wort gemeldet. Er fordert eine Debatte über die Zukunft der Kirchenfinanzierung.

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Die Zahl derjenigen, die Jahr für Jahr aus der Kirche austreten, steigt. Spätestens in zehn Jahren werden in Deutschland die Kirchensteuereinnahmen einbrechen, befürchtet der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke.

In einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" forderte er daher die deutschen Bischöfe auf, über Alternativen zum derzeitigen Kirchensteuermodell nachzudenken. "Trägt diese Form der Kirchenfinanzierung auf Dauer, oder können wir nicht andere Wege gehen?", fragte Hanke, "auch mit Blick auf den Auftrag, den uns Papst Franziskus immer gibt, eine ärmere Kirche zu sein."

Kirchengeld zu allgemeinem Nutzen einsetzen

Auf den Tisch müssen dann, nach Einschätzung des Bischofs, auch die Staatsleistungen, also das Geld, das die Kirche vom Staat bekommt - mehr als 500 Millionen Euro jährlich, unter anderem zur Finanzierung der Bischofsgehälter.

Es sei schwer zu vermitteln, weshalb Nicht-Christen einen Bischof indirekt über ihre Steuer mitfinanzieren müssen. "Hier kommt auf die Kirche ein Rechtfertigungsdruck zu, wenn sie weiter auf ihrem historisch verbrieften Recht beharrt", sagte Hanke.

Eine Lösung sei, dass die Kirche auf die Gelder aus den Staatsleistungen verzichte. Eine andere Möglichkeit wäre laut Hanke, die Staatsleistungen nicht mehr auf Personen bezogen zu verwenden, wie etwa bei Bischofsgehältern, sondern sie "in kirchliche Einrichtungen, die der Allgemeinheit dienen" einzuspeisen. "Unsere Kindergärten oder Schulen besuchen ja auch Nichtgetaufte oder Muslime", sagte Hanke. Somit wäre auch für einen nicht kirchlich gebundene Steuerzahler gewährleistet, "dass sein Geld zu allgemeinem Nutzen verwendet wird."

Lebensstil der Bischöfe überdenken

Er forderte zudem einen Verzicht auf kirchliche Privilegien. Auch der Lebensstil der Bischöfe müsse überdacht werden. Hanke, der dem Benediktinerorden angehört, verwies auf die Bezahlung der Bischöfe im niederländischen Bistum Rotterdam. Hier erhalte der Bischof wie auch jeder Priester lediglich ein Monatsgehalt von 1.000 Euro. Das Geld stamme aus Beiträgen, die Gläubige spenden.

"Mir hat das sehr zu denken gegeben. Würde ich nur 1.000 Euro bekommen, müsste ich meinen gewohnten Lebensstil natürlich stark ändern. Aber als Mönch sollte ich das hinbekommen, ohne darin ein großes Opfer zu sehen." Georg Maria Hanke, Bischof von Eichstätt

Bistum Eichstätt wird nach Finanzskandal reformiert

Hanke äußerte sich auch zum Finanzskandal in seiner Diözese. Durch riskante Immobiliengeschäfte hat das Bistum Eichstätt bis zu 47 Millionen Euro verloren. Der Skandal habe massiv Vertrauen gekostet, sagte Hanke, der das Bistum nach dem Skandal gerade umstrukturiert. "Manche haben den Eindruck, ich stelle hier alles auf den Kopf, weil sie noch nicht sehen, wohin genau die nötigen Maßnahmen führen."